als .pdf Datei herunterladen

Neue Kohlemine in Großbritannien – und die Klimaziele?

Großbritannien genehmigt erste Kohlemine seit drei Jahrzehnten

 

Das Vereinigte Königreich hat am vergangenen Freitag die erste Untertage-Kohlemine seit mehr als drei Jahrzehnten genehmigt. Dies teilte das Nachrichtenportal ,,Mining Weekly‘‘ mit.

Die Genehmigung erfolgte ungeachtet eines geltenden Gesetzes zur Reduzierung der Abgase auf Netto null bis zur Mitte des Jahrhunderts.

Auf einer Sitzung des Rates von Cumbria County im Nordwesten Englands stimmten dabei 12 Mitglieder für die Genehmigung und 3 dagegen. In Woodhouse Colliery sollen nun bis zu 3,1 Mio. Tonnen metallurgische Kohle pro Jahr für die Stahlherstellung abgebaut werden.

Die West Cumbria Mining Ltd., die das Projekt trägt, soll die Förderung in der zweiten Jahreshälfte 2021 aufnehmen. Im Rahmen des Projektes sollen 500 Arbeitsplätze geschaffen werden.

Die Abbaugenehmigung wurde allerdings unter der Auflage erteilt, dass die Mine 2049 geschlossen wird, ein Jahr, bevor Großbritannien seine Abgase auf einen Nettowert von null reduzieren will.

Und auch wenn die Größe des Projektes überschaubar ist, die Bedeutung liegt insbesondere in dem Signal für das Land als Ganzes. In den 1980er-Jahren waren die meisten Kohleminen des Landes geschlossen worden. Die letzte Untertage-Mine Großbritanniens, die Haig Colliery, schloss 1986.

 

Auslaufmodell Kohle

 

Die Nutzung der Kohle zur Stromerzeugung ist in den Industrieländern weltweit seit Jahrzehnten auf dem Rückzug. Im laufenden Jahr war die Energieerzeugung Großbritanniens sogar in 2 Monaten ,,kohlefrei‘‘

Umweltschützer monieren deshalb auch, dass das neue Kohleprojekt ein Affront für den Plan der Regierung ist, die Nettoemissionen bis 2050 auf null zu senken. Zudem sei die Glaubwürdigkeit des Anspruches gefährdet, eine globale Führungsrolle im Kampf gegen den Klimawandel einzunehmen.

Ein Bericht der ,,Green Alliance‘‘ aus diesem Jahr hatte ermittelt, dass die jährlichen Emissionen des Landes aus der Verwendung von Kohle mindestens 8,4 Mio. Tonnen Kohlendioxid betragen würden. Dies ist mehr als die jährlichen Gesamtemissionen von Kamerun.

Ein weiteres Argument gegen die Kohleförderung ist, dass die Stahlerzeugung in der Zukunft verstärkt auf saubere Energien wie Wasserkraft setzt und dadurch die Kohle immer mehr überflüssig wird.

Als Gastgeber der nächsten Runde der UN-geleiteten Klimagespräche, bekannt als COP26, versucht Großbritannien, andere Länder zur Einhaltung des Klimaziels ,,Netto null‘‘ zu bewegen. Am 12.12.2020 wird Premierminister Johnson ein virtuelles Meeting der Staatsführer leiten, um anspruchsvolle operative Zielgrößen für das Treffen im November 2021 zu beschließen.

 

Fazit

 

Es ist damit zu rechnen, dass das Vereinigte Königreich durch die ganz offensichtlich kontraproduktive Genehmigung einer neuen Untertage-Kohlemine politisch unter neuen Druck kommt. Zudem ist zweifelhaft, ob durch Projekte dieser Art nachhaltige und profitable Arbeitsplätze entstehen können.

Jedoch ist eine Mehrheit der Briten skeptisch, dass die Klimaziele (Netto null) erreicht werden können. Nach einer Umfrage des Think Tanks ,,Bright Blue‘‘ vom vergangenen Freitag glauben 58 % der Befragten, dass es unwahrscheinlich sei, dass man die Klimaziele bis 2050 erreichen kann.

Die derzeit inkonsistente Energiepolitik dürfte sich damit zunehmendem internationalen Gegenwind gegenübersehen. Gleichzeitig steigt der innenpolitische Druck auf die Regierung, neben ,,damage control‘‘ auch Wege in eine energetisch nachhaltige Richtung aufzuzeigen.

 

05.10.2020 - Arndt Kümpel - ak@ntg24.de

 






Ihre Bewertung, Kommentar oder Frage an den Redakteur


Bitte geben Sie die Anzahl der unten gezeigten Eurozeichen in das Feld ein.
>

 



Bewertungen, Kommentare und Fragen an den Redakteur