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Die Straße von Hormus verändert die Goldlogik erneut

Irans Eskalationsdrohung stützt die Sicherheitsnachfrage – doch für Gold ist ein neuer Ölpreisschock zugleich das größte Risiko für diese Erholung

NTG24 - Die Straße von Hormus verändert die Goldlogik erneut

 

Die geopolitische Risikoprämie kehrt nicht in jener Form zurück, die aus früheren Krisen vertraut ist. Während Teheran mit einer offensiveren Strategie in der Straße von Hormus droht, steigt die Nachfrage nach Absicherung. Gleichzeitig erinnert der monatelange Iran-Konflikt daran, dass ein Ölpreisschock über Inflation und US-Zinsen ausgerechnet den klassischen sicheren Hafen unter Druck setzen kann.

Diese widersprüchliche Mechanik prägt am Montag Gold (TVC:GOLD). Ein hochrangiger iranischer Vertreter erklärte gegenüber Reuters, Iran werde seine Haltung in der Straße von Hormus und darüber hinaus verschärfen, sollte der diplomatische Prozess mit den USA scheitern. Damit erhält die jüngste Gold-Erholung eine sicherheitspolitische Stütze. Sie ist allerdings keine Einbahnstraße: Je stärker eine Eskalation den Energiekomplex trifft, desto schneller können Inflations- und Zinsrisiken wieder gegen das Edelmetall arbeiten.

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Am Montag blieb dieser zweite Effekt zunächst begrenzt. Die Ölpreise reagierten auf den diplomatischen Stillstand zwar mit Aufschlägen, aber nicht mit einem neuen Preisschock. Brent bewegte sich während des US-Handels um 88,85 US-Dollar je Barrel. Gleichzeitig fiel der Dollarindex nach einer Reihe schwächerer US-Daten auf den niedrigsten Stand seit Juni. Damit bekam Gold genau jene Kombination, die ihm während früherer Eskalationsphasen gefehlt hatte: politische Unsicherheit, ohne dass Dollar und kurzfristige Zinserwartungen gleichzeitig massiv nach oben schossen.

Die Kursreaktion fiel entsprechend konstruktiv aus. Reuters bezifferte den Spotpreis um 09:25 Uhr New Yorker Zeit auf 4.387,95 US-Dollar je Feinunze, 0,28 Prozent über dem Vortagesniveau. Der Dezember-Kontrakt auf Gold wurde gleichzeitig bei 4.444,40 US-Dollar und damit 0,2 Prozent höher genannt. Eine spätere globale Marktübersicht der Nachrichtenagentur sah Spotgold bereits bei rund 4.410 US-Dollar. Die Werte stammen aus unterschiedlichen Zeitpunkten des laufenden Handels und sind deshalb nicht als Schluss- oder Settlementkurse zu verstehen.

 

 

 

Warum Krieg für Gold nicht automatisch steigende Preise bedeutet

 

Gerade die Entwicklung seit Jahresbeginn macht eine einfache Gleichung „mehr geopolitisches Risiko gleich höherer Goldpreis“ problematisch. Nach Ausbruch des Krieges zwischen den USA, Israel und Iran Ende Februar fiel Gold von seinem Rekordhoch bei 5.595 US-Dollar im Januar zeitweise unter 4.000 US-Dollar. Der unmittelbare Sicherheitsbedarf war zwar hoch, doch gleichzeitig trieb der Konflikt die Energiepreise nach oben. Investoren beschafften Liquidität, während die Inflationsgefahr die Aussicht auf höhere US-Zinsen verstärkte.

Im August läuft diese Wirkung bislang in die entgegengesetzte Richtung. Gold hat nach Berechnungen von Reuters seit Monatsbeginn rund neun Prozent gewonnen. Der entscheidende Unterschied liegt weniger in einer verschwundenen geopolitischen Gefahr als in deren wirtschaftlichen Folgewirkungen. Öl notiert deutlich unter seinen kriegsbedingten Spitzen, während schwächere US-Arbeitsmarkt-, Inflations- und Konsumdaten die Erwartungen an eine weitere geldpolitische Straffung zurückgedrängt haben.

Damit kann die Sicherheitsfunktion von Gold wieder sichtbarer werden. Sie konkurriert nicht mehr in gleichem Maße mit der Befürchtung, dass jeder neue militärische Zwischenfall den nächsten Inflationsschub auslöst. Der Montag zeigt jedoch auch, wie fragil diese Konstellation bleibt. Eine nachhaltige Störung der Schifffahrt durch Hormus würde die Rechnung neu aufmachen.

 

Teherans Drohung zielt auf den empfindlichsten Übertragungskanal

 

Die Straße von Hormus ist für den Goldmarkt deshalb wichtiger als eine gewöhnliche geopolitische Schlagzeile. Die dortige Sicherheitslage verbindet militärisches Risiko unmittelbar mit Energieversorgung, Inflation, Wachstum und Geldpolitik. Bereits am Freitag hatte Reuters über weitere Angriffe auf Schiffe und verlangsamten Verkehr in der Meerenge berichtet. Die am Montag formulierte iranische Eskalationsdrohung trifft somit auf einen Transportweg, dessen Funktionsfähigkeit schon zuvor beeinträchtigt war.

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Für Gold entstehen daraus zwei gegensätzliche Szenarien. Bleibt die militärische Drohkulisse bestehen, ohne die Energieversorgung nochmals schwer zu treffen, kann sie Absicherungsnachfrage erzeugen, während der schwächere Dollar und geringere Zinserhöhungserwartungen den Preis zusätzlich entlasten. Springen Rohöl und raffinierte Produkte dagegen erneut kräftig nach oben, gewinnt die Inflationsseite der Krise wieder Gewicht. Dann könnte geopolitische Verschärfung Gold kurzfristig sogar belasten, obwohl das Sicherheitsbedürfnis steigt.

Eine zusätzliche Besonderheit des Montags liegt in der Zinsstruktur. Die nachlassenden Erwartungen an einen kurzfristigen Fed-Schritt drückten den Dollar, während das lange Ende des US-Anleihemarktes keineswegs entsprechend freundlich reagierte. Reuters meldete für zehnjährige Treasuries eine Rendite um 4,70 Prozent; dreißigjährige US-Anleihen erreichten zeitweise etwa 5,29 Prozent und damit den höchsten Stand seit 2007. Fiskalische Sorgen und ein großes Angebot langlaufender Schuldtitel hielten die Renditen hoch. Gold kann sich deshalb derzeit nicht auf einen durchgehend fallenden Zinskomplex stützen.

 

Die Rückkehr institutioneller Käufer verändert die Belastbarkeit

 

Unterhalb der täglichen Reaktion auf Hormus zeigt sich zugleich eine robustere Nachfragebasis. Der World Gold Council meldete für Juli weltweite Nettozuflüsse von rund 3 Mrd. US-Dollar in physisch besicherte Gold-ETFs. Die Bestände stiegen um 23 Tonnen auf 4.068 Tonnen. Damit kehrten Investoren nach zwei Monaten mit Abflüssen wieder stärker in das Metall zurück.

Auch die offiziellen Käufer bleiben relevant. Nach den jüngsten Zentralbankdaten des World Gold Council führte Polen die Nettokäufe im ersten Halbjahr mit 82 Tonnen an, gefolgt von Usbekistan, China und Kasachstan. Solche Reserveentscheidungen reagieren langsamer auf einzelne militärische Meldungen als Futures-Positionen. Sie sorgen aber dafür, dass geopolitische Unsicherheit nicht ausschließlich über kurzfristige Spekulation in den Goldpreis gelangt.

Genau hier unterscheidet sich die aktuelle Lage von der ersten Kriegsphase. Damals zwang der Energie- und Liquiditätsschock selbst Akteure mit grundsätzlich positiver Goldsicht zum Rückzug. Inzwischen scheint ein Teil dieser Positionen wieder aufgebaut zu werden. Dass Gold trotz hoher langfristiger US-Renditen in Richtung 4.400 US-Dollar zurückgefunden hat, spricht dafür, dass die Nachfrage breiter geworden ist. Ein Beweis für eine dauerhaft wiederhergestellte Safe-Haven-Funktion ist dies noch nicht.

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Die politische Schwelle verläuft nun weniger zwischen Krieg und Frieden als zwischen kontrollierter Spannung und einem erneuten Energieversorgungsschock. Solange Hormus ein Risiko bleibt, aber Brent nicht zurück in die Extrembereiche der vergangenen Monate steigt, kann Gold die geopolitische Unsicherheit wieder eher als Unterstützung verarbeiten. Sollte Teherans angekündigte offensivere Haltung dagegen in umfangreiche Störungen der Schifffahrt übergehen, würden Sicherheit und Inflation erneut gegeneinander antreten. Genau diese Konkurrenz hatte Gold im Frühjahr ungewöhnlich verwundbar gemacht.

Stand: Montagabend, 17.08.2026, gegen 18:18 Uhr MESZ beziehungsweise während des laufenden US-Handels. Die genannten Spot- und Futureswerte beziehen sich auf unterschiedliche Zeitpunkte des heutigen Handels. Der US-Terminhandel war zum Zeitpunkt der Erstellung noch nicht abgeschlossen; ein endgültiger COMEX-Schlusskurs beziehungsweise ein offizielles Settlement des Dezember-Gold-Futures lag noch nicht vor.

 

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17.08.2026 - Jörg Möller

Unterschrift - Jörg Möller

 

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