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Gold fällt trotz neuer Spannungen an der Straße von Hormus

Iranische Eingriffe in den Schiffsverkehr treiben den Ölpreis, doch Dollarerholung und Inflationsrisiken überlagern am Monatsende die klassische Fluchtbewegung

NTG24 - Gold fällt trotz neuer Spannungen an der Straße von Hormus

KI-generiertes Symbolbild. Marken dienen der redaktionellen Einordnung.

 

Die geopolitische Risikolage verschärfte sich am Freitag sichtbar, doch der Goldmarkt beantwortete sie nicht mit steigenden Kursen. Neue Zwischenfälle an der Straße von Hormus ließen die Energiepreise anziehen. Für das Edelmetall bedeutete dies jedoch nicht nur zusätzliche Nachfrage nach Sicherheit, sondern zugleich die Rückkehr eines belastenden Szenarios: teureres Öl, hartnäckigere Inflation und länger hohe US-Zinsen.

Der Rückgang von Gold (TVC:GOLD) zeigt damit, wie stark sich die Marktlogik des Iran-Konflikts verändert hat. Eine militärische Eskalation kann kurzfristig Zuflüsse in sichere Häfen auslösen. Sobald sie aber vor allem über Ölpreise, Inflationserwartungen und die Federal Reserve bewertet wird, verliert Gold einen Teil dieses Vorteils wieder.

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Iran erklärte am Freitag, zwei Schiffe beim Versuch gestoppt zu haben, die Straße von Hormus zu verlassen; weitere Tanker sollen ihren Kurs geändert haben. Unabhängig davon, welche Einzelangaben noch bestätigt werden, blieb der Verkehr durch die strategisch wichtige Wasserstraße dünn. Zwei sehr große Rohöltanker konnten die Passage zwar verlassen, doch die geringe Zahl der Schiffsbewegungen verdeutlichte, wie fragil die Versorgungslage weiterhin ist. Einen aktuellen Überblick über die Verkehrsbewegungen lieferte Reuters zur Schifffahrt an der Straße von Hormus.

Die unmittelbare Reaktion war am Ölmarkt klarer als beim Edelmetall. Brent stieg während des Freitags zeitweise wieder über 90 US-Dollar je Barrel, während auch US-Rohöl deutlich zulegte. Damit kehrte genau jener Übertragungskanal zurück, der Gold während des bisherigen Konfliktverlaufs mehrfach belastet hatte: Höhere Energiepreise erhöhen die Gefahr, dass der zuvor nachlassende Inflationsdruck erneut zunimmt und die US-Notenbank länger an einem restriktiven Kurs festhält.

Die geopolitische Zuspitzung reichte deshalb nicht aus, um den gleichzeitig festeren Dollar zu neutralisieren. Die US-Währung erholte sich nach ihrem starken Rückgang vom Donnerstag. Für Käufer außerhalb des Dollarraums verteuerte sich Gold dadurch zusätzlich, während die am Terminmarkt eingepreiste Wahrscheinlichkeit einer US-Zinserhöhung im September wieder bei rund 65 Prozent lag.

 

Der sichere Hafen gerät zwischen Krieg und Geldpolitik

 

Diese Konstellation erklärt den scheinbaren Widerspruch des Freitags. Die Gefahr für Schifffahrt und Energieversorgung nahm zu, der Goldpreis fiel dennoch. Der Markt unterschied zwischen einem geopolitischen Risiko, das unmittelbar Kapital in das Edelmetall lenkt, und einem Konflikt, der vor allem Öl, Verbraucherpreise und Zinserwartungen nach oben treibt. Am Monatsende überwog die zweite Lesart.

Nach Angaben von Reuters zum Goldhandel am 31. Juli notierte der Spotpreis um 09:59 Uhr New Yorker Zeit beziehungsweise 15:59 Uhr MESZ bei 4.027,75 US-Dollar je Feinunze. Das entsprach einem Tagesverlust von 1,8 Prozent, nachdem das Minus zeitweise 2 Prozent erreicht hatte. Der August-Gold-Future wurde zur selben Marktphase bei 4.025,10 US-Dollar und damit 1,9 Prozent schwächer angegeben.

Beide Preise lagen nahe beieinander, sind aber dennoch getrennte Marktgrößen. Der Spotpreis beschreibt den außerbörslichen Kassamarkt, während der August-Kontrakt an der COMEX eigene Laufzeit-, Liquiditäts- und Abrechnungsbedingungen besitzt. Ein offizielles Settlement für die laufende Sitzung lag zum Zeitpunkt der Erstellung noch nicht vor.

 

 

 

Technisch hielt sich der Markt zunächst über der psychologisch wichtigen Marke von 4.000 US-Dollar. Dieser Abstand blieb jedoch gering. Der kräftige Anstieg vom Donnerstag, als der Spotpreis noch bis über 4.100 US-Dollar vorgedrungen war, wurde zu einem großen Teil wieder abgegeben. Damit entstand kein stabiler Ausbruch, sondern eine breite Schwankungszone, in der politische Schlagzeilen und geldpolitische Erwartungen einander fortlaufend überlagern.

Der Vergleich mit der Vortagessitzung unterstreicht die Geschwindigkeit des Richtungswechsels. Am Donnerstag hatte ein schwächerer Dollar den Spotpreis auf 4.104,59 US-Dollar steigen lassen; der August-Future beendete die Sitzung laut Marktbericht vom Donnerstag bei 4.160,60 US-Dollar. Binnen eines Handelstages wurde damit ein erheblicher Teil dieser Erholung wieder ausgepreist.

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Der Monatsgewinn verdeckt die politische Fragilität

 

Trotz des deutlichen Freitagsverlustes steuerte Gold auf ein kleines Monatsplus von etwa 0,5 Prozent zu. Es wäre der erste positive Monat nach vier Rückgängen in Folge. Diese Bilanz wirkt stabiler, als der tägliche Handel tatsächlich war. Im Juli wechselten sich mehrfach sichere-Hafen-Käufe, Inflationssorgen, Ölpreisschocks und veränderte Zinserwartungen ab. Die Region um 4.000 US-Dollar wurde dabei weniger zu einem ruhigen Boden als zu einem politischen und geldpolitischen Gleichgewichtspunkt.

Die längerfristige Nachfrage folgt einer anderen Zeitskala. In der jüngsten Erhebung des World Gold Council zu Zentralbankreserven erwarteten 89 Prozent der befragten Notenbanken steigende globale Goldbestände innerhalb der kommenden zwölf Monate. Rekordhohe 45 Prozent rechneten zudem mit einer Aufstockung der eigenen Reserven. Als Motive wurden neben Diversifikation und Inflationsschutz ausdrücklich geopolitische Absicherung und eine geringere Abhängigkeit vom US-Dollar genannt.

Diese strategische Nachfrage verhindert keine täglichen Rückschläge. Sie erklärt aber, weshalb die Marke von 4.000 US-Dollar trotz hoher Zinsen, eines zeitweise festen Dollars und erheblicher Volatilität weiterhin Käufer anzieht. Für Reserveverwalter ist Gold nicht nur ein Schutz gegen einzelne militärische Ereignisse, sondern gegen die langfristigen Folgen geopolitischer Fragmentierung, Sanktionen und unsicherer Handelswege.

Der Freitag lieferte deshalb keine einfache Botschaft zugunsten oder zulasten des sicheren Hafens. Er zeigte vielmehr, dass geopolitische Eskalation Gold inzwischen über zwei entgegengesetzte Kanäle erreicht. Das Sicherheitsmotiv bleibt erhalten, doch der inflationäre Ölpreiskanal kann es kurzfristig überstimmen. Solange der Konflikt an der Straße von Hormus beide Wirkungen gleichzeitig erzeugt, dürfte auch die Preisbildung um 4.000 US-Dollar sprunghaft bleiben.

Stand: Freitagabend, 31.07.2026, gegen 18:30 Uhr MESZ während des laufenden US-Handels. Der US-Terminhandel war zum Zeitpunkt der Erstellung noch nicht abgeschlossen; ein endgültiger COMEX-Schlusskurs beziehungsweise ein offizielles Settlement des August-Gold-Futures lag noch nicht vor.

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31.07.2026 - Jörg Möller

Unterschrift - Jörg Möller

 

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