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Die Renditekurve nimmt dem Goldpreis den Rückenwind

Schwächere US-Daten senken die unmittelbare Zinserhöhungsgefahr – doch steigende Langfristrenditen setzen Gold stärker unter Druck

NTG24 - Die Renditekurve nimmt dem Goldpreis den Rückenwind

 

Normalerweise wäre die Kombination aus verhalteneren US-Konjunkturdaten und sinkenden Erwartungen an eine schnelle Straffung der Federal Reserve ein günstiges Umfeld für das Edelmetall. Am Dienstag funktioniert dieser Zusammenhang nur eingeschränkt. Der Grund liegt weniger im Dollar als am langen Ende des Anleihemarktes: Dort sind die Finanzierungskosten so weit gestiegen, dass sie den geldpolitischen Rückenwind für Gold überlagern.

Damit verschiebt sich die entscheidende Variable für Gold (TVC:GOLD). Nicht die Frage, ob die Federal Reserve schon im September noch einmal anhebt, dominiert den Handel, sondern welche Rendite Investoren für langfristige US-Staatsanleihen verlangen. Diese Trennung zwischen kurzfristigem Leitzinsausblick und langfristigen Marktzinsen erklärt einen erheblichen Teil der heutigen Schwäche.

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Werbebanner EMH PM TradeIm Tagesverlauf wurde diese Belastung zunehmend sichtbar. Reuters meldete für 9:51 Uhr New Yorker Zeit einen Spotpreis von 4.393,11 US-Dollar je Feinunze, 0,5 Prozent unter dem Vortagesniveau. Bis 11:42 Uhr New Yorker Zeit zeigte Kitco einen Geldkurs von 4.360,30 US-Dollar. Die dort ausgewiesene Tagesspanne reichte zu diesem Zeitpunkt von 4.351,50 bis 4.436,80 US-Dollar. Die unterschiedlichen Werte widersprechen sich nicht, sondern dokumentieren den weiteren Rückgang zwischen den jeweiligen Messzeitpunkten.

Auch am Terminmarkt blieb der Druck erhalten. Reuters bezifferte den Dezember-Future am Vormittag in New York auf rund 4.448 US-Dollar und damit etwa 0,6 Prozent schwächer. Die Kursübersicht der CME Group bestätigte für den Dezember-Kontrakt während der US-Sitzung Notierungen im mittleren 4.400-Dollar-Bereich. Spot- und Futurespreis bleiben dabei getrennte Größen; insbesondere der Aufschlag des Dezember-Kontrakts darf nicht als höherer aktueller Kassapreis interpretiert werden.

 

 

 

Der Leitzins verliert gegenüber der Laufzeitprämie an Bedeutung

 

Der ungewöhnliche Teil der Bewegung liegt im Anleihemarkt. Händler preisen nach den jüngsten schwächeren US-Daten nur noch eine Wahrscheinlichkeit von rund 31 Prozent für eine Zinserhöhung im September ein. Trotzdem erreichte die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen am Dienstag zeitweise 4,7478 Prozent und damit den höchsten Stand seit Januar 2025. Bei dreißigjährigen Papieren wurden zwischenzeitlich 5,3371 Prozent erreicht, der höchste Wert seit 2007. Später lagen die Renditen laut aktueller Marktübersicht bei rund 4,712 beziehungsweise 5,294 Prozent.

Für den Goldmarkt ist dieser Gegensatz wichtiger als die reine Fed-Wahrscheinlichkeit. Sinkt die Aussicht auf eine kurzfristige Zinserhöhung, sollte der Opportunitätskostennachteil eines unverzinsten Vermögenswerts zunächst abnehmen. Steigen jedoch gleichzeitig langfristige Staatsanleiherenditen kräftig, entsteht dieser Nachteil an anderer Stelle erneut. Gold konkurriert dann mit Anlagen, deren laufende Verzinsung deutlich attraktiver geworden ist, selbst wenn der nächste Fed-Schritt unsicherer wird.

Hinzu kommt, dass die Bewegung kaum mit einem ausgeprägten Dollarschub erklärt werden kann. Der Dollarindex lag im US-Handel laut Reuters mit rund 99,56 nahezu unverändert. Das macht den Dienstag analytisch besonders aufschlussreich: Der Goldpreis fällt nicht primär, weil die US-Währung plötzlich deutlich stärker wird. Der Belastungsimpuls kommt wesentlich direkter aus der Bewertung langer Laufzeiten.

 

Die Konjunkturdaten lösen das Zinsproblem nicht

 

Auch die heute veröffentlichten Produktionszahlen liefern keinen überzeugenden Grund für eine aggressivere kurzfristige Geldpolitik. Nach Angaben der Federal Reserve stieg die US-Industrieproduktion im Juli um 0,2 Prozent, nach 0,3 Prozent im Juni. Die Produktion von Konsumgütern sank zugleich um 0,4 Prozent. Die Kapazitätsauslastung erhöhte sich lediglich auf 76,3 Prozent und blieb damit 3,1 Prozentpunkte unter ihrem langfristigen Durchschnitt.

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Das Bild passt zu den zuletzt schwächeren Arbeitsmarkt-, Inflations- und Einzelhandelssignalen: Die US-Wirtschaft liefert gegenwärtig wenig Argumente für eine überstürzte weitere Straffung. Genau deshalb ist es auffällig, dass Gold daraus keinen stärkeren Vorteil zieht. Der Markt handelt inzwischen ein zweites Zinsrisiko – höhere Laufzeitprämien, fiskalische Unsicherheit und die Möglichkeit dauerhaft höherer langfristiger Finanzierungskosten.

Steigende Energiepreise verstärken dieses Problem, weil sie den Bondmarkt zugleich mit einem neuen Inflationsaufschlag konfrontieren. Für Gold entsteht daraus kein einfacher Schutzmechanismus. Ein höheres Inflationsrisiko kann das Metall grundsätzlich stützen; wenn derselbe Impuls jedoch die Nominal- und Realrenditen nach oben treibt, kann die Zinsreaktion kurzfristig stärker sein als die Nachfrage nach Inflationsschutz. Genau dieses Kräfteverhältnis prägt den heutigen Handel.

 

4.350 US-Dollar wird zum Belastungstest der August-Erholung

 

Technisch hat die Bewegung deshalb mehr Gewicht als ein gewöhnlicher schwacher Handelstag. Nachdem Gold am Montag noch bis über 4.420 US-Dollar gestiegen war, wurde ein großer Teil dieses Anstiegs wieder abgegeben. Die von Kitco ausgewiesene Untergrenze des bisherigen Tageshandels bei 4.351,50 US-Dollar bringt den Bereich um 4.350 US-Dollar unmittelbar in den Fokus. Ein nachhaltiger Bruch darunter würde die bislang robuste August-Erholung stärker infrage stellen und den Raum in Richtung der tieferen Unterstützungszonen erweitern.

Auf der Oberseite genügt dagegen eine Rückkehr über 4.400 US-Dollar noch nicht, um den heutigen Schaden vollständig zu neutralisieren. Dafür müsste der Markt zeigen, dass er auch bei langfristigen US-Renditen nahe den aktuellen Hochs wieder bereit ist, Gold aggressiver aufzunehmen. Die zentrale Beobachtung ist damit weniger eine einzelne Chartmarke als das Verhältnis zwischen Goldpreis und Anleiherenditen.

Der Mittwoch bekommt vor diesem Hintergrund zusätzliches Gewicht. Die Federal Reserve veröffentlicht am 19. August das Protokoll der Sitzung vom 28. und 29. Juli. Entscheidend für Gold ist dabei nicht nur, wie viele Mitglieder eine weitere Zinserhöhung erwogen haben. Ebenso wichtig wird sein, ob das Protokoll Hinweise darauf liefert, wie die Fed den inzwischen entstandenen Konflikt zwischen schwächeren Konjunkturdaten und hartnäckig hohen langfristigen Finanzierungskosten bewertet.

Der Dienstag zeigt damit eine neue Verwundbarkeit des Goldpreises: Eine weniger aggressive Fed reicht allein nicht mehr aus. Solange die Renditekurve am langen Ende hoch bleibt oder weiter steigt, kann ein Teil des geldpolitischen Rückenwinds verpuffen. Erst eine Entspannung bei den langfristigen Renditen würde diese ungewöhnliche Divergenz auflösen und dem Edelmetall wieder ein eindeutigeres Zinsargument liefern.

Stand: Dienstagabend, 18.08.2026, gegen 18:07 Uhr MESZ beziehungsweise während des laufenden US-Handels. Der US-Terminhandel war zum Zeitpunkt der Erstellung noch nicht abgeschlossen; ein endgültiger COMEX-Schlusskurs beziehungsweise ein offizielles Settlement des Dezember-Gold-Futures lag noch nicht vor.

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18.08.2026 - Jörg Möller

Unterschrift - Jörg Möller

 

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