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Erstes Atomkraftwerk in Belarus läuft an - Litauen protestiert

Belarus fährt sein erstes Atomkraftwerk nahe der Grenze zu Litauen hoch

 

Das umstrittene erste Atomkraftwerk Weißrusslands nahe der Grenze zu Litauen ist unter Protest des Nachbarlandes ans Netz gegangen. Dies berichtet die Deutsche Welle.

Die Turbine des ersten Reaktorblocks sei in Ostrowez an das Stromnetz angeschlossen worden, teilten das weißrussische Energieministerium in der Hauptstadt Minsk und der russische Atomenergiekonzern Rosatom mit. Es ist das erste Atomkraftwerk (AKW) des osteuropäischen Landes. Anfang August waren die ersten Brennstäbe eingebaut worden.

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Werbebanner Zürcher BörsenbriefeDer zweite Block des Kraftwerks soll Mitte 2022 hochgefahren werden. Die Leistung der beiden Anlagen soll dann 2400 Megawatt betragen und ein Drittel des belarussischen Energiebedarfs abdecken. Die Anlage gilt als Prestigeprojekt des seit der Präsidentschaftswahl im August massiv unter Druck stehenden Machthabers Alexander Lukaschenko.

Die Neupositionierung Weißrusslands im Energiemarkt soll die Abhängigkeit des Landes von fossilen Brennstoffen verringern. Gleichzeitig behält Russland damit aber auch seinen Einfluss auf die Energieversorgung von Belarus.

Bevor aus der neuen Energiequelle auch ein Exportgeschäft für Belarus wird, müssen allerdings die politischen Spannungen gelöst werden. Innerhalb der EU ist die Atompolitik nicht einheitlich, weshalb der Atomstrom Weißrusslands hier durchaus auf Sympathie stoßen könnte. Das komplexe Verhältnis Litauens zu Belarus ist deshalb nur eine Komponente im vielschichtigen Verhältnis zwischen der EU und Weißrussland.

Mahnung gibt es aber gleichwohl, denn die Ex-Sowjetrepublik Belarus, damals noch unter dem Namen Weißrussland, war 1986 wie kein anderes Land von der Atomkatastrophe in Tschernobyl in der benachbarten Ukraine betroffen. Ein Viertel der belarussischen Landesfläche war verstrahlt worden, nachdem im Nachbarland der Reaktorblock 4 des AKW sowjetischer Bauart bei einem Sicherheitstest explodiert war. Es war das bislang schlimmste Unglück in der zivilen Nutzung der Kernkraft.

 

Fazit

 

Weißrussland versucht seine Position im Energiemarkt aus verständlichen Gründen zu verbessern und seine Energiequellen zu diversifizieren. Die Finanzierung des AKW vor allem durch Russland steht dabei für eine strategische Bindung der Republik Belarus an Russland. Ähnliche Muster sind in der chinesischen Außenwirtschaftspolitik hinreichend bekannt. Das neue AKW in Ostrowez könnte jedenfalls mittelfristig den Energiemarkt Osteuropas in ein neues Gleichgewicht bringen. Denn sollte Belarus substanzielle Mengen Strom exportieren können, dürfte dies die Energiebilanz ganz Osteuropas und den dort angestrebten nachhaltigen Energie-Mix spürbar beeinflussen. Und über allem schwebt der lange Schatten von Tschernobyl.

 

04.11.2020 - Arndt Kümpel - ak@ntg24.de

 






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