als .pdf Datei herunterladen

COMEX-/Globex-Frühbericht: Gold bleibt zwischen Iran-Risiko und Zinsdruck gefangen

Der US-Futureshandel startet in eine heikle Mittwochssitzung: Hormus, Ölpreise, Dollar und US-Daten entscheiden über die Richtung bei den Edelmetallen

NTG24 - COMEX-/Globex-Frühbericht: Gold bleibt zwischen Iran-Risiko und Zinsdruck gefangen

 

Der COMEX-/Globex-Handel liefert am Mittwochmorgen ein vorsichtiges, aber noch nicht wirklich belastbares Signal für die Edelmetalle. Die erste Preisbildung nach Mitternacht zeigt keine Entspannung, aber auch keinen neuen Ausverkauf. Genau diese Zwischenlage macht den heutigen Handelstag schwierig: Gold bekommt geopolitische Unterstützung, während Dollar, Renditen und Ölpreise weiter dagegenarbeiten.

Stand: 02:20 Uhr MESZ. Die Einschätzung basiert auf dem bisherigen CME/COMEX-Globex-Handel seit dem Sitzungsstart um 00:00 Uhr MESZ.

Anzeige:

Kleiner Münzhandel Barrenshop

 

Der elektronische Futureshandel der CME läuft bei den Edelmetallen nahezu rund um die Uhr; die offiziellen Details nennt die CME in ihren Handelszeiten. Für deutsche Anleger ist der Start der neuen Sitzung um Mitternacht deshalb ein früher Gradmesser. Nicht, weil in dieser Phase bereits der ganze Tag entschieden wäre. Sondern weil der Markt hier zuerst zeigt, wie er die Nachrichtenlage aus Geopolitik, Energie und US-Zinsen verarbeitet.

Bei Gold (TVC:GOLD) ist der Ton am Morgen vorsichtig. Reuters hatte am Dienstag einen stabilen Goldpreis gemeldet und zugleich darauf verwiesen, dass Investoren auf die Entwicklungen im Nahen Osten und auf neue US-Konjunkturdaten schauen. Der Spotpreis wurde dabei mit 4.486,32 US-Dollar je Feinunze genannt, US-Gold-Futures mit 4.519,90 US-Dollar. Diese Werte sind kein Ersatz für einen Echtzeit-Tick im laufenden Globex-Handel, sie markieren aber die Zone, in der sich die aktuelle Auseinandersetzung zwischen Sicherheitskäufen und Zinsdruck abspielt.

 

 

 

 

Der Markt handelt nicht nur Krieg, sondern auch die Folgen davon

 

Die geopolitische Lage bleibt der auffälligste, aber nicht der einzige Treiber. Nach Reuters stiegen die Ölpreise am Dienstag auf ein Ein-Wochen-Hoch, weil Unsicherheit über die US-Iran-Gespräche bestehen blieb. Brent wurde mit 96,00 US-Dollar je Barrel genannt, WTI mit 93,76 US-Dollar. Das ist für Gold nicht automatisch eine klare Kaufvorlage. Ein politischer Risikoaufschlag kann die Nachfrage nach sicheren Häfen erhöhen. Ein Ölpreisschub kann aber ebenso die Inflationssorgen verschärfen und damit den Zinskanal gegen Gold in Stellung bringen.

Genau hier liegt der Unterschied zu einem einfachen Krisenmarkt. Der Markt fragt nicht nur: Wird es gefährlicher? Er fragt auch: Wird Energie teurer, bleibt Inflation hartnäckiger, muss die Fed länger bremsen? Solange diese zweite Frage mitschwingt, wirken geopolitische Schlagzeilen für Gold ambivalent.

 

Die Zone um 4.500 US-Dollar ist mehr als eine runde Marke

 

Technisch bleibt Gold im frühen Handel an einer sensiblen Stelle. Der Bereich um 4.500 US-Dollar ist psychologisch wichtig, aber auch deshalb relevant, weil oberhalb davon Stabilisierungsversuche glaubwürdiger wirken. Ein Markt, der diesen Bereich verteidigt, kann im europäischen Vormittag Anschlusskäufe anziehen. Ein Rückfall darunter würde dagegen zeigen, dass die Käufer weiterhin sehr selektiv bleiben.

Auf der Oberseite reicht ein kurzer Sprung noch nicht. Erst wenn Gold den Bereich oberhalb von 4.520 US-Dollar sauber zurückerobert, würde aus der Stabilisierung mehr als nur eine technische Pause. Bis dahin bleibt die Lage tastend.

 

Silber ist heute der ehrlichere Belastungstest

 

Silber (TVC:SILVER) verrät häufig mehr über die Qualität einer Edelmetallbewegung als Gold. Wenn nur Gold steigt, spricht das oft für defensive Absicherung. Wenn Silber mitzieht, wird die Bewegung breiter. Am Mittwochmorgen ist genau das zu beobachten: Silber muss zeigen, ob der Markt mehr kauft als nur Schutz.

Der Bereich um 75 US-Dollar je Feinunze bleibt dabei die zentrale Orientierung. Oberhalb davon wirkt der Markt stabiler, darunter würde die industrielle Komponente wieder schwerer wiegen. Denn Silber hängt nicht nur an Dollar und Renditen, sondern auch an der Frage, ob hohe Energiepreise, schwächere Industrieindikatoren und vorsichtigere Investitionen die Nachfrage belasten.

Das macht Silber unbequemer, aber auch informativer. Ein robuster Silberpreis wäre ein gutes Zeichen für den gesamten Edelmetallkomplex. Ein schwaches Silber bei stabilem Gold würde dagegen eher nach einem defensiven, schmalen Sicherheitsmarkt aussehen.

Anzeige:

Banner Zürcher Goldbrief

 

Ein kurzer Blick auf Platin und Palladium reicht heute nicht ganz

 

Platin (TVC:PLATINUM) wirkt weiterhin robuster als Palladium (TVC:PALLADIUM). Der Unterschied ist wichtig, weil beide Metalle nicht einfach Gold folgen. Platin wird stärker von Angebotsfragen, Schmuck- und Industrienachfrage sowie Substitutionsfantasie getragen. Palladium bleibt dagegen enger mit der Automobilnachfrage und den strukturellen Verschiebungen im Antriebsmarkt verbunden.

Darum wäre es zu kurz gegriffen, beide nur als kleine Anhängsel des Goldmarktes zu behandeln. In einem Umfeld höherer Energiepreise können Angebots- und Kostenfragen zwar stützen. Gleichzeitig verschlechtert ein schwächerer Konjunkturblick die Nachfrageseite. Bei Platin und Palladium entsteht daraus ein eigener, weniger liquider und oft sprunghafter Handel.

 

Die Datenlage kommt erst später

 

Der frühe Globex-Handel ist nur die erste Schicht des Tages. Die nächste kommt mit den US-Daten. Der ADP-Arbeitsmarktbericht ist für den 3. Juni angesetzt, zudem steht laut ISM-Veröffentlichungskalender der Services-PMI für Juni am heutigen Mittwoch zur Veröffentlichung an. Beide Datenpunkte sind für die Edelmetalle nicht gleich zu lesen.

Ein robuster Arbeitsmarkt kann den Dollar stützen und Zinssenkungserwartungen dämpfen. Das wäre für Gold eher Gegenwind. Ein schwächerer Services-PMI könnte Gold über Zinshoffnungen helfen, Silber aber über die Konjunkturseite belasten. Der Markt muss also später entscheiden, ob er schlechte Daten als Zinserleichterung oder als Wachstumssignal liest.

 

Was für den europäischen Morgen zählt

 

Der wichtigste Punkt ist heute nicht die erste Bewegung im Futureshandel, sondern ihre Bestätigung. Gold muss oberhalb der kurzfristigen Stabilisierungszone bleiben. Silber sollte nicht deutlich zurückfallen. Der Dollar darf nicht erneut Druck aufbauen. Und der Ölpreis sollte nicht weiter so steigen, dass aus geopolitischer Unsicherheit ein neuer Inflationsschub wird.

Kurz gesagt: Der Morgen beginnt nicht schlecht, aber auch nicht frei. Die Edelmetalle haben eine Chance auf Stabilisierung, solange die Zinsseite ruhig bleibt. Wird der Handel dagegen wieder von Dollarstärke, höheren Renditen oder neuen Ölschlagzeilen dominiert, kann der frühe Globex-Impuls schnell an Wert verlieren.

 

Ausblick: Keine Entwarnung, aber ein prüfbarer Startpunkt

 

Der Mittwoch liefert für Gold und Silber keinen klaren Befreiungsschlag. Aber er liefert einen prüfbaren Startpunkt. Gold hält sich in der Nähe der entscheidenden Zone, Silber bleibt der Belastungstest, Platin zeigt relative Stabilität und Palladium bleibt der anfälligere Industriemarkt.

Wenn Europa die frühe Bewegung bestätigt und die US-Daten später keinen neuen Renditedruck erzeugen, kann aus der Stabilisierung eine tragfähigere Gegenbewegung werden. Bleibt der Dollar dagegen fest und zieht der Ölpreis weiter an, dürfte der Markt den Mittwoch eher als Pause im Spannungsfeld aus geopolitischem Risiko und Zinsdruck lesen.

 

Gold - kaufen oder verkaufen?

 

Die neuesten Entwicklungen bei Gold sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Anleger. Lohnt sich aktuell ein Einstieg bei Gold oder sollten Sie lieber verkaufen?

Konkrete Analysen und Empfehlungen zu Gold - hier den Zürcher Goldbrief kostenlos downloaden...

 

03.06.2026 - Jörg Möller

Unterschrift - Jörg Möller

 

Auf Twitter teilen     Auf Facebook teilen


Informiert bleiben - Wenn Sie bei weiteren Nachrichten und Analysen zu einem in diesem Artikel genannten Wert oder Unternehmen informiert werden möchten, können Sie unsere kostenfreie Aktien-Watchlist nutzen.








Ihre Bewertung, Kommentar oder Frage an den Redakteur


Bitte geben Sie die Anzahl der unten gezeigten Eurozeichen in das Feld ein.
>

 



 

 

Haftungsausschluss - Die EMH News AG übernimmt keine Haftung für die Richtigkeit der Empfehlungen sowie für Produktbeschreibungen, Preisangaben, Druckfehler und technische Änderungen. (Ausführlicher Disclaimer)