Nur ein halbes Jahr nach der ursprünglichen Ankündigung geht die erste deutsche KI-Fabrik laut der Betreiberin Deutsche Telekom in den Betrieb über
Laut Telekom erhöhen sich die KI-Kapazitäten in Deutschland damit schlagartig
Europa und insbesondere Deutschland wird gerne vorgeworfen, bei neuen Technologien hinterherzuhinken. Diese Kritik wird weiterhin nicht verstummen. Die Deutsche Telekom meldete nun aber zumindest im Bereich von KI-Rechenzentren einen bedeutenden Fortschritt. Die im Sommer angekündigte KI-Fabrik mit etwa 10.000 KI-Beschleunigern wurde kürzlich in Betrieb genommen.
Laut der Deutschen Telekom (DE0005557508) steigt damit die KI-Kapazität in Deutschland schlagartig um 50 Prozent. Dafür sorgen rund 10.000 GPUs des Partners Nvidia, welche im Rechenzentrum am Münchener Tucherpark ihre Dienste verrichten. Erstmals angekündigt wurde das Projekt im vergangenen Sommer. Im Anschluss wurde der Standort entkernt, modernisiert und mit frischen Servern ausgestattet.
Letztere setzen sich auf einer Fläche von 10.700 Quadratmetern aus Systemen der Blackwell-Generation zusammen. Zum einen sind das Nvidia DGX B200 mit jeweils zwei Xeon Platinum 8570 und acht Nvidia B200. Ein solches System soll bis zu 72 PetaFLOPS Leistung beim Training und 144 PetaFLOPS beim Inferencing bieten. Dazu kommen RTX Pro Server, die sich aus jeweils acht RTX Pro 6000 Blackwell Server Edition zusammensetzen.
Die Telekom setzt auf Nachhaltigkeit und Souveränität
Insgesamt soll die Rechenleistung des neuen Standorts bei 0,5 ExaFLOPS liegen. Allein damit können nach Angaben der Telekom alle 450 Millionen Einwohner der EU gleichzeitig einen KI-Assistenten nutzen. Das Thema digitale Souveränität spielt bei dem Vorhaben eine große Rolle. Zwar wird mit Hardware von US-Partnern gearbeitet. Bei der Software kommen jedoch auch heimische Unternehmen wie SAP zum Zuge. Zudem verspricht die Betreiberin, dass sämtliche Daten in Deutschland verbleiben und nicht etwa auf US-Server weitergeleitet werden.
Ob bewusst oder unbewusst: mit solchen Worten spricht die Telekom auch eine Empfehlung für sich selbst aus, wenn es um mögliche Regierungsaufträge in der Zukunft geht oder um Rechenleistung für Unternehmen aus sensiblen Bereichen. Genügend Nachfrage scheint es aber schon jetzt zu geben. Zum Start soll bereits ein Drittel der Kapazitäten ausgelastet sein. Zu den frühen Kunden gehören unter anderem Siemens, die Beratungsgesellschaft EY und einige eher wenig bekannte Startups. Grundsätzlich steht die KI-Fabrik sowohl Kunden aus der freien Wirtschaft als auch der Forschung und dem öffentlichen Sektor zu Verfügung.
Neben der digitalen Souveränität schreibt die Telekom bei ihrem Rechenzentrum auch das Thema Nachhaltigkeit groß. Der Strombedarf von 12 Megawatt soll vollständig durch erneuerbare Energien sichergestellt werden. Zudem verspricht der Konzern, mit der Abwärme des Standorts das komplette Quartier Tucherpark mit Wärme zu versorgen. Es wird also nichts verschwendet und anders als bei manchem US-Rechenzentrum braucht es auch keine neuen Kernkraftwerke, um das Projekt in die Tat umzusetzen. Für die Telekom ergeben sich daraus vermutlich vergleichsweise günstige Betriebskosten, wenngleich darüber kein Wort verloren wurde.
Wieder im Spiel?
Ob Deutschland oder die EU mit dem neuen Rechenzentrum im KI-Sektor wieder ein Wörtchen mitreden können, sei dahingestellt. Für die Telekom ist es aber allemal ein großer Fortschritt, was im Handel am Mittwoch auch mit Kursgewinnen von etwa fünf Prozent belohnt wurde. Schon zuvor steigerte sich die Stimmung unter den Aktionären und der Kurs konnte sich nun wieder über die Marke von 30 Euro schwingen. Ende Januar wurde noch ein neues 52-Wochen-Tief bei 26 Euro erreicht.
Hoffnungen gibt es nicht zuletzt darauf, dass die Deutsche Telekom auf dem Heimatmarkt wieder größere Erfolge feiern kann. Die Aussichten darauf steigen mit dem neuen KI-Rechenzentrum noch weiter an. Der Telekommunikationskonzern macht sich mit derartigen Projekten etwas unabhängiger von der Performance der US-Tochter T-Mobile, welche in der jüngeren Vergangenheit die hohen Erwartungen der Anteilseigner nicht immer erfüllen konnte.
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05.02.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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