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Kaffeepreis mit doppeltem Rückenwind

Beendet der Kaffeepreis seine Bodenbildung?

 

In den vergangenen Monaten haben sich einige Einflussfaktoren auf den Kaffeepreis deutlich verstärkt. Diese sind, wie in allen offenen Koppelsystemen zwischen Mensch und Natur, teilweise nicht steuerbar, meistens nicht-linear und oftmals nur statistisch zu erfassen, andere wiederum sind menschengemacht.

Auf einen Vergleich des Kaffeepreises mit den breiten Rohstoffindizes soll hier zwar verzichtet werden. Ein Blick auf den linken Randbereich von Chart 1 lässt aber erahnen, dass der Anstieg des Ölpreises in den 1970er-Jahren, der durch eine Blockade der arabischen Staaten gegen Israel und seine Verbündeten ausgelöst wurde, menschengemacht war und damit auch die daraufhin folgende Inflationswelle.

Was wäre die Reaktion auf eine ähnliche Entwicklung heute, wenn sich also der Kaffeepreis durch Produktionsunterbrechungen klimatischer und/oder administrativer Art nicht wie damals verfünffachen, sondern einfach nur verdoppeln würde?

Dass dieser Gedankengang nicht so abwegig ist, zeigt erneut ein Blick auf Chart 1. Darin ist mit der grünen Horizontalen das aktuelle Preisniveau markiert. Mit gelben Rechtecken sind diejenigen Impulse markiert, mit denen nach einer Bodenbildung dieses Niveau überschritten wurde.

Mit der roten Horizontalen ist das Niveau markiert, ab dem es keine Fehlsignale mehr in dem Sinne gibt, als dass diese kurz darauf wieder scharf nach unten drehen. Dieses Niveau liegt bei rund 170 US-Cent je Pfund Kaffee.

Bei einem aktuellen Preis von rund 143 US-Cent je Pfund Kaffee hat der Kaffeepreis über die letzten 5 Jahrzehnte bereits eine Wahrscheinlichkeit eines weiteren deutlichen Anstiegs von 70 %, bei einem Anstieg über 170 US-Cent von fast 100 %.

Inkludiert man nun noch die aktuelle Situation bei der Verteilung von Finanz-Assets und realen Assets wie Rohstoffe sowie die Tatsache mit ein, dass die Preissteigerungen der letzten Monate vor allem auf einen Angebotsmangel zurückgehen, so dürfte sich die Wahrscheinlichkeit eines weiteren scharfen Preisanstieges aus dieser Perspektive auch jetzt schon bei deutlich über 80 % liegen.

Die ,,Situation on the Ground‘‘ passt dazu. Die Ernteaussichten für Arabica-Kaffee beim weltgrößten Kaffeeproduzenten Brasilien sind mager. Sie könnte Schätzungen zufolge von 49 Mio. Sack im vergangenen Jahr auf nur noch 32,8 Mio. Sack in diesem Anbaujahr sinken. Bei Robusta-Kaffee sieht es ähnlich aus. Die meisten Analysten rechnen nun mit einem Rückgang der Erntemenge um 25 %, denn die jüngsten Regefälle können die vorangegangene Trockenheit nicht hinreichend ausgleichen.

 

 

Ein Blick auf Chart 2 zeigt, dass der Kaffeepreis seinen seit 10 Jahren laufenden Abwärtstrend bereits im November 2019 gebrochen hat. Zuvor hatte er sein Zwischentief vom Herbst 2005 fast erreicht, war dann aber in eine zunächst erratisch, sich dann aber beschleunigende Aufwärtsbewegung eingetreten.

 

 

Nun hat Kaffee Ende April 2021 eine wichtige Nackenlinie dieses Bodens (blaue Horizontale) überwunden (lila Rechteck). Damit ist charttechnisch ein schneller Anstieg bis in den bereits genannten charttechnisch sensiblen Bereich bei 170 USS-Cent je Pfund wahrscheinlich.

Dort wird sich dann aus Sicht obiger Wahrscheinlichkeitsschätzungen entscheiden, ob es zu einer deutlichen Beschleunigung des Preisanstieges kommt.

 

Und was ist das Fazit?

 

Der Kaffeepreis hat seine Bodenbildung Ende April 2021 abgeschlossen und wartet offensichtlich nun auf einen Auslöser für einen Preisanstieg in Richtung 170 US-Cent je Pfund. Der Aufwärtstrend war bis jetzt erratisch und kann jederzeit nochmals korrigieren. Aber die fundamentale Ausgangslage deutet auf einen Preisanstieg durch Angebotsverknappung hin, der durch menschengemachte weitere Restriktionen weiter beschleunigt werden könne.

 

05.05.2021 - Arndt Kümpel - ak@ntg24.de

 






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  • m - 05.05.2021 18:23:35 Uhr


 

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