China schießt gegen Rheinmetall, Rückendeckung für Deutsche Telekom, BYD bekommt die Speicherkrise zu spüren und Vonovia leidet unter Zinsängsten
Die Börsianer bekommen es mit immer mehr Gegenwind zu tun
Einen großen Crash haben wir bisher nicht erleben müssen, doch die Stimmung an den Märkten blieb bis zuletzt schwer angespannt. Das hat mit zunehmenden Zweifeln an hohen Bewertungen und enormen Investitionen im KI-Segment und immer neuen Eskalationen im Nahen Osten zu tun. Das sind allerdings nicht die einzigen Faktoren, welche bei Einzeltiteln für fallende Kurse sorgen.
Bei Rheinmetall (DE0007030009) ist es schon seit einer ganzen Weile ungemütlicher geworden. Zwar befindet sich der Rüstungskonzern grundsätzlich noch immer auf Wachstumskurs. Allerdings verschiebt der Fokus in der Branche sich weg von klassischen Militärfahrzeugen, Artillerie und Co. hin zu Drohnen und Künstlicher Intelligenz. Nicht jeder ist überzeugt davon, dass Rheinmetall in diesen Bereichen stark genug aufgestellt ist.
Eine weitere Belastung kam in dieser Woche aus China. Als Reaktion auf Sekundärsanktionen gegenüber Russland, welche auch chinesische Unternehmen trafen, setzt China mit sofortiger Wirkung ein Verbot von Dual-Use-Gütern an mehrere europäische Unternehmen um. Davon ist auch Rheinmetall betroffen. Wie sehr dies die Produktion von Rheinmetall treffen mag, darüber lässt sich momentan nur spekulieren. Die Aktie reagierte kurzfristig mit Rückgängen, konnte ihre kleine Erholung aber aufrechterhalten und mit 1.037,60 Euro ins Wochenende gehen. Es bleibt bei einem Kursverlust von 35 Prozent seit Jahresbeginn.
Deutsche Telekom: Kein Grund zur Panik?
Für die Deutsche Telekom (DE0005557508) entpuppten sich vor Kurzem Zahlen der US-Tochter T-Mobile als Belastung. Schlecht lief das zurückliegende Quartal dort zwar nicht. Doch kurz zusammengefasst waren viele Anleger mit dem Wachstumstempo nicht mehr ganz zufrieden. Als Reaktion darauf gingen die Aktienkurse zeitweise spürbar zurück. Die Telekom-Aktie notierte am Freitagmorgen im Tief bei 25,66 Euro.
Etwas Rückendeckung gab es dann aber noch von den Analysten, welche auch nach T-Mobile-Zahlen noch Potenzial erkennen. Deutsche Bank Research bezeichnete die Ergebnisse aus Übersee gar als unterstützend. An der Kaufempfehlung wird ebenso festgehalten wie am Kursziel, das auf 40 Euro lautet. Inspiriert davon konnte der Kurs am Freitag letztlich um ein Prozent auf 26,39 Euro zulegen. Das reicht allerdings noch nicht, um die negative Tendenz im Chart loszuwerden.
BYD reagiert auf hohe Speicherpreise
Ein weiterer Belastungsfaktor an den Märkten ist die Speicherkrise, welche so ziemlich allen Unternehmen außer den Speicherherstellern das Leben schwerer macht. Die Effekte sind bei den Preisen von Computern, Smartphones und Co. längst zu spüren. Nun scheint das Ganze auch die Automobilbranche zu erfassen. Laut einem Bericht von „Nikkei Asia“ erhöht BYD (CNE100000296) die Preise für das Fahrassistenzsystem „God’s Eye B“ von bisher 9.900 auf 12.000 Yuan. Letzteres entspricht umgerechnet rund 1.450 Euro; die Preiserhöhung beläuft sich in hiesiger Währung rechnerisch auf etwa 250 Euro.
Das Unternehmen begründet den Preisanstieg explizit mit der Speicherkrise und daraus resultierenden Kosten. Überraschend kommt das nicht, da moderne Autos schon seit Jahren rollende Computer mit immer mehr Leistungsfähigkeit sind. Die Hersteller haben sich auch bereits mit langfristigen Lieferverträgen eingedeckt. Solche sind aber in diesen Tagen sehr viel kostspieliger geworden. Die Anleger scheinen dennoch noch die Ruhe zu bewahren; die BYD-Aktie entwickelte sich am Freitag stabil mit leicht positiver Tendenz.
Vonovia ringt um Fassung
Für Vonovia (DE000A1ML7J1) ging es vor dem Wochenende sogar um 1,9 Prozent aufwärts, was auf den ersten Blick sehr erfreulich aussieht. Zuvor bekam der Titel es jedoch mit teils kräftigem Gegenwind zu tun. Mit einem Schlusskurs von 20,73 Euro musste auf 5-Tages-Sicht ein Minus von 0,6 Prozent verkraftet werden und das 52-Wochen-Tief bei 19,53 Euro bleibt unangenehm nahe.
Der Weg nach oben wird in erster Linie durch Zinssorgen versperrt, die nach steigenden Ölpreisen zuletzt wieder größer geworden sind. Die EU hält sich diesbezüglich zwar für den Moment zurück. Doch an den Anleihemärkten ist eine für Immobilienunternehmen besorgniserregende Tendenz bereits bemerkbar. Höhere Zinsen treffen hochverschuldete Unternehmen mit hohem Investitionsbedarf besonders hart, und genau in diese Kategorie fällt grundsätzlich auch Vonovia.
Wachsende Sorgen
Es ist nicht das erste Mal, dass die Börsianer sich zunehmend Sorgen machen. In den letzten Jahren konnten solche Phasen letztlich mehr oder minder schadlos überstanden werden und es ging im Anschluss wieder auf Rekordjagd. Das dürfte dem einen oder anderen mit Sicherheit Mut machen. Wie immer gilt an der Börse jedoch, dass sich von vergangenen Ereignissen keine Rückschlüsse auf die Zukunft ziehen lassen. Es wird spannend zu sehen sein, ob wir es auch dieses Mal nur mit einem klassischen Sommerloch oder vielleicht doch etwas Größerem zu tun haben.
Rheinmetall AG-Aktie: Kaufen oder verkaufen?
Die neuesten Rheinmetall AG-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Rheinmetall AG-Aktionäre. Lohnt sich aktuell ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen?
Konkrete Empfehlungen zu Rheinmetall AG - hier weiterlesen...
26.07.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

Auf Twitter teilen Auf Facebook teilen
Informiert bleiben - Wenn Sie bei weiteren Nachrichten und Analysen zu einem in diesem Artikel genannten Wert oder Unternehmen informiert werden möchten, können Sie unsere kostenfreie Aktien-Watchlist nutzen.
Folgende Artikel könnten Sie auch interessieren
Ihre Bewertung, Kommentar oder Frage an den Redakteur
Haftungsausschluss - Die EMH News AG übernimmt keine Haftung für die Richtigkeit der Empfehlungen sowie für Produktbeschreibungen, Preisangaben, Druckfehler und technische Änderungen. (Ausführlicher Disclaimer)







21.07.2026
20.07.2026
14.07.2026
14.07.2026