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Sicherer Hafen schwächelt: Schweizer Franken verliert gegen den Euro

Schweizer Franken gegen den Euro deutlich schwächer

 

Anlagen, die in Krisenzeiten oder bei Vertrauensschwund in Regierungen und Konjunkturprognosen an Wert gewinnen, werden oft als ,,Sichere Häfen‘‘ bezeichnet. Zu den wenigen Anlageklassen, denen dieser Vertrauensvorschuss zuteilwird, gehört seit Jahrzehnten der Schweizer Franken.

Und dies aus gutem Grund. Denn die institutionelle Qualität des Schweizer Staatswesens wird immer dann mehr als deutlich, wenn um die Schweiz herum die Probleme zunehmen. De facto ist dies seit der Einführung des Euros für den Euro der Fall, was zu einer mal schwächeren, mal stärkeren Kapitalflucht aus dem Euro in den Schweizer Franken mündete.

Ein Spiegel dieser Entwicklung ist zumindest teilweise auch das Zinsniveau, was jedoch zumindest am kurzen Ende von der Notenbankpolitik bestimmt wird. Mit Blick auf das Wechselkursverhältnis des Euros zum Franken ragen neben der Zinspolitik vor alle massive Devisenmarktinterventionen der Schweizer Nationalbank (SNB) hervor, die versucht, den chronisch von Aufwertung ,,bedrohten‘‘ Franken zu schwächen.

Ein Blick auf die langfristige Entwicklung zeigt aber, dass diese Politik mittelfristig keinen Erfolg zeitigt. Dies gilt sowohl für den Euro wie auch für den US-Dollar, dessen Entwicklung gegen den Schweizer Franken nachfolgend seit der Aufhebung der Goldbindung des US-Dollars im Jahr 1971 dargestellt ist.

 

 

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Werbebanner Zürcher BörsenbriefeGegen den Euro markiert der am 15.01.2015 verlorene Abwehrkampf der SNB um einen Mindestkurs des Euro gegen den Franken von 1,20 Franken je Euro einen Tiefpunkt des erfolglosen Interventionismus. Seither wurde gelegentlich versucht, Schwankungen an den Devisenmärkten mit Devisenmarktinterventionen zur Schwächung des Franken zu nutzen. Chart 2 zeigt die Entwicklung des politisch sensiblen Wechselkurses zum Euro und hier insbesondere den massiven Abwertungsschub des Euro gegen den Franken in der Finanzkrise 2008/2009, dessen Höhepunkt möglicherweise mit dem Absturz des Euros am 15.01.2015 erreicht wurden.

Seither hat der Euro einen Anlauf unternommen, die Marke von 1,20 Franken je Euro wieder zu überschreiten, scheiterte aber zunächst. Nachdem nun eine zweite Konsolidierungsphase durchlaufen wurde, sendet der Euro Signale, die einen erneuten Angriff auf die Marke von 1,2ß Franken je Euro erwarten lassen.

Dabei wird ein fraktaler Doppelboden als Umkehrformation zumindest mittelfristig wahrscheinlich. Die gestrichelte Horizontale kann für diese Interpretation als Signifikanzschwelle dienen.

 

 

Wie bereits bei der Gegenbewegung nach dem Absturz 2015 und dem Überwinden der steilen Abwärtstrendlinie Anfang 2017 hat der Chart nun erneut eine flachere Abwärtstrendlinie überwunden. Wie weit der neue Aufwertungsimpuls des Euros geht und ob die Marke von 1,20 fällt, bleibt kurzfristig offen.

Allerdings hat der Euro auf kleinerer Skale bereits weitere Kaufsignale gegeben, welche die Notenbank wohl dankend aufnimmt und sie durch entsprechende Interventionen verstärken dürfte, um das Aufwertungs-Momentum des Euros aufrechtzuerhalten.

 

 

Chart 3 zeigt diese statischen und dynamischen Kaufsignale ebenso wie die Tatsache, dass die erste schnelle Aufwertungsphase nun durch einen statischen Widerstand bei 1,10591 Franken je Euro gedämpft wurde. Eine nächste Aufwertungswelle könnte den Euro bis auf 1,14 Franken schieben, an das sich nach oben hin die Marke von 1,18 Franken anschließt. Danach bleibt nur der mittelfristige Gipfel zu erklimmen, welcher bei 1,20 Franken liegt. Dieser ist psychologisch der am schwersten zu knackende Widerstand, da er mit der gescheiterten Intervention der SNB assoziiert wird.

 

Fazit

 

Der Schweizer Franken könnte in den kommenden Wochen gegen den Euro zur Schwäche neigen. Dies hat dabei seine Ursache eher in dem geringeren Bedarf nach ,,Safe Haven‘‘-Anlagen als in einer besseren relativen Wirtschaftsentwicklung.

Zudem ist völlig offen, wie lange die Sonnenschein-Phase für den Euro anhalten könnte. Ein Konjunkturimpuls durch eine Abschwächung des Lockdowns in Kombination dem beschlossenen ,,Corona Recovery Programme‘‘ dürfte das Seinige dazu beitragen. An der großen Differenz bei der institutionellen Qualität wie auch dem zugeschriebenen Vertrauen der Kapitalmärkte in die Schweiz und den Schweizer Franken und damit in die Bodenströmung in Richtung Aufwertung des Franken hat sich allerdings nichts geändert. Dies sollten Investoren bei der langfristigen Disposition ihrer Anlagen im Blick behalten.

 

25.02.2021 - Arndt Kümpel - ak@ntg24.de

 






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