Erneut spricht sich Warner Bros. gegen das Übernahmeangebot von Paramount aus und warnt die Anleger vor damit verbundenen Risiken
Warner Bros. sieht in der Netflix-Offerte die besseren Chancen
Das Übernahmepoker um Warner Bros. geht noch immer weiter, auch wenn es in den letzten Tagen etwas ruhiger darum geworden sein mag. Wie gehabt steht ein Angebot von Netflix, auf das im Dezember direkt ein feindliches Übernahmeangebot von Paramount folgte, welches den Medienkonzern deutlich höher bewertet. Doch Geld allein scheint nicht alles zu sein.
In einem Brief an die Aktionäre spricht sich Warner Bros. (US9344231041) einmal mehr deutlich für die Offerte von Netflix aus. 72 Milliarden US-Dollar in bar bietet der Streaming-Gigant. Inklusive Schulden wird Warner Bros. mit 82,7 Milliarden Dollar bewertet. Paramount hingegen will auch die TV-Sparte Global Networks übernehmen, welche eigentlich zur Abspaltung vorgesehen ist, und für das Gesamtpaket 108,4 Milliarden Dollar auf den Tisch legen.
Rein von den Zahlen her macht Paramount damit das bessere Angebot. Warner Bros. ist dennoch nicht überzeugt und warnt die eigenen Aktionäre vor großen Risiken in Verbindung mit dem Angebot. Noch immer stört der Konzern sich vor allem daran, dass die Finanzierung aus eigener Sicht nicht gesichert sei. Mit Krediten von rund 50 Milliarden Dollar würde es sich um die größte fremdfinanzierte Übernahme aller Zeiten handeln.
Warner Bros. hegt weiter Zweifel
Vor Kurzem schaltete sich zwar Oracle-Gründer Larry Ellison ein und bürgte persönlich für einen Teil von 40,4 Milliarden Dollar des Übernahmeangebots. Auch das scheint Warner Bros. aber nicht zu beruhigen und Risiken erkennt das Unternehmen auch an anderer Stelle. Denn sollte der Deal mit Netflix platzen, würde das wohl enorme Kosten nach sich ziehen. 2,8 Milliarden Dollar würde der Streaming-Anbieter als Entschädigung erhalten. Dazu käme eine Gebühr von 1,5 Milliarden Dollar für das Scheitern des angedachten Schuldentauschts, welcher beim Paramount-Angebot nicht durchgeführt werden könne.
Für eine Unternehmen, das in den letzten Jahren munter Verluste schrieb, sind das sehr hohe Summen, die so schnell wohl auch nicht egalisiert werden könnten. Die Vorbehalte gegenüber dem Paramount-Deal sind daher nachvollziehbar. Bei Netflix hingegen befindet man sich in recht verlässlichen Gewässern. Der Streaming-Marktführer kann die gigantische Übernahme weitgehend problembefreit schultern und abgesehen hat man es dort vor allem auf die vielen starken Marken, die nach Möglichkeit ins eigene Portfolio geholt werden sollen.
Die Angelegenheit scheint also recht klar zu sein. Paramount bietet zwar mehr und verzichtet auf die Notwendigkeit einer Aufspaltung. Dafür scheint die Finanzierung auf wackeligen Beinen zu stehen. Netflix beharrt derweil auf der eigenen Offerte, die gut durchdacht zu sein scheint und mit weniger Risiken daherkommt. Entschieden ist aber noch immer nichts. Neben der Entscheidung der Investoren könnte bei dem Übernahme-Krimi auch die Politik noch eine Rolle spielen. US-Präsident Donald Trump, dem eine Nähe zu Larry Ellison nachgesagt wird, ließ bereits im Dezember wissen, bei der endgültigen Entscheidung ein Wörtchen mitreden zu wollen.
Nicht mehr lange?
Der Januar bleibt in Bezug auf Warner Bros. spannend. Zunächst wird es darauf ankommen, auf welche Seite es die Anteilseigner verschlagen mag. Das Angebot von Paramount läuft noch bis zum 21. Januar. Nach Ablauf dieser Frist wird sich zeigen, ob der Konzern genügend Aktionäre auf die eigene Seite ziehen konnte. Vielleicht kann der Medienkonzern bis dahin auch ein schlüssigeres Finanzierungskonzept vorlegen.
Die Warner Bros.-Aktie genießt es weiterhin, von gleich zwei Mediengiganten derart umgarnt zu werden. Ein Bieterkrieg ist zwar nicht ausgebrochen. Verlassen können die Anleger sich aber darauf, dass irgendwer eine stattliche Summe auf den Tisch legen wird. Das hält den Kurs seit Wochen konstant auf hohem Niveau. Am Mittwoch ging es mit 28,59 US-Dollar und damit 160 Prozent höher als vor sechs Monaten aus dem Handel.
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08.01.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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