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Apple, PayPal, Alibaba und Novo Nordisk kämpfen um neues Vertrauen

Apple muss seine hohe Bewertung verteidigen, PayPal den Turnaround beschleunigen, Alibaba vor den Zahlen den KI-Einsatz rechtfertigen und Novo Nordisk verlorenes Wachstumsvertrauen zurückgewinnen

NTG24 - Apple, PayPal, Alibaba und Novo Nordisk kämpfen um neues Vertrauen

 

An der Börse reicht Wachstum derzeit nicht. Entscheidend ist, wie teuer es erkauft wird, wie verlässlich es erscheint und wie viel davon bereits im Kurs steckt. Apple, PayPal, Alibaba und Novo Nordisk könnten operativ kaum unterschiedlicher sein. Gemeinsam ist ihnen jedoch eine ungewöhnlich klare Bewertungsfrage: Jeder dieser Konzerne muss dem Markt gerade beweisen, dass seine nächste Entwicklungsstufe mehr Substanz besitzt als die Erwartungen, die Anleger längst vorweggenommen haben.

Apple (US0378331005) steht dabei am entgegengesetzten Ende des Spektrums zu PayPal. Der iPhone-Konzern lieferte im jüngsten Quartal Rekordwerte, handelt aber weiterhin mit einem Bewertungsniveau, das wenig Raum für operative Irritationen lässt. Rund 109,4 Mrd. US-Dollar Umsatz im dritten Geschäftsquartal bedeuteten ein Plus von 16 %, der Gewinn je Aktie stieg auf 2,02 US-Dollar. Selbst diese Zahlen lösten jedoch keine dauerhafte Euphorie aus.

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Der Grund liegt weniger in der Vergangenheit als im September-Quartal. Apple stellte für das laufende Vierteljahr ein Umsatzwachstum von 9 % bis 11 % in Aussicht. Gleichzeitig verwies das Management auf Engpässe bei fortschrittlichen Prozessoren und Speicherchips. Damit trifft ausgerechnet der KI-Investitionsboom einen Konzern, der selbst zeigen muss, dass seine eigene KI-Strategie die bestehende Hardware- und Services-Maschine künftig noch wertvoller macht.

Für PayPal Holdings (US70450Y1038) gilt die umgekehrte Logik. Hier verlangt der Markt keine Perfektion. Er verlangt endlich wieder sichtbare Verbesserung. Im zweiten Quartal stieg der Umsatz um 5 % auf rund 8,7 Mrd. US-Dollar und das gesamte Zahlungsvolumen um 10 % auf 486,4 Mrd. US-Dollar. Der bereinigte Gewinn je Aktie sank zwar leicht auf 1,38 US-Dollar, dennoch hob PayPal seine Jahresprognose für den bereinigten Gewinn an.

 

Apple wächst stark – aber der Preis für Fehler steigt

 

Die außergewöhnlich starke Stellung Apples bleibt sichtbar. Der iPhone-Umsatz legte im Juni-Quartal kräftig zu, ebenso das Mac-Geschäft. Gleichzeitig erreichte die konzernweite Bruttomarge 50,1 %. Allerdings profitierte diese Kennzahl nach Angaben von Apple um rund zwei Prozentpunkte von Tarif-Rückerstattungen. Auch das Ergebnis je Aktie erhielt daraus einen positiven Effekt von 0,11 US-Dollar.

Für die Bewertung ist diese Unterscheidung wichtig. Apple ist längst kein Konzern, bei dem zweistelliges Umsatzwachstum automatisch für Überraschung sorgt. Anleger bezahlen für außergewöhnliche Margen, enorme freie Mittelzuflüsse, ein eng verzahntes Ökosystem und die Erwartung, dass KI den Wechselzyklus bei Geräten erneut stimulieren kann.

Gerade im Services-Geschäft entstehen allerdings neue Spannungen. Der Bereich erzielte zuletzt rund 30,7 Mrd. US-Dollar Umsatz und bleibt hochprofitabel. Regulatorische Eingriffe in App-Store-Regeln und externe Zahlungssysteme können aber genau dort Druck erzeugen, wo Apple bisher einen großen Teil seiner Bewertungsprämie rechtfertigt. Die operative Stärke ist damit nicht infrage gestellt. Der Spielraum für Enttäuschungen ist lediglich kleiner geworden.

Genau deshalb erscheint Apple analytisch nicht als klassische Wachstumswette, sondern als Qualitätswert mit zunehmend anspruchsvoller Bewertungsmathematik. Ein starkes iPhone-Quartal reicht. Für eine weitere Neubewertung braucht es jedoch den Nachweis, dass Siri, Apple Intelligence und neue KI-Funktionen nicht nur Entwicklungskosten erzeugen, sondern Gerätezyklen, Services und Kundenbindung tatsächlich verstärken.

 

PayPal hat nicht Apples Bewertungsproblem – sondern ein Wachstumsproblem

 

PayPal wird wesentlich günstiger bewertet, doch billig allein ist kein Investmentcase. Die zentrale Frage ist, ob der Zahlungsanbieter seine Marke wieder schneller wachsen lassen kann, bevor Konkurrenten weitere Teile des digitalen Checkouts besetzen.

Das zweite Quartal lieferte dafür gemischte, aber brauchbare Hinweise. Der Umsatz stieg auf 8,682 Mrd. US-Dollar, das Zahlungsvolumen um 10 % und der freie Cashflow auf rund 1,8 Mrd. US-Dollar. Gleichzeitig sank die GAAP-operative Marge auf 16,4 %, während der bereinigte operative Gewinn gegenüber dem Vorjahr zurückging. Die aktuellen PayPal-Ergebnisse zeigen damit keinen fertigen Turnaround, sondern ein Unternehmen mitten in der Reparatur.

Interessant ist der Kapitalhebel. PayPal kaufte allein im zweiten Quartal für rund 1,5 Mrd. US-Dollar eigene Aktien zurück. Bei einer deutlich niedrigeren Bewertung als bei den großen Plattformkonzernen wirkt das grundsätzlich effizienter als Rückkäufe zu extrem hohen Multiplikatoren. Doch auch hier gilt: Finanztechnik kann fehlendes organisches Wachstum nicht dauerhaft ersetzen.

Die Aktie handelt deshalb weniger einen neuen Boom als die Hoffnung, dass branded Checkout stabilisiert wird, Venmo stärker monetarisiert werden kann und das Management Kosten sowie Produktentwicklung gleichzeitig besser kontrolliert. Nach Jahren sinkender Erwartungen genügt dafür bereits moderater Fortschritt. Das macht PayPal asymmetrischer als Apple: Die Messlatte liegt niedriger, das operative Geschäftsmodell ist aber auch weniger unangreifbar.

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Alibaba steht zwei Tage vor seinem wichtigsten Realitätstest

 

Bei Alibaba Group (US01609W1027) liegt der nächste Prüfpunkt unmittelbar vor der Tür. Der Konzern will am 20. August seine Zahlen für das Juni-Quartal vorlegen. Damit handelt die Aktie derzeit weniger bestätigte Ergebnisse als die Erwartung, dass sich der enorme Einsatz für Cloud, künstliche Intelligenz und Quick Commerce zunehmend wirtschaftlich auszahlt.

Die letzten veröffentlichten Zahlen lieferten dafür ein extremes Bild. Der Umsatz der Cloud Intelligence Group stieg im März-Quartal um 38 % auf 41,626 Mrd. Yuan, die Erlöse mit externen Cloudkunden sogar um 40 %. Gleichzeitig brach das bereinigte EBITA des Gesamtkonzerns um 84 % auf 5,102 Mrd. Yuan ein. Der freie Cashflow drehte auf minus 17,3 Mrd. Yuan.

Das ist keine Bilanz eines Unternehmens, dem plötzlich das Geschäft wegbricht. Es ist die Bilanz eines Konzerns, der Wachstum bewusst teuer einkauft. Investiert wird in Cloud-Infrastruktur, die Qwen-Plattform, Nutzergewinnung und den schnellen lokalen Handel. Alibaba erklärte nach den letzten Zahlen sogar, die ursprünglich für drei Jahre vorgesehenen KI-Investitionen von bis zu 380 Mrd. Yuan möglicherweise zu übertreffen.

 

 

 

Vor den Zahlen liegt genau hier die entscheidende Abwägung. Alibaba besitzt mit seinem Cloudgeschäft einen der sichtbarsten kommerziellen KI-Hebel Chinas. Im vergangenen Quartal wuchs das Cloud-EBITA trotz steigender Investitionen um 57 %. Gleichzeitig verschlingt die Expansion in anderen Bereichen einen großen Teil der Ergebnisstärke. Der Markt muss deshalb entscheiden, wie lange er sinkende Konzernmargen akzeptiert, wenn dafür ein schneller wachsendes KI-Ökosystem entsteht.

Der jüngste Alibaba-Bericht liefert für diese These Argumente, aber noch keinen endgültigen Beweis. Am 20. August werden vor allem Cloudwachstum, KI-Umsätze, Investitionshöhe und die Verluste im Quick Commerce darüber entscheiden, ob sich die Story weiter in Richtung chinesischer KI-Infrastruktur verschiebt oder der Markt wieder stärker auf die geschrumpfte Profitabilität schaut.

 

Novo Nordisk hat Wachstum – aber nicht mehr die alte Dominanz

 

Die komplizierteste Neubewertung findet derzeit bei Novo Nordisk (DK0062498333) statt. Der Konzern erhöhte nach dem zweiten Quartal seine Jahresprognose. Trotzdem reagierte die Börse zunächst enttäuscht. Genau dieser Widerspruch zeigt, wie stark sich der Bewertungsmaßstab verändert hat.

Die bereinigten Umsätze stiegen im zweiten Quartal bei konstanten Wechselkursen um 7 % auf 78,488 Mrd. Dänische Kronen. Der bereinigte operative Gewinn legte um 11 % auf 33,389 Mrd. Kronen zu. Novo erwartet für das Gesamtjahr nun sowohl beim bereinigten Umsatz als auch beim bereinigten operativen Ergebnis eine Veränderung zwischen 0 % und minus 6 % zu konstanten Wechselkursen. Zuvor war der Korridor schwächer.

Das klingt zunächst nach einer klassischen positiven Prognoseanhebung. Doch Anleger schauen inzwischen auf andere Details. Die Wegovy-Tablette wächst nach ihrem US-Start schnell und hatte bis Mitte Juli wöchentlich mehr als 265.000 Verschreibungen erreicht. Gleichzeitig verschärft Eli Lilly den Wettbewerb im Adipositasmarkt, während Novo bei mehreren Pipelineprojekten Rückschläge verkraften musste.

Anzeige:

Werbebanner EMH PM TradeIm zweiten Quartal belasteten nicht zahlungswirksame Abschreibungen auf immaterielle Pipelinewerte das berichtete operative Ergebnis mit 6,3 Mrd. Kronen. Davon entfielen 4,0 Mrd. Kronen auf Monlunabant. Zusätzlich verfehlte Ziltivekimab in der Phase-3-Studie ZEUS den primären Endpunkt. Die Q2-Mitteilung von Novo Nordisk macht damit deutlich, dass die aktuelle Debatte längst über Wegovy hinausgeht.

Der Konzern braucht einen Nachfolgerzyklus. Semaglutid bleibt ein außergewöhnlich wertvolles Molekül, doch die Börse bewertet Pharmaunternehmen nicht nach dem größten Produkt der Gegenwart, sondern nach der Wahrscheinlichkeit, dass die Pipeline das Wachstum danach verlängert. Genau hier ist die Wahrnehmung bei Novo Nordisk deutlich skeptischer geworden.

 

Vier Bewertungen erzählen vier verschiedene Geschichten

 

Der direkte Vergleich zeigt, warum absolute Wachstumsraten allein wenig aussagen. Apple wächst schneller als viele Anleger noch vor wenigen Quartalen erwartet hätten und muss trotzdem erklären, warum ein sehr hohes Bewertungsniveau gerechtfertigt bleibt. PayPal wächst deutlich langsamer, kann aber bereits von einer Stabilisierung profitieren, weil der Markt wesentlich weniger voraussetzt.

Alibaba nimmt kurzfristig sinkende Profitabilität in Kauf, um Cloud, KI und Commerce gleichzeitig aggressiv auszubauen. Dort liegt das größte operative Hebelpotenzial der vier Werte, aber auch eine erhebliche Unsicherheit darüber, wie teuer der Ausbau am Ende wird. Hinzu kommen die bekannten politischen und regulatorischen Risiken chinesischer Aktien.

Novo Nordisk wiederum besitzt weiterhin eines der stärksten Produkte im weltweiten Pharmamarkt. Der Bewertungsbruch zeigt jedoch, dass Marktführerschaft kein Dauerzustand ist. Je stärker Lilly aufholt und je uneindeutiger die nächste Wirkstoffgeneration erscheint, desto stärker muss Novo beweisen, dass die kommerzielle Reichweite von Wegovy noch genügend Zeit für die nächste Innovationswelle kauft.

 

Die interessanteste Aktie ist nicht automatisch die beste Firma

 

Aus analytischer Sicht entstehen dadurch sehr unterschiedliche Chance-Risiko-Profile. Apple besitzt von den vier Unternehmen die höchste operative Berechenbarkeit, verlangt dafür aber einen hohen Preis. PayPal hat die geringste Wachstumserwartung im Kurs und damit das größte Potenzial für eine Neubewertung schon bei moderater Verbesserung. Der Turnaround bleibt jedoch abhängig davon, dass branded Checkout und Venmo tatsächlich wieder strukturell stärker werden.

Alibaba ist unmittelbar vor den Zahlen der spekulativste operative Katalysator. Wenn Cloud und KI am Donnerstag erneut stark beschleunigen und gleichzeitig die Verluste aus Quick Commerce kontrollierbarer werden, könnte der Markt die hohen Investitionen leichter akzeptieren. Sollten dagegen vor allem die Kosten steigen, wäre der Bewertungsabschlag gegenüber amerikanischen Technologiekonzernen weiterhin gut erklärbar.

Novo Nordisk ist schließlich die Aktie, bei der die Stimmung am weitesten von der früheren Euphorie entfernt ist. Das kann Chancen eröffnen. Eine tiefere Bewertung allein beseitigt aber weder den Wettbewerb durch Eli Lilly noch die Notwendigkeit einer überzeugenden Pipeline. Für eine nachhaltige Erholung dürfte deshalb weniger eine einzelne gute Wegovy-Woche zählen als die Frage, ob Novo seine technologische Führungsrolle über Semaglutid hinaus verlängern kann.

Damit zeigen die vier Titel sehr unterschiedliche Möglichkeiten, wie Börsenwerte attraktiv werden können. Apple braucht weiterhin außergewöhnliche Qualität. PayPal braucht Normalisierung. Alibaba muss zeigen, dass seine Milliardeninvestitionen in KI einen wirtschaftlichen Rückfluss erzeugen. Novo Nordisk muss verlorene Sicherheit zurückgewinnen. Gerade deshalb dürfte in den kommenden Monaten nicht der Konzern mit der größten Story entscheidend sein, sondern derjenige, dessen operative Entwicklung die niedrigste noch offene Erwartung am deutlichsten übertrifft.

 

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18.08.2026 - Christian Teitscheid

Unterschrift - Christian Teitscheid

 

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