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COMEX-/Globex-Frühbericht: Der Goldmarkt prüft die Schmerzgrenze

Nach dem erneuten Rücksetzer entscheidet am Donnerstag nicht allein die Geopolitik, sondern vor allem der Mix aus Ölpreis, Dollar, US-Arbeitsmarkt und Lohnkosten

NTG24 - COMEX-/Globex-Frühbericht: Der Goldmarkt prüft die Schmerzgrenze

 

Der frühe COMEX-/Globex-Handel startet am Donnerstag nicht mit einem klaren Befreiungsschlag, sondern mit einer deutlich wichtigeren Frage: Hat der Edelmetallmarkt die jüngste Zinsbelastung bereits ausreichend eingepreist, oder wird aus dem geopolitischen Risiko erneut ein Argument gegen Gold? Genau an dieser Schnittstelle zwischen Krisenschutz und Inflationsangst entscheidet sich der heutige Handelstag.

Stand: 02:16 Uhr MESZ. Die Einschätzung basiert auf dem bisherigen CME/COMEX-Globex-Handel seit dem Sitzungsstart um 00:00 Uhr MESZ.

 

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Der erste Blick gilt heute nicht dem großen Trend, sondern der Reaktion auf den Vortag. Gold (TVC:GOLD) war am Mittwoch unter Druck geraten, obwohl die geopolitische Lage eigentlich genug Stoff für Sicherheitskäufe geliefert hätte. Reuters meldete einen Rückgang des Spotpreises auf 4.440,99 US-Dollar je Feinunze und US-Gold-Futures bei 4.466,90 US-Dollar. Entscheidend war dabei nicht fehlende Nervosität, sondern die Deutung der Nervosität: Der Markt sah in der Eskalation rund um den Nahen Osten vor allem neue Inflationsrisiken und damit möglicherweise länger hohe Zinsen.

Das ist der Kern des heutigen Frühhandels. Gold kann nicht einfach steigen, nur weil die Lage politisch gefährlicher wird. Wenn die Gefahr über den Ölpreis in die Inflationserwartungen wandert, verwandelt sich ein klassisches Goldargument in einen Zinsgegenwind. Deshalb ist der Donnerstag weniger ein Nachrichtentag als ein Interpretationstag.

 

Der erste Entscheidungspunkt liegt beim Öl

 

Am Mittwoch stiegen die Ölpreise nach Reuters-Angaben um rund 2 %, nachdem die Spannungen im Nahen Osten zunahmen und diplomatische Gespräche zwischen den USA und Iran weiter feststeckten. Brent schloss bei 97,81 US-Dollar je Barrel, WTI bei 96,02 US-Dollar. Parallel meldete die EIA einen stärker als erwarteten Rückgang der US-Rohölbestände um 8 Mio. Barrel. Diese Kombination aus geopolitischem Risiko und knapperen Lagerdaten ist für Edelmetalle doppeldeutig: Sie erhöht die Unsicherheit, aber sie erhöht auch den Inflationsdruck. Reuters

Für den weiteren Handelstag ergibt sich daraus eine klare Prüffrage: Bleibt Öl hoch, ohne dass Dollar und Renditen weiter steigen, kann Gold den politischen Risikoaufschlag wieder besser spielen. Steigt Öl aber zusammen mit dem Dollar, wird der Markt wahrscheinlich erneut die Inflations- und Fed-Seite höher gewichten. Dann wäre jede frühe Stabilisierung anfällig.

 

 

 

 

Die offizielle Handelslogik dahinter bleibt wichtig: Die CME weist für Gold-Futures auf Globex reguläre Handelszeiten von Sonntag bis Freitag, 18:00 bis 17:00 Uhr New Yorker Zeit aus. Für deutsche Anleger beginnt die neue Sitzung damit aktuell um 00:00 Uhr MESZ. Der frühe Handel ist also kein Nebenschauplatz, sondern die erste echte Terminmarktreaktion auf Nachrichten, die nach dem US-Schluss oder während der europäischen Nacht verarbeitet werden. CME Group

 

Gold: Heute zählt nicht die erste Erholung, sondern ihre Qualität

 

Nach dem Rückgang vom Mittwoch liegt die entscheidende Zone nicht mehr sauber bei 4.500 US-Dollar, sondern tiefer. Kurzfristig muss Gold zeigen, ob der Bereich um 4.440 bis 4.470 US-Dollar von Käufern verteidigt wird. Ein bloßes Pendeln in dieser Spanne wäre noch keine Wende, aber ein Zeichen dafür, dass der Verkaufsdruck zunächst aufgenommen wird.

Für eine tragfähigere Erholung braucht Gold zwei Bestätigungen. Erstens müsste der Markt zurück in Richtung 4.500 US-Dollar laufen, ohne dass die Bewegung sofort wieder verkauft wird. Zweitens dürften Dollar und US-Renditen im europäischen Vormittag nicht weiter anziehen. Nur dann kann aus der Stabilisierung ein konstruktiver Tagesversuch werden.

Das negative Szenario ist ebenso klar: Fällt Gold im weiteren Globex- oder Europa-Handel unter die Zone des Mittwochsdrucks zurück, würde der Markt die geopolitische Risikoprämie erneut ignorieren und stattdessen die Zinsseite dominieren lassen. Dann könnte aus der Nachtstabilisierung ein kurzer technischer Reflex bleiben.

 

Silber bekommt heute eine eigene Rolle

 

Silber (TVC:SILVER) fiel am Mittwoch laut Reuters um 2,2 % auf 73,40 US-Dollar je Feinunze. Damit ist Silber nicht nur Begleiter des Goldmarktes, sondern selbst ein wichtiger Risikoindikator. Unterhalb von 75 US-Dollar wirkt der Markt angeschlagen, aber nicht zwangsläufig gebrochen. Entscheidend wird, ob Silber den Bereich um 73 US-Dollar verteidigt oder ob neue Dollarstärke den Markt in Richtung tieferer Unterstützungen drückt.

Der Unterschied zu Gold ist heute besonders wichtig. Gold darf defensiv steigen. Silber muss breiter überzeugen. Eine Erholung bei Silber würde zeigen, dass Anleger nicht nur Schutz kaufen, sondern auch wieder Liquidität in den Edelmetallkomplex geben. Bleibt Silber schwach, während Gold stabilisiert, wäre das ein Warnsignal für die Marktbreite.

 

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Der Makroteil kommt früher als der große Arbeitsmarktbericht

 

Der Freitag mit den US-Arbeitsmarktdaten bleibt der große Wochentermin. Trotzdem kann der Donnerstag bereits eine Vorentscheidung für die kurzfristige Richtung bringen. Auf dem US-Kalender stehen heute die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, die fortgesetzten Anträge, die finalen Produktivitätsdaten für das erste Quartal und die Lohnstückkosten. Genau diese Kombination ist für Gold unangenehm relevant: Arbeitsmarkt und Lohnkosten berühren direkt die Frage, ob die Fed Spielraum für Lockerungen bekommt. MarketWatch

Die Prognose für den Handelstag lässt sich deshalb in drei Szenarien fassen. Schwächere Arbeitsmarktdaten bei moderaten Lohnkosten wären das freundlichste Umfeld für Gold, weil sie Zinssenkungsfantasie stützen könnten. Robuste Jobless Claims zusammen mit hartnäckigen Lohnkosten wären dagegen belastend, weil sie das Narrativ höherer Zinsen verlängern. Gemischte Daten dürften zunächst Volatilität erzeugen, aber keine klare Richtung liefern.

Für Silber ist das Bild weniger eindeutig. Zinserleichterung hilft, schwächere Konjunktursignale können aber die industrielle Nachfragefrage wieder aufwerfen. Deshalb dürfte Silber auf die Daten impulsiver reagieren als Gold.

 

Platin und Palladium: Der Rand des Bildes ist heute aufschlussreich

 

Platin (TVC:PLATINUM) und Palladium (TVC:PALLADIUM) wurden am Mittwoch ebenfalls verkauft. Reuters nannte Rückgänge von jeweils 3,5 % auf 1.868,58 US-Dollar bei Platin und 1.321,97 US-Dollar bei Palladium. Das ist für den Donnerstag nicht nur eine Randnotiz. Wenn auch die kleineren Edelmetalle schwach bleiben, spricht das für einen breiteren Rohstoff- und Industriemetalldruck. Stabilisieren sich Platin und Palladium dagegen früh, wäre das ein Hinweis, dass der Mittwochsausverkauf zumindest teilweise technisch überzogen war.

Palladium bleibt dabei der anfälligere Markt. Die Liquidität ist geringer, die strukturellen Fragen aus der Automobilnachfrage bleiben größer. Platin kann eher von Angebots- und Substitutionsthemen profitieren, braucht dafür aber ebenfalls ein ruhigeres Makroumfeld.

 

Was bis zum US-Handel passieren muss

 

Der Vormittag hat heute eine klare Aufgabe: Er muss zeigen, ob der Globex-Handel nur den Mittwoch verdaut oder ob echte Gegenwehr entsteht. Gold braucht eine Rückkehr in Richtung 4.500 US-Dollar. Silber sollte den Bereich um 73 US-Dollar nicht aufgeben. Der Dollar darf nicht weiter durchziehen. Und Öl sollte nicht so stark steigen, dass erneut der Inflationskanal die gesamte Edelmetalllogik übernimmt.

Gelingt diese Kombination, könnte der US-Handel am Nachmittag eine stabilere Ausgangslage vorfinden. Misslingt sie, bleibt der Markt in der defensiven Lesart gefangen: Geopolitik ja, aber Zinsen stärker.

 

Ausblick: Heute entscheidet die Reihenfolge der Argumente

 

Der Donnerstag wird nicht dadurch entschieden, ob es geopolitische Risiken gibt. Die gibt es. Entscheidend ist die Reihenfolge, in der der Markt sie verarbeitet. Kommt zuerst der Sicherheitsgedanke, kann Gold einen Erholungsversuch starten. Kommt zuerst die Inflations- und Zinsfrage, bleibt der Druck bestehen.

Meine Arbeitshypothese für den weiteren Handelstag lautet daher: Gold hat nach dem Mittwochsrückgang kurzfristig Raum für eine technische Stabilisierung, solange die Zone um 4.440 US-Dollar nicht klar bricht. Für eine echte Aufhellung braucht es aber eine Rückkehr über 4.500 US-Dollar und zugleich Entlastung beim Dollar. Silber bleibt der Marktbreitentest. Platin und Palladium liefern Hinweise darauf, ob der Druck nur Gold-spezifisch war oder den gesamten Edelmetallkomplex betrifft.

Das Fazit fällt deshalb bewusst nicht als Entwarnung aus. Der Globex-Start liefert einen möglichen Bodenbildungsversuch, aber noch keinen Richtungswechsel. Wer den heutigen Handel beurteilen will, sollte weniger auf den ersten Tick nach Mitternacht achten als auf die Reaktion nach den US-Daten. Dort wird entschieden, ob der Donnerstag ein Stabilisierungstag oder nur eine weitere Etappe im Zinsdruck bleibt.

 

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04.06.2026 - Jörg Möller

Unterschrift - Jörg Möller

 

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