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Brasilianische Notenbank erhöht die Zinsen deutlich

Brasilien stützt den Real mit Zinserhöhung

NTG24 - Brasilianische Notenbank erhöht die Zinsen deutlich

 

Die brasilianische Notenbank hat mit der stärksten Zinserhöhung seit 18 Jahren auf die zunehmende Beschleunigung der Inflation reagiert. Dabei sollte der Blick auf die Inflationsfaktoren über die kurzfristigen Treiber wie Dienstleistungen hinausgehen. Die Kombination klimatischer und ökonomischer Herausforderungen erschwert dabei eine mittelfristige Stabilisierung, welche kaum durch die Notenbank allein zu erreichen sein dürfte.

Es kommt derzeit schon einiges zusammen, was mal mehr, mal weniger am Rand der Erwartungen in Brasilien liegt. Zu den weniger erwarteten Ereignissen gehören sicherlich die klimatischen Extreme, denen das Land derzeit ausgesetzt ist und die seine wirtschaftliche Entwicklung über eine Erntesaison hinaus prägen dürften. Denn so hat es etwa in den Gebirgszügen im Süden Brasiliens in der letzten Woche geschneit. Und während Touristen damit wahrscheinlich eine Attraktion mehr haben, hat die Kälte im südöstlichen Bundesstaat Minas Gerais schon Kaffeeplantagen zerstört. Viele Kaffeebauern haben so einen Frost noch nie erlebt. Nun könnte dies eine deutlich reduzierte Ernte in den Jahren 2022 und 2023 zur Folge haben. Was dies für den Weltmarktpreis von Kaffee bedeutet, wenn der weltgrößte Kaffeeproduzent auf längere Zeit reduzierte Mengen und sogar geringere Qualität produziert, lässt sich leicht ausmalen.

Dabei ist die Entwicklung beim Kaffee nur ein Beispiel. Die Austrocknung des extrem wichtigen Flusses Parana ein anderes. Der brasilianische Wetterdienst meldete zuletzt die geringsten Regenfälle seit mehr als 90 Jahren im Quellgebiet des Parana. In Argentinien und einigen südlichen Gebieten Brasiliens gilt bereits Wassernotstand. Im brasilianischen Bundesstaat São Paulo wurde bereits das Trinkwasser rationiert. Daneben bedrohen die extrem niedrigen Pegelstände die Stromversorgung in Argentinien und Brasilien.

Zu den klimatischen Extremen kommen jene, die durch die sich ständig ausbreitende Landwirtschaft verursacht werden, denn das extreme Tempo bei der Abholzung der brasilianischen Regenwälder macht sich immer stärker bemerkbar. Dabei ist der Mix aus Frost und niedrigen Niederschlägen nicht nur für Kaffee ein Erntekiller, sondern auch für Mais, ein anderes wichtiges Agrarexport-Produkt Brasiliens.

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Werbebanner DenkworkVor diesem Hintergrund liest sich die Begründung der brasilianischen Notenbank für ihre gestrige Zinserhöhung um 1 % auf von 4,25 % auf 5,25 %, der stärksten seit 18 Jahren, wie eine Aufzählung verschiedener Inflationstreiber, deren Auslöser unter anderem in der oben beschriebenen Entwicklung besteht.

Parallel kündigte die Notenbank schon eine weitere Zinserhöhung im nächsten Monat an, die ähnlich hoch ausfallen soll. Als Grund wurde zusätzlich auch der starke Preisanstieg bei Dienstleistungen angeführt.

Die Notenbank reagiert damit proaktiv auf eine zunehmend schwächere Verankerung der Inflationserwartungen.

 

 

Wie wichtig eine proaktive Haltung der Notenbank ist, zeigt ein Blick auf die Entwicklung des langfristigen Wechselkurses des brasilianischen Reals zum US-Dollar.

In ihr sind die Auswirkungen von Währungsreformen, abstürzendem Vertrauen in den Real, aber auch der Aufwertungsdruck im Zuge der Hausse der Rohstoffpreise bis zum Sommer 2014 und der Abwertungsschub im Zuge des Corona-Crashs im Frühjahr 2020 sichtbar.

 

Und was ist das Fazit?

 

Das entschiedene Handeln der Notenbank Brasiliens zur stärkeren Verankerung der Inflationserwartungen stützt den brasilianischen Real kurzfristig. Mittelfristig dürfte aber mehr als eine Zinsanhebung nötig sein, um den Außenwert des Reals und die brasilianische Konjunktur zu stabilisieren. Die wirklichen wirtschaftspolitischen Herausforderungen unter den neuen ,,klimatischen Bedingungen‘‘ stehen dabei erst noch an!

 

06.08.2021 - Arndt Kümpel - ak@ntg24.de

 






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