Nintendo erhöht wieder Preise, Micron schreibt dennoch keine neuen Rekorde, SK Hynix bekommt Gegenwind und Samsung begeistert nicht mehr recht
Die Schattenseiten des KI-Booms werden sichtbarer
Über Monate hinweg schossen die Aktien der Speicherhersteller wie eine Rakete gen Norden. Dank einer unstillbaren Nachfrage und rapide steigenden Preisen schreiben die Konzerne so hohe Gewinne wie nie zuvor, was zuletzt Micron eindrucksvoll belegte. Dennoch scheint die Stimmung einen kleinen Knicks bekommen zu haben.
Die Angelegenheit hat auch ihre Schattenseite, ganz besonders für Verbraucher. Für die wird nämlich alles, was auch nur irgendwie Speicherchips verbaut hat, deutlich teurer. Gedämmert ist den Börsianern das vor allem, nachdem kürzlich Apple teils massive Preiserhöhungen ankündigte. Teurer wird es aber auch Schritt für Schritt bei Nintendo (JP3756600007). Für die Spielekonsole Switch 2 wurden bereits vor einigen Wochen Preiserhöhungen ab September in zahlreichen Regionen angekündigt.
Dazu kommen nun noch weitere Länder. In Südkorea wird Nintendos Daddelkiste ab September 758.000 Won (ca. 430 Euro) statt zuvor 648.000 Won kosten. In Taiwan steigt der Preis von 14.380 auf 15.880 Neue Taiwan-Dollar, was umgerechnet rund 440 Euro entspricht. Schließlich geht es in Hongkong in einem ähnlichen Stil aufwärts. Hierzulande werden ab September 500 statt aktuell noch 470 Euro fällig. Obschon die Nintendo-Aktie gestern ein wenig zulegen konnte, steht sie mit einem Verlust von rund 35 Prozent seit Jahresbeginn da.
Micron im Visier
Einer der großen Nutznießer solcher Preiserhöhungen ist Micron (US5951121038), denn es sind hauptsächlich sündhaft teure Speicherchips, welche die Hersteller von Elektronik in die Bredouille bringen. Dennoch scheint das Ganze an der Börse nicht als positive Neuigkeit verstanden zu werden. Die Micron-Aktie tendierte zuletzt ein Stückchen unterhalb ihrer Rekordmarken seitwärts und ging am Montag mit 1.145,28 US-Dollar aus dem Handel.
Das könnte auch daran liegen, dass sich Widerstand formiert. In den USA wurden die drei großen Speicherhersteller verklagt mit dem Vorwurf darauf, dass künstliche Verknappung und Preisabsprachen zur aktuellen Lage geführt hätten. Kunden im KI-Segment würden weiterhin bedient, so der Vorwurf, während Kapazitäten für Verbraucher-Chips immer weiter zurückgefahren worden seien. Die Argumentation der insgesamt 17 Kläger reicht bis ins Jahr 2022 zurück und verweist ferner darauf, dass es in der Vergangenheit bereits Urteile gegen Micron und Co. in ähnlichen Verfahren gegeben habe.
SK Hynix mit roten Vorzeichen
Neben Micron gerät auch SK Hynix (KR7000660001) ins Visier der Kläger, und die Stimmung scheint sich auch abseits dezent gedreht zu haben. Statt neuer Rekorde gab es zuletzt kleine Rücksetzer zu sehen. Der eine oder andere Analyst spricht schon von einer Seitwärtsbewegung, wenn auch mit noch immer deutlichen Schwankungen. Am Dienstag startete der Titel zwar stark, blieb mit 2,7 Millionen Won aber ein gutes Stück unter dem Rekordhoch bei knapp 3 Millionen Won.
Das hat nicht nur mit Klagen und Preiserhöhungen zu tun. Immer mehr werden auch schlicht die enorm hohen Bewertungen infrage gestellt. Die Speicherhersteller haben sich zu Billionenunternehmen entwickelt, und nicht jedem scheint das noch geheuer zu sein. Gefürchtet wird ein wenig, dass es doch noch zu einer Korrektur kommen könnte. Darauf will nicht jeder einfach warten. Die Risikofreudigkeit nimmt ab und es werden stückweise Gewinne mitgenommen.
Samsung gibt nach
Bei der Aktie von Samsung (US7960502018) lassen sich ähnliche Effekte feststellen. Mit dem Aktienkurs ging es hierzulande am Montag um knapp fünf Prozent auf noch 4.600 Euro in die Tiefe. Verglichen mit dem Rekordhoch bei 5.300 Euro ging es schon um annähernd 15 Prozent abwärts. Dabei kündigte der Konzern kürzlich noch eine weitere Expansion an, die großzügig von der südkoreanischen Regierung mitgetragen wird. Insgesamt könnten laut einem Bericht des „Manager Magazin“ im Laufe der nächsten Jahre umgerechnet rund 570 Milliarden Euro in Großprojekte fließen.
Für Südkorea ist es vor allem der Versuch, im Rennen um Chips nicht den Anschluss zu verlieren. Samsung und SK Hynix profitieren davon, indem Investitionen in eher ländlichen Regionen einfacher gemacht werden und der weitere Ausbau insgesamt wahrscheinlich günstiger ausfällt. Allerdings stellt da manch einer auch die Frage, ob die Konzerne auf Unterstützung in irgendeiner Form überhaupt angewiesen wären.
Höhepunkt überschritten?
Trotz Klagen und etwas niedrigerer Kurse geht es den Speicherherstellern weiterhin bombastisch, daran ist in keiner Weise zu rütteln. An der Börse stellt sich dennoch die Frage, ob der Höhepunkt mittlerweile nicht dennoch überschritten sein mag. Solange allein diese Vermutung im Raum steht, sind Gewinnmitnahmen kaum zu vermeiden. Derweil ergeben sich riesige Fragezeichen dahingehen, wie lange Verbraucher Preiserhöhungen noch mittragen mögen. Sollte hier irgendwann eine kritische Masse Neukäufe einstellen, könnte es trotz KI-Boom noch ungemütlich werden.
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30.06.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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