Micron verdient prächtig, Apple hingegen muss die Preise erhöhen, auch bei Microsoft wird es teurer und Nintendo-Fans müssen ebenfalls tiefer in die Tasche greifen
Die Speicherkrise kommt Stück für Stück bei den Verbrauchern an
Micron hat es wieder einmal geschafft. Mit den jüngsten Quartalszahlen konnten die Erwartungen der Märkte deutlich übertroffen werden. Das ist zuvorderst einer noch immer steigenden Nachfrage nach Speicherchips zu verdanken. Die KI-Hyperscaler brauchen davon derart viel, dass sie so ziemlich jeden Preis zu zahlen bereit sind, was die Margen von Micron explodieren lässt.
Zuvor gab es noch leise Zweifel daran, ob Micron (US5951121038) sich weiterhin behaupten kann. Doch mit der Zahlenvorlage waren diese wie weggeblasen. Der Aktienkurs schoss am Donnerstag um 15,8 Prozent bis auf 1.213,56 US-Dollar in die Höhe. Zeitweise konnte bei 1.255 Dollar ein neues Allzeit-Hoch markiert werden. Der KI- und Speicherboom scheint so lebendig wie eh und je zu sein.
Für das laufende Quartal stellt Micron noch höhere Gewinne in Aussicht und die Bullen verfielen in eine regelrechte Ekstase. Nachbörslich wurden zwar einige Gewinne eingesammelt und es deuten sich wieder Kurse unterhalb von 1.200 Euro für den heutigen Freitag an. Doch am grundsätzlichen Trend ändert sich dadurch auch nichts. Allein seit Jahresbeginn ging es um über 300 Prozent aufwärts; im Jahresvergleich sind sogar Aufschläge von rund 850 Prozent zu bestaunen. Doch was bei Micron für beste Stimmung sorgt, bringt manch anderem herbe Kopfschmerzen ein.
Apple dreht an der Preisschraube
Für Hersteller von Computern und Smartphones ist das Leben eine ganze Ecke unangenehmer geworden. Apple (US0378331005) warnte unlängst schon davor, dass Preiserhöhungen unumgänglich seien. Nun werden eben solche auch in die Tat umgesetzt. MacBook, iPads, HomePod, Apple TV und Apple Vision Pro werden teurer. Zum Teil steigen die Preise um bis zu 36 Prozent. Bei einigen Produkten bleibt es bei Erhöhungen zwischen 10 und 20 Prozent.
Damit einher geht natürlich das Risiko, dass die Absatzzahlen in Mitleidenschaft gezogen werden könnten. Das weiß auch Apple und scheint beim wichtigsten Produkt in Form des iPhones noch zurückhaltend zu sein. Dort gibt es für den Moment keine höheren Preise. Die Anleger reagierten dennoch skeptisch. Denn wenn schon die Absatzzahlen nicht fallen, dürfte die Marge dennoch schwer leiden. Die Apple-Aktie rutschte am Donnerstag um 6,2 Prozent auf 275,15 Dollar. Skeptisch stimmt die Börsianer dabei auch, dass noch mit weiteren Preiserhöhungen für Speicher gerechnet wird.
Microsoft macht die Xbox zum Luxusobjekt
Tiefer in die Tasche greifen müssen auch Gamer. Zum ersten Mal überhaupt haben die Preise für Spielekonsolen sich innerhalb einer Generation kontinuierlich erhöht, anstatt mit der Zeit günstiger zu werden. Die Entwicklung ist offenbar noch nicht an ihrem Ende angekommen. Zum wiederholten Male kündigte Microsoft (US5949181045) an, die Preise für die Xbox zu erhöhen. Es geht um 100 bis 150 Dollar aufwärts.
Die günstigste Konsole in Form der Xbox Series S mit 512 GB kostet ab August nun 500 Dollar. Zum Marktstart vor sechs Jahren waren es deutlich schlankere 300 Dollar. Für eine Xbox Series X mit 1 TB müssen künftig 750 Dollar oder 800 Dollar mit Laufwerk auf den Tisch gelegt werden. Auch dort ist der Preis seit Verkaufsstart um über 60 Prozent angestiegen. Damit sind Spielekonsolen mittlerweile eine erstaunlich gute Wertanlage. Die Anleger können sich darüber nicht recht freuen. Die Microsoft-Aktie ließ gestern um 3,5 Prozent bis auf 352,83 Dollar nach.
Nintendo erhöht Preise in Asien
Die Switch 2 von Nintendo (JP3756600007) wird ebenfalls im September teurer, was sich aber fast noch im Rahmen hält und schon vor einer Weile kommuniziert wurde. Nun wird darüber spekuliert, ob es bei dieser Preiserhöhung bleiben wird oder noch mehr kommen wird. Zumindest in Japan kündigte der Super-Mario-Konzern schon eine Preiserhöhung für den Online-Service „Nintendo Switch Online“ an. Um Online-Spiele zu nutzen oder Klassiker zu spielen, werden künftig monatlich 400 statt zuvor 306 Yen fällig. Bei einem Jahresabo geht der Preis von 2.400 auf 3.000 Yen.
Der Videospielemarkt steht ohnehin schon unter Druck und höhere Preise werden da kaum weiterhelfen. Das verunsichert die Anleger im Falle von Nintendo ganz besonders, da es sich um das Hauptgeschäft des Konzerns handelt. Der Release von „Starfox“ mitsamt recht positivem Medienecho kann da nicht über unsichere Zukunftsaussichten hinwegtrösten. Die Aktie gab am Freitag bis zum Nachmittag in Tokio um weitere vier Prozent auf 6.589 Yen nach.
Es wird wohl nicht billiger
Was für die Speicherhersteller eine sehr angenehme Entwicklung ist, bringt zahlreiche andere Unternehmen in die Bredouille, und es kommt immer mehr auch bei den Endverbrauchern an. Billiger wird es so schnell wohl nicht werden, was einige Fragen aufwirft. An der Börse treibt es die Anleger freilich noch stärker in die Arme der Gewinner dieser Entwicklung.
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26.06.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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