SAP sorgt für gute Stimmung, Volkswagen enttäuscht mal wieder, TUI atmet etwas auf und SpaceX bleibt eine Ernüchterung
Von schwächelnden und bereits gefallenen Aktien
Allen Unwägbarkeiten und Sorgen zum Trotz gingen die Märkte einigermaßen versöhnlich ins Wochenende. Es bleibt jedoch bei einer angespannten Ausgangslage. Unverändert treiben den Börsianern die Ereignisse in Nahost, hohe Ölpreise und hartnäckige Zweifel an der KI-Wachstumsstory Sorgenfalten auf die Stirn. Mehr als partielle Erholungen scheinen da nicht drin zu sein.
Auf der Seite der Gewinner landete gestern die Aktie von SAP (DE0007164600), für die zunehmende Skepsis gegenüber dem weiteren KI-Wachstum vielleicht sogar eine gute Nachricht ist. Zugewinne von 9,3 Prozent fußten jedoch nicht (nur) auf vagen Zukunftsspekulationen. Abliefern konnte der Software-Konzern auch überraschend gute Quartalszahlen. Insbesondere das Cloud-Geschäft entwickelte sich mit einem Umsatzplus von 22 Prozent unerwartet stark.
Der Ausblick fällt zwar eher konservativ aus, doch die Anleger verlieren etwas ihre Angst davor, dass KI das Geschäftsmodell über Nacht obsolet machen könnte. Momentan scheint es weiterhin eine große Nachfrage zu geben. Experten halten die Zurückhaltung der Börsianer schon seit Längerem für übertrieben. Schließlich sitzt SAP auf einem immensen Datenschatz, der auch im KI-Zeitalter noch für üppige Umsätze sorgen dürfte.
Volkswagen driftet weiter abwärts
Weniger erfreulich fielen die jüngsten Ergebnisse von Volkswagen (DE0007664039) aus. Der Autobauer scheint immer tiefer in der Krise zu versinken. Sowohl die Umsätze als auch der operative Gewinn entwickelten sich rückläufig. Die Umsatzprognose für das Gesamtjahr musste nach unten korrigiert werden. Lediglich die (bescheidenen) Gewinnaussichten behielt man in Wolfsburg bei. Das konnte die Anteilseigner jedoch nicht trösten und so ging es mit dem Aktienkurs um weitere zwei Prozent auf 71,46 Euro zurück.
Der Gewinn nach Steuern stürzte im zurückliegenden Quartal um 32,9 Prozent auf noch 1,54 Milliarden Euro. Die Marge wurde von Volkswagen auf sehr überschaubare 3,8 Prozent beziffert. Das verdeutlicht wohl einmal mehr, wie nötig der Konzern Sparmaßnahmen hat. Geplant sind bereits weitere Maßnahmen in diese Richtung, wobei das Management allerdings auf teils erbitterten Widerstand der Arbeitnehmerseite trifft. Einen Ausweg aus der Misere hat VW noch nicht anzubieten, weshalb es wenig überraschend kommt, dass die Aktie durchgereicht wird.
TUI: Die Hoffnung stirbt zuletzt
Die Aktie von TUI (TUAG50TUAG50) hat es sich schon länger im Kurskeller bequem gemacht. Großen Anteil daran hat der Konflikt im Nahen Osten, welcher die Ölpreise zuletzt wieder steil nach oben trieb. Am Freitag allerdings machten sich Hoffnungen breit, dass die USA und der Iran sich doch noch einmal zusammenraufen könnten. Der Ölpreis reagierte prompt und ging wieder unter 100 US-Dollar je Barrel. Dafür bedankten sich die Anleger von TUI mit einem Kursplus von 3,9 Prozent.
Von einem Turnaround kann jedoch noch nicht die Rede sein. Der Schlusskurs von 6,92 Euro fällt aus charttechnischer Sicht noch immer mau aus und der Abstand zum 52-Wochen-Tief bei 6,08 Euro ist geringer, als es den meisten Aktionären lieb sein dürfte. Es bleibt zudem das nicht eben geringe Risiko, dass die Lage am Persischen Golf weiter eskaliert. Daher trauen die Käufer sich weiterhin nur sehr bedingt aus ihrer Deckung heraus.
Katerstimmung bei SpaceX
Das Tagesgeschehen beeinflusste die Aktie von SpaceX (US84615Q1031) nur peripher. Der Titel durchlebt dennoch eine Phase der großen Enttäuschung. Nachdem der Börsenstart diverse Rekorde brechen konnte, notiert die Aktie mittlerweile deutlich unterhalb des Ausgabepreises. Das „Handelsblatt“ schreibt gar schon von „einem der schlechtesten Börsendebüts seit Jahrzehnten“. Am Freitag ging es um 2,7 Prozent auf 115,07 Dollar abwärts; auf Wochensicht summieren die Verluste sich auf 7,2 Prozent.
Es könnte für SpaceX noch dicker kommen. Denn Anfang August fallen Haltefristen Anfang August fallen Haltefristen für einige frühe Investoren und angesichts des gegenwärtigen Trends dürften solche versuchen, SpaceX-Aktien zu Geld zu machen, solange die Bewertung sich noch in geradezu absurd hohen Regionen bewegt. Denn fundamental ist auch eine Marktkapitalisierung von zuletzt noch 1,5 Billionen Dollar nicht zu erklären. Die SpaceX-Aktie lebt(e) von dem Versprechen, dass in der Zukunft mit KI-Rechenzentren gewaltige Umsätze eingefahren werden könnten. Genau diese Aussicht ist jedoch ins Wanken geraten.
Am Boden der Tatsachen
An der Börse wird stets und immer in die Zukunft investiert, woran sich auch nichts ändern wird. Daher liegt es in der Natur der Sache, dass die Anleger sich schon mal auf die eine oder andere Wette einlassen und Investments mit bunten Visionen begründet werden. Früher oder später müssen darauf aber auch handfeste Entwicklungen folgen. Denn jedes Unternehmen wird ansonsten von schwachen Zahlen eingeholt werden. Für Anleger ist das eine Erinnerung daran, Fundamentalindikatoren stets zu berücksichtigen.
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25.07.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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