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Öl unter Spannung

Gerinnselgefahr im Blut der Weltwirtschaft?

 

Öl ist ein besonderer Saft. So könnte man Goethe umdeuten, der Mephistopheles in Faust sagen lässt, Blut sei ein ganz besonderer Saft, als er Faust in dessen Studierzimmer aufsucht und auffordert, ihren Pakt mit einem Tröpfchen Blut zu unterzeichnen.

In gewisser Weise ist Öl auf absehbare Zeit das Blut der Weltwirtschaft, ohne das ökonomisch nichts geht. Denn wie die Reaktionen auf Atomunfälle oder das strategische Abschalten von Kernkraftwerken in Deutschland zeigen, harzt es mit der praktischen Relevanz alternativer Energiequellen. Ein Blick in den ,,BP Statistical Review of Energy Data 2019‘‘ hilft hier mit Zahlen weiter. Bei der Elektromobilität ist man da zwar schon weiter. Aber ob nun die toxischen Kohlekraftwerke in China oder die massive Nutzung des Atomstroms in Frankreich – sobald etwas schief geht oder politisch nicht mehr gewollt ist, bleibt auf absehbare Zeit Öl (und Gas) erste Wahl.

 

Stau

Bildnachweis: © Swisscom AG

 

Dies ist einer der wesentlichen Gründe, warum eine stabile Ölversorgung weiter einen hohen strategischen Wert besitzt und warum ihre Bedrohung so allergische Reaktionen hervorruft. Zumal der Angriff auf die saudi-arabischen Ölfelder mal eben 5 % der globalen Ölversorgung beeinträchtigte. Dass dies nun auch noch in der politisch aufgeheizten Lage zwischen Saudi-Arabien, den USA und Israel einerseits und dem Iran, Russland und China andererseits geschieht, macht eine Lösung noch komplizierter. Woher kommen dann die ,,Blutverdünner‘‘?

Für den Moment zeigt ein Blick auf den Preischart der Ölsorte Brent, dass der Ölpreis heute mit einer Kurslücke fast bis an seinen mittelfristigen Abwärtstrend gesprungen ist. Eine Eskalation der Lage dürfte deshalb zu einem mittelfristigen Kaufsignal für Öl führen.

 

Brent

 

Diese Vermutung wird durch weitere Muster im Chart verstärkt. Mit einem ersten Zwischentief im Dezember 2018 und einem zweiten Anfang August 2019 hat Öl einen Doppelboden innerhalb eines sich zuspitzenden Dreiecks gebildet. Ein Bruch des seit Oktober 2018 laufenden Abwärtstrends und ein zusätzliches Überschreiten der Nackenlinie des Doppelbodens bei 75,58 Dollar wäre als charttechnischer Energizer für den Ölpreis zu werten. Denn damit würden sich auch die Chancen erhöhen, dass der Ölpreis das Zyklushoch von 86,71 Dollar vom Oktober 2018 überschreiten, um dann in Richtung 100 Dollar zu laufen.

Aber soweit ist der Ölpreis noch nicht. Noch bewegt er sich innerhalb des sich zuspitzenden Dreiecks, dessen untere Linie der seit Januar 2016 laufende Aufwärtstrend ist. Im größeren Chart wird auch sichtbar, dass 100 Dollar nur eine Zwischenstation auf dem Weg nach oben sein dürften. Sollte jedoch das Dreieck nach unten verlassen werden, etwa im Zuge einer wirtschaftlichen Abschwächung und gleichzeitig sinkender OPEC-Förderdisziplin, sind mittelfristig auch wieder Ölpreise von 40 Dollar möglich.

 

Brent long term

 

Fazit: Der Ölpreis steht vor einer mittelfristigen Trendentscheidung. Diese gilt es abzuwarten, bevor man das Momentum in die eine oder andere Richtung nutzt.

 

16.09.2019 - Arndt Kümpel - ak@ntg24.de

 






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