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Kupfer dreht die Hierarchie bei BHP um

Rekordpreise und eine außergewöhnliche Marge machen aus dem klassischen Eisenerzriesen einen Konzern, dessen stärkster Ergebnistreiber erstmals Kupfer ist

NTG24 - Kupfer dreht die Hierarchie bei BHP um

 

Bei BHP ist die wichtigste Nachricht der Jahreszahlen keine klassische Gewinnsteigerung. Sie steckt tiefer in der Ergebnisrechnung. Jahrzehntelang wurde der australische Bergbauriese vor allem über Eisenerz, China und die gewaltigen Minen im Pilbara gelesen. Im Geschäftsjahr 2026 hat sich diese Ordnung verschoben. Kupfer verdient inzwischen mehr Geld als Eisenerz – und ausgerechnet das Geschäft, auf das BHP seine langfristigen Investitionen konzentriert, ist bereits heute der größte Ergebnismotor.

BHP Group (AU000000BHP4) liefert damit mehr als ein starkes Rohstoffjahr. Der Konzern zeigt, wie schnell sich das Gewinnprofil eines diversifizierten Minenkonzerns verändern kann, wenn Preis, Asset-Qualität und langfristige Nachfrage gleichzeitig in dieselbe Richtung laufen. Eisenerz bleibt enorm profitabel. Doch für die Bewertung von BHP wird zunehmend entscheidend, wie viel Kupfer der Konzern zu welchen Kosten produzieren und wie schnell er seine bestehenden Lagerstätten ausbauen kann.

 

18 Milliarden Dollar verschieben das Machtzentrum

 

Die Größenordnung ist ungewöhnlich deutlich. BHP steigerte das Underlying EBITDA im Geschäftsjahr bis Ende Juni um 27 % auf rund 32,9 Mrd. US-Dollar. Davon kamen rund 18,2 Mrd. US-Dollar aus dem Kupfersegment. Damit entfielen etwa 54 % des konzernweiten Underlying EBITDA auf Kupfer. Erstmals auf Gesamtjahressicht lag das Metall damit vor dem traditionellen Eisenerzgeschäft.

Auch die Profitabilität zeigt, warum der Markt diesen Wechsel ernst nimmt. Die EBITDA-Marge im Kupfergeschäft erreichte rund 70 %. Der Konzern insgesamt kam auf knapp 60 %. Der bereinigte den Aktionären zurechenbare Gewinn stieg um 30 % auf 13,2 Mrd. US-Dollar. Nach außergewöhnlichen Belastungen, insbesondere der Abschreibung auf das kanadische Jansen-Kaliprojekt, blieb ein zurechenbarer Gewinn von rund 9,8 Mrd. US-Dollar.

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Dass daraus unmittelbar wieder mehr Geld an die Aktionäre fließt, ist kein Zufall. BHP erhöhte die Schlussdividende auf 0,99 US-Dollar je Aktie. Zusammen mit der Zwischendividende kommen für das Geschäftsjahr 1,72 US-Dollar zusammen – die höchste Jahresdividende seit vier Jahren. Die aktuellen Jahreszahlen von BHP machen damit deutlich, dass der Kupferboom längst nicht mehr nur in langfristigen Präsentationen auftaucht. Er erreicht Gewinn, Cashflow und Ausschüttung.

 

Eisenerz hat nicht verloren – Kupfer hat gewonnen

 

Gerade dieser Unterschied ist wichtig. Die neue Bedeutung von Kupfer entsteht nicht dadurch, dass das alte Kerngeschäft auseinanderfällt. Western Australia Iron Ore erreichte im vergangenen Geschäftsjahr eine Rekordproduktion und bleibt nach BHP-Angaben der kostengünstigste große Eisenerzproduzent weltweit. Das Ergebnis des Eisenerzgeschäfts lag weiterhin im Bereich von rund 14,5 Mrd. US-Dollar.

Auch eine EBITDA-Marge von rund 61 % im Eisenerzgeschäft ist alles andere als schwach. Der strukturelle Wandel bei BHP ist deshalb bemerkenswerter, als es ein einfacher Segmentvergleich vermuten lässt: Kupfer hat ein weiterhin hochprofitables Eisenerzgeschäft überholt. Der Blick auf die Ergebnisreaktion und die Segmententwicklung zeigt entsprechend, warum Anleger den Bericht positiv aufgenommen haben.

Damit verschiebt sich auch die China-Abhängigkeit zumindest teilweise. Eisenerz bleibt eng mit Stahlproduktion, Bauwirtschaft und chinesischer Nachfrage verbunden. Kupfer hängt ebenfalls stark an China, bekommt aber zusätzliche strukturelle Nachfrage aus Stromnetzen, Rechenzentren, Elektrifizierung und Energieinfrastruktur. Für einen Konzern dieser Größe bedeutet das eine breitere Wachstumslogik als der alte Eisenerzzyklus allein.

 

Der Kupferboom ist vor allem ein Gewinnboom

 

Eine wichtige Einschränkung verhindert allerdings eine zu einfache Geschichte. Die Kupferproduktion selbst explodierte nicht. BHP förderte im zweiten Jahr in Folge rund 2 Mio. Tonnen. Der große Ergebnissprung kam wesentlich stärker aus den Preisen: Die realisierten Kupferpreise lagen im Geschäftsjahr rund 35 % höher als ein Jahr zuvor.

Hinzu kommt ein Effekt, der bei BHP inzwischen beträchtliche Dimensionen erreicht. Gold, Silber und Uran, die als Nebenprodukte der Kupferförderung anfallen, steuerten rund 4,5 Mrd. US-Dollar Umsatz bei – etwa 45 % mehr als im Vorjahr. Diese Erlöse reduzieren wirtschaftlich die Kosten der eigentlichen Kupferproduktion und erklären einen Teil der außergewöhnlich hohen Segmentmarge.

Das macht die Qualität des Ergebnisses hoch, aber nicht völlig unabhängig vom Rohstoffzyklus. Rekordnahe Kupferpreise und stark gestiegene Edelmetallpreise haben BHP erheblich geholfen. Sollte dieser Rückenwind nachlassen, wird sich zeigen, wie viel der aktuellen Margensteigerung dauerhaft aus Produktivität, Kosten und Asset-Qualität stammt.

 

Kupfer finanziert inzwischen seinen eigenen Ausbau

 

Für die strategische Bewertung ist deshalb der Cashflow fast wichtiger als der Jahresgewinn. Der freie Cashflow sprang um 83 % auf 9,8 Mrd. US-Dollar. Gleichzeitig sank die Nettoverschuldung auf weniger als 9 Mrd. US-Dollar. Das gibt BHP die seltene Möglichkeit, einen kapitalintensiven Wachstumsschub zu finanzieren, ohne die Bilanz im gleichen Tempo aufzublähen.

Genau dorthin wird das Kapital gelenkt. BHP investierte im vergangenen Geschäftsjahr 10,3 Mrd. US-Dollar in Investitionen und Exploration. Mittelfristig rechnet der Konzern mit durchschnittlich rund 11 Mrd. US-Dollar jährlich. Mehr als die Hälfte des Wachstumsbudgets ist für Kupfer vorgesehen. Rechnet man Beteiligungsprojekte wie Vicuña und Resolution hinzu, wird die Verschiebung noch deutlicher.

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Werbebanner EMH PM TradeBHP bezeichnet das Kupferwachstum inzwischen als weitgehend selbstfinanzierend. Nach den Planungen und Entwicklungsoptionen könnte die zurechenbare Kupferproduktion bis zum Geschäftsjahr 2035 um rund 40 % steigen. Es geht dabei vor allem um Escondida und weitere Optionen in Chile, Copper South Australia sowie Beteiligungen und Entwicklungsprojekte in Argentinien und den USA. Der BHP-Jahresbericht 2026 macht damit klar, wohin die Kapitalallokation des Konzerns inzwischen zeigt.

Iron Ore liefert weiterhin den finanziellen Unterbau. Kupfer soll dagegen den Wachstumsteil der nächsten Dekade übernehmen. Genau diese Kombination ist für BHP wertvoll: Das Unternehmen muss die Transformation nicht aus einem schwachen Altgeschäft finanzieren, sondern kann eine sehr profitable Cash-Maschine nutzen, während das neue Schwerpunktsegment bereits selbst erhebliche Mittel erwirtschaftet.

 

Jansen erinnert daran, dass Größe keine Ausführungsgarantie ist

 

Ganz sauber ist die Investitionsgeschichte trotzdem nicht. Das Kaliprojekt Jansen in Kanada belastete das Jahresergebnis mit einer nicht zahlungswirksamen Wertminderung von rund 2,3 Mrd. US-Dollar. Höhere erwartete Kapitalintensität hat den Wert des Projekts gedrückt. Die erste Projektphase ist inzwischen weit fortgeschritten und soll nach aktueller Planung Mitte 2027 die Produktion aufnehmen.

Die Wertberichtigung bei Jansen ist für Anleger deshalb mehr als eine Fußnote. BHP will in den kommenden Jahren enorme Summen in Kupfer und Kali investieren. Die Qualität der Lagerstätten ist wichtig, aber mindestens ebenso wichtig werden Kapitalkontrolle, Baukosten und Termine. Gerade bei Kupferprojekten mit langen Genehmigungs- und Entwicklungszeiten kann ein hoher Metallpreis schlechte Projektdisziplin nicht dauerhaft kompensieren.

 

Die Börse beginnt BHP anders zu lesen

 

Die erste Marktreaktion passt zu dieser Verschiebung. In Sydney gewann die BHP-Aktie nach den Zahlen zeitweise mehr als 4 % und schloss schließlich rund 2,7 % höher. Anleger honorierten nicht nur den Gewinnanstieg, sondern auch die deutlich höhere Dividende, den Rückgang der Nettoverschuldung und die Aussicht, dass der Ausbau des Kupfergeschäfts nicht zwingend mit einer aggressiven Verschuldung finanziert werden muss.

Damit verändert sich allerdings auch der Bewertungsmaßstab. Je stärker BHP vom Markt als Kupferwert wahrgenommen wird, desto weniger reicht die alte Argumentation eines günstigen und zuverlässigen Eisenerzproduzenten. Höhere Bewertungsmultiplikatoren verlangen Wachstum. Der Konzern muss deshalb seine bestehenden Kupferoptionen tatsächlich in zusätzliche Produktion übersetzen.

Kurzfristig verläuft dieser Weg nicht linear. BHP selbst rechnet zunächst mit schwächerer Kupferproduktion, vor allem weil die Erzgehalte bei Escondida planmäßig zurückgehen. Ein Teil der aktuellen Ergebnisstärke beruht außerdem auf außergewöhnlich hohen Preisen. Die langfristige Story ist deshalb überzeugender als eine Fortschreibung der diesjährigen 70-Prozent-Marge.

 

 

 

Aus dem Eisenerzriesen wird kein reiner Kupferwert

 

BHP bleibt ein diversifizierter Bergbaukonzern. Eisenerz wird noch lange Milliarden an Cashflow liefern, und mit Kali baut das Unternehmen gerade einen weiteren großen Rohstoffpfeiler auf. Trotzdem haben die Zahlen 2026 eine Grenze überschritten. Kupfer ist nicht mehr nur die strategische Hoffnung für die kommenden zehn Jahre. Es ist bereits heute das größte Ergebnisgeschäft.

Genau deshalb sind diese Zahlen für die Aktie wichtiger als ein gewöhnlicher Rohstoffaufschwung. BHP muss nicht erst erklären, warum Kupfer eines Tages bedeutender werden könnte. Die Ergebnisrechnung hat diesen Wechsel bereits vollzogen. Eisenerz bleibt die finanzielle Basis des Konzerns – aber Kupfer bestimmt inzwischen, wohin BHP wächst und zunehmend auch, wie die Börse den Konzern bewertet.

 

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18.08.2026 - Mikey Fritz

Unterschrift - Mikey Fritz

 

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