Marktbericht Gold – Gold in der chart-stabilen Seitenlage – Wie geht’s dem Patienten?
Die Handelswoche in Gold vom 27.07. – 31.07.2026
In der abgelaufenen Handelswoche beruhigten sich die Märkte mit der Hoffnung auf Verhandlungen im Golfkonflikt, obwohl eine Eskalation mindestens ebenso wahrscheinlich ist. Der Ölpreis fiel hoffnungsfroh, und der US-Dollar neigte nach der Sitzung der US-Notenbank deutlich zur Schwäche. Die öffentlichen Renditen legten dagegen insgesamt weiter zu. In diesem Umfeld erschien die Regungslosigkeit des Goldpreises überraschend, auch wenn dies die Fortsetzung der Entwicklung in den Vorwochen war. Die technische Lage hat sich gleichwohl nicht beruhigt und bleibt fragil.
In der abgelaufenen Handelswoche kämpften die Marktteilnehmer um die Verteidigung ihrer Hoffnung auf ein friedliches Ende des Konfliktes am Persischen Golf. Anlass waren der vorübergehende Stopp der Kämpfe und die Seelenmassage der indirekten Mediatoren Oman, Katar und Pakistan. Das reichte für einen Rückgang des Ölpreises von 4,1 % in dieser Woche. Die Angriffe auf die Ölinfrastruktur in den Kämpfen zwischen der Ukraine und Russland nahmen dagegen weiter zu.
Parallel dazu entwickelten sich die großen US-Aktienindizes uneinheitlich bis freundlich, während die Renditen öffentlicher Anleihen in den USA, Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien leicht zulegten.
Der US-Dollar reagierte ab Mittwoch auf die Entscheidung der US-Notenbank, die Leitzinsen nicht zu erhöhen, mit Abgaben. Im Wochenvergleich verlor er gegen den Euro 1,4 %. Wichtiger war in dieser Woche aber die Entwicklung in Japan. Dort intervenierte die japanische Notenbank zugunsten des Yen, woraufhin dieser glatte 4 % gegen den US-Dollar zulegte. In unserem letzten Wochenbericht Gold hatten wir auf das ,,Chaospotenzial‘‘ einer weiteren Yen-Schwäche hingewiesen. Diese Erwartungsschwelle der Marktteilnehmer dürfte ein Grund für die Intervention der japanischen Notenbank gewesen sein.
Gold (TVC:GOLD) konnte allerdings von dem schwächeren US-Dollar kaum profitieren. Es bewegte sich in diesem Umfeld per saldo erneut kaum und schloss mit 4.045,16 USD nach 4.052,84 USD in der Vorwoche praktisch unverändert.
Die jüngsten Zahlen des World Gold Council zur Entwicklung im 2. Quartal 2026 zeigen, dass die Goldnachfrage der Zentralbanken weiterhin ein zentraler Pfeiler der Gesamtnachfrage ist. Die 288,9 t Goldnachfrage der Zentralbanken im 2. Quartal entsprachen einem Anstieg zum gleichen Vorjahresquartal von 62,4 % und gegenüber dem Vorquartal sogar von 411 %! Gedämpft wurde die Gesamtnachfrage jedoch durch einen Rückgang bei Barren und Münzen (-36 % auf 307,1 t), der Investmentnachfrage (-51% auf 262,2 t) und der Veränderung bei ETF’s und ähnlichen Produkten, die Abgaben von netto 44,8 t nach Zukäufen von 62,4 t im Vorquartal zeigten. Die höhere Minenproduktion wurde dabei von einem bedeutenden Rückgang bei recyceltem Gold fast kompensiert.
Vor diesem Hintergrund erscheint die relative Ruhe beim Goldpreis in dieser Handelswoche bemerkenswert. Und zwar insofern, dass es offensichtlich weniger der Markt für reales Gold war, der den Goldpreis bewegte. Stattdessen dürften sich die Einflussfaktoren von den Devisenmärkten, der Geopolitik, den Anleihemärkten und den Aktienmärkten insgesamt kompensiert haben.
Goldchart mit gespannter Ruhe
Hinzu kommt, dass die charttechnische Situation des Goldpreises weiter von gespannter Ruhe geprägt war, wie auch Chart 1 zeigt.
Der Preischart des Goldes auf Tagesbasis scheint ein Signal zu senden, dass für die Richtungsentscheidung und die Form des Trendwechsels die Zeit noch nicht reif ist.
Der Kurs bewegte sich kaum, und die Umsätze gaben ebenfalls keine Signifikanz-Signale. Der Goldpreis bewegte sich dabei praktisch in der Mitte seines Seitwärtskanals, welcher durch die Zwischenhoch-Linie und Zwischentief-Linie (blaue Horizontalen) dargestellt sind.
Nachdem die US-Notenbank am Mittwoch die Zinserhöhung in die (nähere) Zukunft verschoben hatte und in der Folge der US-Dollar deutlich nachgab, erhielt der Rohstoffsektor und damit auch Gold einen Erleichterungsimpuls, der zu einem Angriff auf die mittelfristige Abwärtstrend-Linie führte. Zu mehr als einem Angriff reichte aber die Kraft nicht, denn am Freitag schloss der Goldpreis wieder unter der Abwärtstrend-Linie.
Wirft man wie schon in der Vorwoche einen Blick auf den Stochastik RSI – Indikator, so zeigt sich, dass dieser schon fast wieder im überkauften Bereich liegt.
Im unteren Teil, dem Stochastik RSI, sind die wichtigsten Zeitpunkte der letzten Wochen markiert, in denen die schnelle Linie (blau) die langsame (orange) Linie von unten nach oben durchschneidet. Diese Zeitpunkte sind mit einer gestrichelten roten Vertikalen markiert und deuten auf zusätzliches Aufwärts-Momentum hin.
Allerdings zeigt sich, dass dieses Momentum derzeit kaum eine deutliche Preisänderung auslöst. Dies sagt natürlich nur wenig über die kommenden Wochen aus. Jedoch bleibt aus charttechnischer Perspektive auch zu erwähnen, dass eine statische Unterstützung umso schwächer wird, je länger sie getestet wird.
Darin liegt eben auch einer der Gründe, nach Bodenmustern zu suchen, die in aller Regel Hinweise dafür liefern, wie hoch die Wahrscheinlichkeit einer Trendumkehr ist.
Da der Goldpreis bislang in den vergangenen Wochen kein deutliches Konsolidierungsmuster gebildet hat, muss zumindest erwogen werden, dass es zu einer Fortsetzung des derzeitigen mittelfristigen Abwärtstrends kommt.
Was sagt Fibonacci?
Auf der Suche nach Hinweisen darauf, wie hoch die Wahrscheinlichkeit eines weiteren Kursrückganges ist, lohnt sich ein Blick auf den Wochen- und Monatscandle-Chart. Chart 2 zeigt den Goldpreis auf Wochencandle-Basis mit seinen Fibonacci-Retracements, wobei der Ausgangspunkt der Aufwärtsbewegung im Mai 2024 liegt.
Zudem ist die statische Unterstützung des Zwischentiefs vom 28.10.2025 als obere Begrenzung des dunkleren Rechteckes und die nächste statische Unterstützung darunter in Form des Zwischenhochs vom 22.04.2025 als untere Begrenzung dargestellt.
Es zeigt sich, dass der Goldpreis im Zuge seiner Korrektur einigermaßen genau auf das 50 % - Fibonacci-Retracement gefallen ist. Sollte der genannte Ausgangspunkt der Aufwärtsbewegung technisch relevant sein und sich der Goldpreis nach diesem Retracement richten, so ist zu erwarten, dass wir das Korrekturtief in der laufenden Konsolidierung gesehen haben.
Nimmt man aber bei der Berechnung des Aufwärtstrends nicht den Mai 2024 als Startzeitpunkt, sondern den Ausgangspunkt der größeren Aufwärtsbewegung, so beginnt die Zählung im September 2022. Dies ist in Chart 3 auf Monatscandle-Basis dargestellt.
Dieser Chart zeigt: Gold hat sein 61,8 % - Retracement im Juni 2026 auch auf Schlusskurs-Basis unterschritten und liegt auch aktuell darunter.
Aus dieser Perspektive ist es wahrscheinlicher, dass Gold erst noch sein 50 % - Retracement testet, welches bei rund 3.610 USD liegt. Dieser Bereich ist mit dem dunkelroten Kreis markiert.
Wohin fliegt der Adler der Auguren?
Konnten wir in der Vorwoche noch deutliche Hoffnungszeichen für einen Abschluss der Bodenbildung darlegen, so hat sich die Lage in dieser Woche insgesamt eher eingetrübt.
Gold kam bei der Strukturbildung seines Konsolidierungsmusters kaum voran. Sollte der Goldpreis einen Boden mit einem Konsolidierungskeil bilden wollen, so könnte dieser relativ flache Keil noch einige Wochen brauchen, denn die Spitze des flachsten Keils wird erst Ende September gebildet.
Hinzu kommt, dass die Zinsentwicklung ebenso wie die Entwicklung des US-Dollars für sich genommen ausreichen, um das Sentiment von Gold entweder weiter einzutrüben oder aber deutlich anzuheben.
In einem Szenario, in dem der Goldpreis deutlich unter Druck kommen und damit die dargestellten Unterstützungen unterschreiten könnte, wäre eine US-Zinserhöhung mit einer härteren Zinshaltung der US-Notenbank. Dies würde den US-Dollar wieder stärken, insbesondere dann, wenn der japanische Yen trotz massiver Notenbank-Interventionen erneut zur Schwäche neigt und das in der Vorwoche skizzierte Abwärts-Momentum eintritt. Dann dürfte es zu einem Kräftemessen zwischen der japanischen Notenbank und den Märkten kommen.
In diesem Fall würden technisch orientierte Devisenmarkt-Teilnehmer Aufwertungsdruck auf den US-Dollar schaffen, während dies gleichzeitig den Goldpreis unter das Zwischentief vom 28.10.2025 bei 3.886,46 USD drücken könnte. Dadurch würde nun der Goldpreis selber neues Abwärts-Momentum generieren, was in der Folge diesen bis auf sein 50 % - Retracement bei rund 3.610 USD drücken könnte.
Welcher der Ausgangspunkte der letzten Aufwärtsbewegung gewählt wird entscheidet somit darüber, ob die Fibonacci-Retracements eine Bodenbildung auf dem aktuellen Kursniveau oder aber einen abschließenden Kursrutsch erwarten lassen.
Es sei aber daran erinnert, dass das Risiko auf dem Vorzeichen-Auge blind ist. Das Risiko jener, die beim 50 % - Retracement zum Zug kommen wollen, liegt genau darin, dass Gold eben nicht mehr bis dahin fällt.
Es dürfte sich deshalb lohnen, in der kommenden Handelswoche nach Signalen für das eine oder andere Szenario zu suchen.
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01.08.2026 - Arndt Kümpel

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