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Der Speicherboom teilt die Techbranche in Gewinner und Zahler

Nintendo und Sony müssen steigende Komponentenkosten abfedern, während Micron aus KI-Nachfrage und knapper DRAM-Versorgung Rekordergebnisse formt

NTG24 - Der Speicherboom teilt die Techbranche in Gewinner und Zahler

KI-generiertes Symbolbild. Marken dienen der redaktionellen Einordnung.

 

Drei Unternehmen, drei sehr unterschiedliche Börsengeschichten – und doch führt eine gemeinsame Spur durch ihre jüngsten Zahlen. Nintendo verkauft seine neue Konsole teurer, Sony sichert Speicher für die PlayStation frühzeitig ab und Micron verdient an genau jener Knappheit, die Gerätehersteller unter Druck setzt. Der aktuelle Technologiezyklus wird damit nicht allein von künstlicher Intelligenz geprägt. Er entscheidet auch neu, wer innerhalb der Lieferkette die Preismacht besitzt.

Nintendo (JP3756600007) und Sony Group (JP3435000009) stehen auf der Käuferseite dieses Marktes. Beide benötigen leistungsfähige Speicherchips für ihre Konsolen und weitere Elektronikprodukte. Doch ihre Ausgangslage unterscheidet sich deutlich: Nintendo befindet sich mitten im zweiten Jahr des Switch-2-Zyklus, während Sony versucht, aus einer reifen PlayStation-Generation mehr Gewinn je aktivem Nutzer herauszuholen.

Micron Technology (US5951121038) sitzt dagegen auf der anderen Seite des Tisches. Der US-Konzern profitiert von rasant steigender Nachfrage nach DRAM und High-Bandwidth Memory für KI-Rechenzentren. Was für Nintendo und Sony als Materialkostenrisiko erscheint, ist für Micron derzeit eine außergewöhnlich starke Preis- und Margenphase.

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Damit entsteht ein ungewöhnlicher Vergleich. Nintendo und Sony konkurrieren zwar direkt um Spielzeit, Softwarekäufe und Konsolenhaushalte. Aus Investorensicht müssen beide momentan aber zugleich beweisen, dass sie steigende Hardwarekosten an Kunden weitergeben oder durch digitale Erlöse kompensieren können. Micron muss das Gegenteil zeigen: dass die heutige Knappheit nicht durch einen späteren Kapazitätsüberschuss zerstört wird.

 

Nintendo erhöht den Preis mitten im Produktzyklus

 

Nintendo hat den Druck aus der Lieferkette bereits in eine sichtbare Entscheidung übersetzt. Der Konzern kündigte im Mai Preiserhöhungen für die Switch 2 an. In Europa soll der Preis im eigenen Online-Shop zum 1. September von 469,99 Euro auf 499,99 Euro steigen. In den USA ist eine Anhebung von 449,99 auf 499,99 US-Dollar vorgesehen. In Japan wurde der Preis des ausschließlich japanischsprachigen Modells bereits Ende Mai erhöht.

Das ist mehr als eine normale Anpassung an Wechselkurse. Nintendo testet die Preissetzungsmacht einer Plattform, die in ihrem ersten Geschäftsjahr 19,86 Mio. Mal ausgeliefert wurde. Damit übertraf die Switch 2 sowohl die ursprüngliche Prognose von 15 Mio. als auch die später angehobene Zielmarke von 19 Mio. Geräten.

Die Präsentation zum Nintendo-Geschäftsjahr zeigt allerdings, dass das Management für das laufende Jahr bewusst vorsichtiger plant. Bis Ende März 2027 werden 16,5 Mio. Switch-2-Konsolen erwartet. Das wären rund 17 % weniger als im außergewöhnlich starken Einführungsjahr.

Ein solcher Rückgang muss nicht problematisch sein. Neue Konsolen verkaufen sich unmittelbar nach der Einführung häufig besonders stark. Schwieriger wird die Rechnung durch die höheren Preise. Nintendo muss beweisen, dass ausreichend Haushalte auch knapp 500 Euro für das Gerät bezahlen, während zugleich immer mehr Ausgaben in Abonnements, Mobile Games und andere digitale Unterhaltungsangebote fließen.

 

Die Software soll übernehmen, wenn die Hardware langsamer wird

 

Nintendos wichtigster Hebel ist nicht die Konsole allein, sondern das anschließende Geschäft mit Spielen. Im vergangenen Geschäftsjahr wurden 48,71 Mio. Switch-2-Spiele ausgeliefert. Für das laufende Jahr stellt der Konzern 60 Mio. Einheiten in Aussicht. Die geplante Steigerung um gut 23 % soll den erwarteten Rückgang beim Hardwareabsatz teilweise auffangen.

Mario Kart World erreichte bis Ende März 14,70 Mio. verkaufte Exemplare, Donkey Kong Bananza kam auf 4,52 Mio. Einheiten. Gleichzeitig bleibt der Vorgänger wirtschaftlich relevant: Für die ursprüngliche Switch wurden noch 136,91 Mio. Softwareeinheiten verkauft. Weil viele ältere Titel auch auf der Switch 2 funktionieren, kann Nintendo seinen großen Katalog weiter monetarisieren.

Genau hier liegt die Qualität des Geschäftsmodells. Eine Preiserhöhung bei der Hardware wäre gefährlich, wenn Nintendo ausschließlich vom Geräteverkauf lebte. Der Konzern verdient jedoch auch an eigenen Spielen, digitalen Downloads, Zusatzinhalten, Lizenzen und Nintendo Switch Online. Je größer die installierte Basis wird, desto weniger muss jedes neue Geschäftsjahr allein durch zusätzliche Konsolen getragen werden.

Trotzdem bleibt das Risiko real. Ein hoher Gerätepreis kann das Wachstum der Nutzerbasis bremsen. Dann müsste eine kleinere Zahl neuer Käufer mehr Software erwerben, damit die Kalkulation aufgeht. Die kommenden Quartale werden deshalb nicht nur an den Switch-2-Stückzahlen gemessen, sondern an der Zahl der Spiele je Gerät und am digitalen Umsatzanteil.

 

Sony macht aus einer reifen Konsole ein Ertragsmodell

 

Sony befindet sich in einer anderen Phase. Die PlayStation 5 ist längst etabliert, der Absatz neuer Konsolen verliert jedoch an Bedeutung. Im ersten Geschäftsquartal wurden 1,6 Mio. PS5-Geräte verkauft und damit ungefähr ein Drittel weniger als ein Jahr zuvor. Trotzdem stieg das operative Ergebnis der Spielesparte um 37 % auf 202 Mrd. Yen.

Der Umsatz des Segments Game & Network Services blieb mit 937,1 Mrd. Yen nahezu unverändert. Die Gewinnentwicklung war dennoch stark genug, dass Sony die Prognose für das Geschäftsjahr anhob. Für den Gesamtkonzern werden nun 1,72 Bio. Yen operatives Ergebnis erwartet, 120 Mrd. Yen mehr als in der bisherigen Planung.

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Die jüngsten Q1-Zahlen von Sony zeigen damit, wie sich die PlayStation-Logik verändert. Der Konzern muss nicht mehr in jedem Quartal eine Rekordzahl neuer Konsolen verkaufen. Entscheidend sind aktive Nutzer, digitale Spiele, Zusatzinhalte und Abonnements. Im Juni erreichte PlayStation 125 Mio. monatlich aktive Konten und damit einen Rekord für diesen Kalendermonat.

Sony monetarisiert folglich eine große bestehende Plattform. Das reduziert die Abhängigkeit vom Hardwarevolumen und hilft, höhere Komponentenkosten abzufedern. Ganz verschwunden ist das Risiko aber nicht. Neue Plattforminvestitionen, Restrukturierungskosten und teurere Speicherchips belasten weiterhin die Rechnung.

 

Speicher wird vom Bauteil zum strategischen Engpass

 

Für Sony ist die Lage derzeit kontrollierbar. Das Unternehmen erklärte, genügend Speicher für die im laufenden Geschäftsjahr geplanten PS5-Verkäufe gesichert zu haben. Die Profitabilität der Hardware soll deshalb ungefähr auf dem Niveau des Vorjahres bleiben. Diese Aussage ist bedeutsam, weil sie zeigt, dass Beschaffung inzwischen selbst zum Wettbewerbsvorteil wird.

Wer Speicher frühzeitig reserviert, langfristige Verträge abschließt und ausreichende Mengen erhält, kann Produkte planbarer kalkulieren. Wer zu spät bestellt, muss höhere Preise akzeptieren oder Geräteproduktion und Margenziele anpassen. Sony verschafft sich durch seine Größe und Einkaufsposition einen gewissen Schutz, während Nintendo einen Teil des Kostendrucks offensichtlich über höhere Verkaufspreise weitergibt.

Allerdings ist Sony nicht nur Käufer von Halbleitern. Das Segment Imaging & Sensing Solutions produziert selbst Bildsensoren und steigerte den Quartalsumsatz um rund 26 % auf 512,7 Mrd. Yen. Das operative Ergebnis sprang auf 122,2 Mrd. Yen. Dadurch besitzt Sony eine breitere Halbleiterposition als ein reiner Konsolenanbieter – allerdings nicht im besonders knappen DRAM- und HBM-Markt, der Microns Zahlen antreibt.

 

Micron verdient an der Knappheit in einer anderen Größenordnung

 

Microns drittes Geschäftsquartal verdeutlicht, wie stark sich die Verhandlungsmacht zugunsten der Speicherhersteller verschoben hat. Der Umsatz erreichte 41,46 Mrd. US-Dollar. Im vorangegangenen Quartal waren es 23,86 Mrd. US-Dollar gewesen, im Vorjahreszeitraum lediglich 9,30 Mrd. US-Dollar.

Auch unterhalb des Umsatzes nahm der Aufschwung extreme Dimensionen an. Micron meldete einen Nettogewinn nach US-Rechnungslegung von 28,24 Mrd. US-Dollar und einen operativen Cashflow von 25,39 Mrd. US-Dollar. Für das Schlussquartal stellte das Unternehmen nochmals deutlich höhere Erlöse in Aussicht.

Die Mitteilung zu Microns Rekordquartal erklärt die Entwicklung vor allem mit dem strategischen Wert von Speicher im KI-Zeitalter. Rechenzentren benötigen nicht nur Grafikprozessoren. Leistungsfähige KI-Systeme brauchen immer größere Mengen schnell angebundenen Speichers, damit Prozessoren nicht auf Daten warten müssen.

High-Bandwidth Memory ist deshalb vom ergänzenden Bauteil zu einem Engpass der gesamten KI-Infrastruktur geworden. Gleichzeitig zieht die starke Nachfrage Kapazitäten aus anderen Speichersegmenten ab. Das verschärft die Preislage auch für klassische DRAM-Produkte, die in Computern, Smartphones und Spielkonsolen eingesetzt werden.

 

 

 

Microns Rekordmargen enthalten bereits das nächste Risiko

 

So beeindruckend die Entwicklung ist, so gefährlich wäre es, sie einfach fortzuschreiben. Speicher bleibt ein zyklisches Geschäft. Hohe Preise lösen regelmäßig neue Investitionen aus. Micron, Samsung, SK Hynix und chinesische Anbieter bauen ihre Kapazitäten aus, weil die aktuelle Nachfrage außergewöhnlich profitabel ist.

Micron plant für das laufende Geschäftsjahr Investitionen von rund 27 Mrd. US-Dollar und stellt für 2027 nochmals höhere Ausgaben in Aussicht. Kurzfristig ist das notwendig, um HBM- und DRAM-Nachfrage bedienen zu können. Langfristig erhöht jeder zusätzliche Fertigungsstandort jedoch das Risiko, dass das Angebot schneller wächst als der Bedarf.

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Werbebanner Großbritannien GoldHinzu kommt die chinesische Konkurrenz. ChangXin Memory Technologies erweitert seine DRAM-Kapazitäten und arbeitet daran, technologisch zu den führenden Anbietern aufzuschließen. Kurzfristig dürfte der Qualitäts- und Skalenvorsprung der etablierten Hersteller bestehen bleiben. Für die Bewertung von Micron ist aber entscheidend, wie lange die gegenwärtige Knappheit anhält und ob langfristige Kundenvereinbarungen den nächsten Preiszyklus tatsächlich abmildern.

Nintendo und Sony profitieren indirekt von jeder Entspannung. Sinkende Speicherpreise könnten die Konsolenmargen verbessern, Preissenkungen ermöglichen oder mehr Spielraum für leistungsfähigere Hardware schaffen. Für Micron wäre dieselbe Entwicklung dagegen ein Warnsignal. Die drei Aktien handeln deshalb unterschiedliche Seiten derselben Kostenkurve.

 

Nintendo verkauft Welten, Sony verkauft Nutzung, Micron verkauft Knappheit

 

Nintendo besitzt vermutlich die stärkste Abhängigkeit von einzelnen Spielideen. Der wirtschaftliche Erfolg der Switch 2 hängt davon ab, dass exklusive Titel den höheren Gerätepreis rechtfertigen und anschließend möglichst viele Softwarekäufe auslösen. Die Marke ist stark, doch jeder Konsolenzyklus muss neu mit Inhalten gefüllt werden.

Sony verfügt über das breitere Unterhaltungssystem. PlayStation, Musik, Film, Anime und Bildsensoren sorgen dafür, dass ein schwächeres Hardwarequartal nicht den gesamten Konzern definiert. Die aktuelle Ergebnisverbesserung zeigt, dass Sony aus der bestehenden Nutzerbasis mehr herausholt, ohne allein auf steigende Konsolenstückzahlen angewiesen zu sein.

Micron besitzt momentan die größte operative Dynamik, aber auch den stärksten Zyklushebel. Das Unternehmen verkauft ein Produkt, das Kunden dringend benötigen und nicht kurzfristig ersetzen können. Dadurch entstehen enorme Margen. Diese Attraktivität zieht jedoch neues Angebot an und erhöht den politischen Druck, Speicherproduktion in mehreren Regionen aufzubauen.

 

Drei Aktien und drei verschiedene Erwartungen

 

Für Nintendo wird der nächste Quartalsbericht am 6. August besonders wichtig. Der Markt erhält dann erstmals einen genaueren Eindruck davon, wie sich Switch-2-Nachfrage, Softwareverkäufe und Preiserhöhungen im neuen Geschäftsjahr entwickeln. Entscheidend ist nicht allein, ob mehr oder weniger Konsolen verkauft wurden, sondern ob die Plattform trotz höherer Preise ihre Dynamik behält.

Sony hat den ersten Belastungstest bereits bestanden. Der Konzern steigerte den Quartalsgewinn, hob die Prognose an und erklärte die benötigten Speichermengen für das laufende Geschäftsjahr für gesichert. Die PlayStation-Sparte wirkt dadurch weniger wie ein klassisches Konsolengeschäft und stärker wie eine digitale Plattform mit großer Nutzerbasis.

Micron wiederum liefert die spektakulärsten Zahlen, trägt aber auch die höchsten Erwartungen. Solange KI-Investitionen wachsen, HBM knapp bleibt und langfristige Lieferverträge greifen, besitzt der Konzern eine außergewöhnlich starke Position. Die Aktie handelt jedoch nicht mehr die bloße Erholung eines Speicherzyklus, sondern dessen mögliche Verlängerung über mehrere Jahre.

Der Vergleich zeigt damit eine klare Verschiebung innerhalb der Technologiebranche. Nintendo und Sony müssen den Wert ihrer Inhalte und Plattformen erhöhen, um steigende Bauteilkosten zu überkompensieren. Micron muss verhindern, dass aus heutiger Knappheit morgen wieder Überangebot wird. Der stärkste Gewinnbericht kommt derzeit aus Boise – die dauerhaftesten Geschäftsmodelle könnten dennoch dort liegen, wo Nutzer nicht nur Speicher, sondern ganze Unterhaltungswelten kaufen.

 

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04.08.2026 - Christian Teitscheid

Unterschrift - Christian Teitscheid

 

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