Wie tief fällt Tencent noch?
Tencent verzeichnet das schwächste Umsatzwachstum seit sechs Quartalen
Tencent steht besser da, als es der Aktienkurs vermuten lässt. Die Anleger haben etwas heisse Luft aus der AI-Rallye abgelassen, was nicht unberechtigt ist. Was die Aktie jetzt wieder braucht, ist positives Momentum beim Umsatz.
Tencent (KYG875721634) beginnt Ermüdungszeichen von sich zu geben. Der Abschluss für das 1. Quartal war immer noch solide, aber der chinesische Technologiekonzern verzeichnete auch das geringste Wachstum der letzten sechs Quartale. Damit steht man keineswegs allein da, aber der relative Vergleich hilft selbstverständlich dem Kurs nicht auf die Beine. Zumal es aktuell auch keine drängende Dynamik gibt, die Tencent zu einem neuen hohen zweistelligen Wachstum bringt.
Insgesamt erzielte man einen Umsatz von 196,5 Mrd. Yuan (ca. 24,7 Mrd. Euro). Ein Plus von 9 % im Jahresvergleich, aber nur noch ein Anstieg um 1 % im Vergleich zum 4. Quartal 2025, was für das 2. Quartal und das 2. Halbjahr signalisiert, dass das Umsatzwachstum langsam in den unteren einstelligen Prozentbereich zu driften droht. Für Tencent gilt allerdings auch ein gewisses Überraschungsmoment, denn insbesondere bei der Videospielsparte kann ein Hit oder Flop den Zeiger beim Umsatz deutlich bewegen. So wie im 1. Quartal. Da konnte sich das dominierende Inlandsgeschäft sehr stark im Vergleich zum Jahresende 2025 um 19 % auf 45,4 Mrd. Yuan steigern, während das internationale Geschäft mit Videospielen um -11 % auf 18,8 Mrd. Yuan nachgab. Auch stark entwickelte sich das Marketinggeschäft, dessen Ökosystem rund um Weixin man inzwischen sehr stark mit AI-Fähigkeiten ausgestattet und automatisiert hat. Im Jahresvergleich konnte Tencent in dieser Sparte überdurchschnittlich stark um 20 % auf 38,2 Mrd. Yuan steigern. Schwach entwickelte sich hingegen weiterhin die Sparte Social Networks, wozu insbesondere die Erlöse aus dem Streaminggeschäft (Video + Musik) zu zählen sind. Hier sahen wir im Jahresvergleich eine kleine Kontraktion um -2 % auf 31,9 Mrd. Yuan. Das einzige Geschäftsmodell, das im 1. Quartal schrumpfte.
Schwächstes Umsatzwachstum seit sechs Quartalen
Im Gegensatz zur Umsatzentwicklung ist die Entwicklung des Gewinns sehr zufriedenstellend. Die Rohertragsmarge stieg von 56 % um einen Prozentpunkt auf 57 % und schaut man sich den operativen Gewinn ohne die neuen AI-Produkte an, stieg dieser im 1. Quartal um 17 % auf 84,4 Mrd. Yuan. Eine Marge von 43 %. Der Vorstoss in AI kostet selbstverständlich viel Geld vorab, weswegen das operative Ergebnis auf normalisierter Basis um 9 % auf 75,6 Mrd. Yuan stieg. Nehmen wir die Kosten für die (teuren) Aktienoptionsprogramme mit in die Rechnung hinein, liegt der echte operative Gewinn bei 67,4 Mrd. Yuan (+17 %) und der Gewinn nach Steuern und Anteilen Dritter bei satten 58,1 Mrd. Yuan (ca. 7,3 Mrd. Euro) (+19 %). Da gibt es nicht viel zu meckern, vor allem auf diesem hohen Niveau.
AI bleibt weiterhin für Tencent ein Nebengeschäft. Man veröffentlichte gerade erst sein neues Modell Hy3, bleibt also am Ball, aber Tencent ist im LLM-Geschäft eher eine Meta (US30303M1027) als eine OpenAI. Im chinesischen Markt zählt man ebenfalls nicht zur Spitze. Die Leistung der DeepSeek Modelle erreicht man nicht, weswegen man versucht, über die Anwendungsschiene an Relevanz zu gewinnen. Wie berichtet, ist man auf den OpenClaw Hype mit aufgesprungen und bietet hier den Benutzern als Ergänzung zu seinem Online-Universum AI-Agenten wie WorkBuddy an, die auf reges Interesse stossen. Unter anderem auch, weil Tencent die Plattform offen für die Einbindung von anderen AI-Modellen gestaltet hat. Erste wichtige Erfolge feiert Hy3 beispielsweise auch auf OpenRouter, wo man seit Einführung zu den meistgenutzten Modellen zählt. Insgesamt ist aber klar: AI kostet Tencent zunächst einmal, um später daraus einen grossen Umsatzstrom zu generieren.
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14.05.2026 - Mikey Fritz

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