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Siemens Energy investiert in den USA, Covestro treibt es nach China, Volvo will von günstigen Strukturen profitieren und Volkswagen kokettiert mit ähnlichen Gedanken

Die Investitionen europäischer Konzerne finden immer öfter in fernen Ländern statt

NTG24 - Siemens Energy investiert in den USA, Covestro treibt es nach China, Volvo will von günstigen Strukturen profitieren und Volkswagen kokettiert mit ähnlichen Gedanken

 

60 Prozent der deutschen Unternehmen planen laut einer Umfrage des „Handelsblatt“ in Zusammenarbeit mit der Beratungsgesellschaft Horváth, in Deutschland Stellen abzubauen, um Kosten einzusparen. Mehr in den Fokus geraten andere Regionen, bevorzugt auf anderen Kontinenten. Besonders schwer betroffen davon ist die Autobranche, doch auch anderswo wird das Glück dieser Tage in der Ferne gesucht.

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Als Beispiel nennt der lesenswerte Artikel Siemens Energy (DE000ENER6Y0). Dort setzen die Verantwortlichen zwar weiterhin auf Expansion und Wachstum, um die steigende Nachfrage bedienen zu können. Deutschland steht aber eher nicht im Mittelpunkt. Bei den kürzlich vorgestellten Ausbauplänen wurde hingegen eine Investition von rund einer Milliarde US-Dollar in den USA in Aussicht gestellt. 1.500 neue Mitarbeiter sollen dabei helfen, den Energiehunger von Rechenzentren zu stillen.

 

 

 

Den Anlegern dürfte es in diesem Fall einerlei sein, wo genau Siemens Energy sein Wachstum erzielt. Daher ist die Stimmung an der Börse auch deutlich besser, als es in der Politik der Fall sein dürfte. Siemens Energy wird weiterhin zu den Gewinnern des KI-Booms gezählt. Letzterer scheint immer noch nicht abreißen zu wollen. Am Dienstag erholte sich die Branche von einem kleinen Durchhänger, was der Siemens Energy-Aktie Aufschläge von 5,6 Prozent bescherte.

 

Covestro blickt gen Osten

 

Der Kunststoffhersteller Covestro (DE0006062144) lässt Deutschland und Europa bei der Planung für neue Werke auch schon mal links liegen. Investiert werden soll stattdessen im Nahen Osten und in China. In Shanghai etwa soll eine neue Großanlage für den Schaumstoff MDI entstehen. In den Vereinigten Arabischen Emiraten wird eine Machbarkeitsstudie für ein ähnliches Vorhaben in die Wege geleitet. In einem Interview mit dem Handelsblatt verriet Covestro-Chef Markus Steilemann auch recht unverblümt, warum die Wahl auf Länder außerhalb Europas fällt.

Es sind vor allem Kostengründe. Im Ausland verfügt der Konzern nach eigener Ansicht über günstige Energie, eine gute Verfügbarkeit von Rohstoffen und eine integrierte Infrastruktur. Dadurch sei es möglich, besonders wettbewerbsfähige Anlagen auf die Beine zu stellen. Wie viel genau Covestro für seine Vorhaben in China und Nahost in die Hand zu nehmen gedenkt, ist noch nicht bekannt. Die Covestro-Aktie reagiert ohnehin nicht weiter. Der Kurs hat sich nach der Übernahme durch Adnoc in direkter Nähe zum Barabfindungsangebot eingependelt.

 

Volvo: Vorteil dank Geely?

 

Beim Autobauer Volvo (SE0000115420) spielt China schon seit Jahren eine wichtige Rolle, schließlich wurde das Unternehmen 2010 vom chinesischen Konzern Geely übernommen. Die Zusammenarbeit soll in Zukunft dabei helfen, die Kosten merklich zu senken. Bereits im Frühjahr ließen die Verantwortlichen durchblicken, dass immer mehr Teile aus China stammen sollen. Die Hoffnung lautet darauf, sich dadurch Kostenvorteile in einem schwierigen Marktumfeld sichern zu können und die Kosten zu senken.

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Das sorgt unter den Aktionären zwar noch nicht für Begeisterungsstürme, stützt die Volvo-Aktie aber auf einem einigermaßen ansehnlichen Niveau und deutlich oberhalb ihrer Tiefstände aus den vergangenen zwölf Monate. Auch die Analysten sind recht angetan vom Kurs von Volvo. Das Management ist zu Sparmaßnahmen mehr oder minder gezwungen und für Wachstum scheinen andere Regionen als Europa in den Fokus zu rücken.

 

Paradigmenwechsel bei Volkswagen

 

Volkswagen (DE0007664039) scheint ebenfalls darüber nachzudenken, das eigene Unternehmen chinesischer anzuhauchen. Medienberichten zufolge wird in den Chefetagen darüber nachgedacht, künftig in China entwickelte Modelle in Europa anzubieten. Das wäre eine echte Zeitenwende. Bisher setzte Volkswagen auf das sogenannte Welt-Auto-Modell. Fahrzeuge wurden in Europa entwickelt und produziert und in die ganze Welt exportiert. Genau das funktioniert aber wohl nicht länger.

Die Kostenvorteile in China scheinen derart hoch zu sein, dass sich Importe wohl trotz Zöllen lohnen könnten. Spruchreif ist zwar noch nichts. Doch parallel zu solchen Insider-Berichten gehen auch Spekulationen um neue Ideen für Standort-Schließungen um, und die dürften hauptsächlich Aktivitäten in Europa betreffen. Die Anleger beruhigt das Ganze wenig. Nahezu täglich gab es zuletzt Meldungen oder Gerüchte über Kosteneinsparungen bei Volkswagen. Die Aktie reagierte darauf stets mit Verlusten. So auch am Dienstag, als es um 1,8 Prozent auf 70,10 Euro zurückging.

 

Einfache Rechnung

 

Ein noch immer schwieriges Marktumfeld in zahlreichen Bereichen zwingt hiesige Unternehmen zum Umdenken. Unter Hochdruck wird daran gearbeitet, die Kosten zu denken und damit teils nahe dem Nullpunkt gefallene Margen endlich wieder aufblühen zu lassen. Für die Anleger ist es nicht das schlechteste Signal, dass es dabei wohl keine Denkverbote mehr gibt. Ein Wachstumsgarant sind Investitionen in Übersee aber natürlich auch noch nicht.

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01.07.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

Unterschrift - Andreas Göttling-Daxenbichler

 

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