Erneut kämpft Gerresheimer mit problematischen Bilanzen und der Aktienkurs stürzt nach einer Verschiebung des Konzernabschlusses stürzt die Aktie ins Bodenlose
Was ist da bei Gerresheimer nur los?
Der Verpackungsspezialist Gerresheimer erlebte an der Börse in der Vergangenheit schon so manche Rallye. Die Rolle des Unternehmens als Zulieferer für Verpackungen von Abnehmspritzen sowie zeitweise Übernahmefantasien trieben die Kurse vor wenigen Jahren noch bis auf über 100 Euro. Davon könnte der Titel mittlerweile aber nicht mehr weiter entfernt sein. Massive Probleme in den Bilanzen schicken die Anleger in die Flucht.
Schon im September kassierte Gerresheimer (DE000A0LD6E6) eine Rüge der Finanzaufsicht Bafin, da Umsätze im Jahr 2024 wohl vorzeitig verbucht wurden. Angekreidet wurden sogenannte Bill-and-hold-Verfahren, bei denen Waren in Rechnung gestellt werden, obschon sie noch beim Verkäufer bleiben. Die Aktie geriet darauf hin bereits noch stärker unter Druck, arbeitete in den letzten Wochen aber immerhin an einer Bodenbildung.
Am gestrigen Mittwoch wurde den Käufern allerdings der Boden unter den Füßen weggezogen. Das Unternehmen informierte über eine Verschiebung der eigentlich für den 26. Februar angedachten Quartalszahlen. Grund dafür sind interne Hinweise darauf, dass einzelne Mitarbeiter wohl gegen Richtlinien und Vorschriften bei der Bilanzierung verstoßen haben. Eben das soll nun weiter geprüft werden. Erste Konsequenzen beim Personal und bei der Organisation sollen laut Gerresheimer bereits gezogen worden sein.
Gerresheimer stürzt ab
Das Unternehmen sieht im eigenen Vorgehen einen Beleg dafür, dass man internen Hinweisen konsequent nachgehe und damit verbundene Vorgänge vollumfänglich aufzuklären versuche. Diese eher positive Erzählweise verfing an der Börse jedoch nicht. Die Märkte reagierten mit tiefer Verunsicherung und die Gerresheimer-Aktie stürzte am Mittwoch zeitweise um satte 35 Prozent ab. Zum ersten Mal seit der Finanzkrise 2008/09 notiert der Titel damit wieder unterhalb der 20-Euro-Marke. Zum Zeitpunkt des Entstehens dieses Artikels standen maue 18,67 Euro auf dem Ticker.
Die Angelegenheit hat wohl auch Auswirkungen auf bisherige Zahlen. So soll der Umsatz im Jahr 2024 nach Korrekturen um 35 Millionen Euro sinken und der Gewinn um 24 Millionen Euro nachgeben. Für das Jahr 2025 sollen fehlerhafte Buchungen noch korrigiert werden. Das könnte dazu führen, dass Gerresheimer unter dem Strich in den roten Zahlen landen wird. Analysten mahnen bereits zur Vorsicht, was den Verkaufsdruck nur noch weiter erhöht.
Um nicht vollständig unter die Räder zu kommen, plant Gerresheimer mit der Schließung eines Werks in den USA und dem Verkauf der US-Tochter Centor im Laufe dieses Jahres. Dafür soll es wohl auch bereits eine Reihe von potenziellen Interessenten geben. Mit dem Verkauf beauftragt wurde die US-Bank Morgan Stanley. Welche Erlöse sich Gerresheimer erhofft, darüber wurde nichts weiter mitgeteilt. Ende 2024 stand die Tochter mit einem Wert von 292 Millionen Euro in der Bilanz, berichtet das „Handelsblatt“.
Anleger auf der Flucht
Was genau bei Gerresheimer alles im Argen liegen mag, das lässt sich aktuell noch nicht mit letzter Sicherheit sagen. Doch Verschiebungen von Quartalszahlen und Korrekturen vorheriger Umsätze sind an der Börse mit die größten Warnsignale für Anleger überhaupt. Daher kommt es erst einmal zu einer fluchtartigen Bewegung, was auch durchaus nachvollziehbar ist. Bis sich der Staub gelegt hat, empfiehlt sich weiterhin ein gebührender Abstand zur Aktie. Denn es ist nicht auszuschließen, dass der Absturz sich noch weiter fortsetzen könnte. Das gilt insbesondere dann, wenn Gerresheimer tatsächlich in die roten Zahlen rutschen sollte.
Schwankungen beim Aktienkurs sind kaum auszuschließen. Schnäppchenjäger könnten auf eine Erholung wetten und nun auf historisch niedrigem Niveau Aktien aufsammeln. Es lässt sich aber nicht empfehlen, bei diesem Spielchen mitzumachen. Zwar sind die Chancen auf hohe Gewinne schon vorhanden und die Erholung könnte im besten Fall enorm ausfallen. Die Risiken sind aber ungleich höher. Analysten erkennen bei Gerresheimer zum Teil schon einen kontinuierlichen Absturz, welcher das Unternehmen an den Rande des Abgrunds getrieben hat, wenn nicht sogar noch einen Schritt weiter.
Gerresheimer-Aktie: Kaufen oder verkaufen?
Die neuesten Gerresheimer-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Gerresheimer-Aktionäre. Lohnt sich aktuell ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen?
Konkrete Empfehlungen zu Gerresheimer - hier weiterlesen...
12.02.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

Auf Twitter teilen Auf Facebook teilen
Informiert bleiben - Wenn Sie bei weiteren Nachrichten und Analysen zu einem in diesem Artikel genannten Wert oder Unternehmen informiert werden möchten, können Sie unsere kostenfreie Aktien-Watchlist nutzen.
Folgende Artikel könnten Sie auch interessieren
Ihre Bewertung, Kommentar oder Frage an den Redakteur
Haftungsausschluss - Die EMH News AG übernimmt keine Haftung für die Richtigkeit der Empfehlungen sowie für Produktbeschreibungen, Preisangaben, Druckfehler und technische Änderungen. (Ausführlicher Disclaimer)






14.05.2026
17.04.2026
25.03.2026
22.03.2026