Der von der EU verordnete austauschbare Akku macht Konsolen und Zubehör von Nintendo nur unwesentlich schwerer
Nintendo stellt sich auf eine neue Gesetzeslage ein
Lange schon sind die Zeiten vorbei, in denen sich Akkus einfach so aus Geräten entfernen ließen, wie es vor rund 20 Jahren noch üblich war. Die Hersteller verteidigten den Wechsel zu fest verbauten Akkus wahlweise mit der Bauweise oder der Wasserfestigkeit. Den Kunden wurde schlicht erzählt, dass wechselbare Akkus bei heutigen Geräten nicht möglich seien.
Davon ließ die EU sich allerdings nicht weiter beeindrucken und brachte eine neue Batterieverordnung auf den Weg. Jene sieht vor, dass ab dem 18. Februar 2027 Produkte mit tragbaren Batterien grundsätzlich einen Akkuersatz durch den Endnutzer möglich machen müssen. Darauf reagieren nun immer mehr Hersteller, darunter auch Nintendo (JP3756600007).
Der japanische Spielegigant kündigte bereits vor einigen Wochen an, für die EU-Staaten eine überarbeitete Variante seiner Spielekonsole Switch 2 auf den Markt zu bringen. Eben dazu gibt es nun auch mehr Details. Gegenüber dem bisherigen Modell müssen tatsächlich auf dem Papier Nachteile in Kauf genommen werden, die aber im Alltag kaum weiter auffallen dürften. Dazu gehört das Gewicht der Konsole, welches von 401 auf 411 Gramm steigt. Die Kapazität des Akkus sinkt von 5.220 auf 5.172 mAh, was in der Praxis die Laufzeit schätzungsweise um 1,5 Minuten verringert.
Nintendo beerdigt die erste Switch in Europa
Anpassungen gibt es nicht nur bei der Konsole selbst, sondern auch beim Zubehör. Die ansteckbaren Joy-Con-2-Controller werden ebenfalls mit austauschbaren Akkus ausgestattet, was das Gewicht dezent ansteigen lässt. Darüber hinaus sind ähnliche Änderungen beim Pro Controller und weiterem Zubehör mit integriertem Akku vorgesehen. Doch in allen Fällen bewegen die Unterschiede zu vorher sich im Bereich von Messungenauigkeiten.
Für Kritiker ist es freilich der bisher deutlichste Beleg dafür, dass die Hersteller von Elektronik sehr wohl wechselbare Akkus verbauen können, so der Druck dafür groß genug ist. Gleichzeitig zeigt sich aber auch, dass dies nicht immer auch praktiziert wird. Denn während Nintendo seine aktuelle Konsolengeneration rundum überarbeitet, steht bei der ersten Switch schlicht der Abschied bevor. Sämtliche Varianten werden ab Mitte Februar 2027 in EU-Ländern eingestellt. In anderen Regionen soll die Konsole hingegen weiterhin angeboten werden.
Interessanterweise beginnt Nintendo mit der Auslieferung der neuen Switch-2-Variante und passendem Zubehör schrittweise bereits im Laufe der kommenden Monate und kommt damit der EU-Regelung sogar noch zuvor. Der Konzern dürfte aber genau ausgerechnet haben, für welche Geräte sich das Ganze noch lohnt und für welche nicht. Bei der Switch 1, die im Februar 2027 fast zehn Jahre auf dem Buckel haben wird, scheint der Aufwand sich nicht mehr zu rechnen. Angesichts ohnehin schon überschaubarer Absatzzahlen ist das aus Anlegersicht verschmerzbar.
Nintendo unter Druck
Kommende Gesetze in der EU sind für Nintendo am Ende des Tages bestenfalls ein mildes Ärgernis. Die geforderten Anpassungen scheinen die Ingenieure ohne große Kopfschmerzen hinbekommen zu haben. Die Hardware bereitet den Anlegern aber aus ganz anderen Gründen noch immer Kopfzerbrechen. Immer höhere Preise für Speicherchips nagen an der Marge. Eine bereits für September angekündigte Preiserhöhung soll das ein Stück weit abfedern, was jedoch die Absatzzahlen negativ beeinträchtigen dürfte.
Aus eben dieser Misere kündigt sich noch immer kein Ausweg in absehbarer Zeit an. Nintendo spricht natürlich nicht öffentlich darüber, wie hoch die Marge aktuell noch ausfallen mag. Der eine oder andere Beobachter vermutet allerdings schon, dass bei den Konsolenverkäufen draufgelegt wird und die Zeiten vorbei sind, in denen jede verkaufte Switch (2) Nintendo Gewinne in die Kassen spülte. Immerhin scheinen die Spieleverkäufe noch einigermaßen rund zu laufen. Das reicht aber nicht aus, um den Aktienkurs wieder in höhere Gefilde zu bewegen. Trotz einer kleinen Erholung ging es am Dienstag mit 7.148 Yen aus dem Handel. Seit Jahresbeginn hat die Aktie um rund ein Drittel an Wert verloren.
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08.07.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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