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Gold sucht Halt zwischen Krisenprämie und Fed-Zweifel

Der Preis erholt sich nach dem Rücksetzer vom Vortag, doch feste US-Konjunkturdaten und die jüngsten Fed-Protokolle begrenzen die Entlastung

NTG24 - Gold sucht Halt zwischen Krisenprämie und Fed-Zweifel

 

Eine reine Fluchtbewegung war die Erholung am Donnerstag nicht. Zwar rückten neue Spannungen im Nahen Osten wieder stärker in den Markt, doch der gleichzeitige Blick auf robuste US-Arbeitsmarktdaten und eine uneinige, aber inflationssensible Federal Reserve verhinderte eine unbeschwerte Rückkehr der Käufer. Der Goldpreis stieg, blieb aber in einer politisch und geldpolitisch engen Spanne gefangen.

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Die Erholung bei  Gold (TVC:GOLD) kam damit aus zwei unterschiedlichen Richtungen. Einerseits wurde nach dem Rückgang auf ein Wochentief wieder Schutz gesucht, nachdem die Spannungen zwischen den USA und Iran erneut zunahmen. Andererseits war der Dollar am Donnerstag nicht mehr ganz so fest, was den Zugang für Käufer außerhalb des Dollarraums erleichterte.

Ganz gelöst wurde die Bremse dadurch nicht. Reuters meldete den Spotpreis um 11:35 Uhr New Yorker Zeit bei 4.126,49 US-Dollar je Feinunze, ein Plus von 1,2 Prozent. Der August-Gold-Future an der COMEX wurde in derselben Marktphase bei 4.137,20 US-Dollar genannt und lag 1,4 Prozent höher. Diese Werte beschreiben den laufenden Handel, nicht den endgültigen Schlusskurs.

 

Der Anstieg bleibt abhängig von der Zinslesart

 

Die wichtigste Gegenseite zur geopolitischen Nachfrage kam aus Washington. Die am Mittwoch veröffentlichten Protokolle zur Sitzung vom 16. und 17. Juni zeigen, dass die Federal Reserve zwar keine unmittelbare Entscheidung vorwegnimmt, aber höhere Inflation, Energiepreise, Zölle und AI-bezogene Investitionskosten ausdrücklich als Belastungsfaktoren diskutierte. Für Gold ist das heikel: Dieselben Risiken, die eine Sicherheitsprämie stützen können, halten zugleich die Erwartung höherer Realzinsen am Leben.

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Werbebanner EMH PM TradeAuch der Arbeitsmarkt lieferte den Käufern keinen klaren Zinssenkungsimpuls. Das US-Arbeitsministerium meldete für die Woche bis zum 4. Juli einen Rückgang der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe auf 215.000. Der von Reuters aufgegriffene Datensatz deutet damit eher auf einen stabilen als auf einen abrupt schwächeren Arbeitsmarkt hin. Für den Goldmarkt bedeutet das: Die Fed bekommt keinen unmittelbaren Grund, von ihrer Inflationsvorsicht abzurücken.

Die Londoner Referenz fügte sich in dieses vorsichtige Bild ein. In der von Westmetall veröffentlichten Fixing-Tabelle wurde für den 09. Juli ein Goldwert von 4.107,05 US-Dollar ausgewiesen, nach 4.055,40 US-Dollar am Vortag. Damit lag die Londoner Referenz unter dem späteren New Yorker Spotpreis, bestätigte aber dieselbe Tagesrichtung: Erholung ja, Befreiungsschlag nein.

 

 

 

4.100 US-Dollar werden zum Prüfbereich

 

Die Preisstruktur zeigt eine schmale, aber wichtige Differenz zwischen Stabilisierung und Trendwende. Kitco zeigte im New Yorker Spotmarkt einen Goldpreis von 4.125,30 US-Dollar, ein Plus von 50,60 US-Dollar beziehungsweise 1,24 Prozent. Damit bestätigte die zweite Kursquelle den Reuters-Wert aus der laufenden US-Sitzung nahezu punktgenau, ohne dass daraus bereits ein offizieller Tagesabschluss abgeleitet werden darf.

Technisch ist der Bereich oberhalb von 4.100 US-Dollar deshalb mehr als eine runde Marke. Er entscheidet kurzfristig darüber, ob der Rückschlag vom Mittwoch als überzogene Reaktion auf Zinsangst und Dollarstärke gelesen wird oder ob Verkäufer bei jeder Erholung wieder Material in den Markt geben. Solange sich Gold über dieser Zone hält, bleibt die Erholung arbeitsfähig. Ein erneuter Rutsch darunter würde dagegen die Frage öffnen, ob die jüngste Krisenprämie noch ausreicht, um die Fed-Bremse zu überdecken.

Der Markt handelt damit nicht gegen die geopolitische Unsicherheit, sondern gegen deren geldpolitische Nebenwirkung. Neue Spannungen im Nahen Osten können Gold als Sicherheitsanlage stützen. Steigen daraus aber Energiepreise und Inflationserwartungen, nimmt auch die Wahrscheinlichkeit zu, dass die Fed länger restriktiv bleibt oder sogar erneut strafft. Diese doppelte Wirkung erklärt, warum der Preisanstieg am Donnerstag kontrolliert blieb, obwohl die Nachrichtenlage eigentlich mehr Schutzbedarf nahelegte.

Für die kommenden Handelstage ist deshalb weniger der einzelne Schlagabtausch im Nahen Osten entscheidend als die Frage, ob er die Inflations- und Renditeerwartungen weiter verschiebt. Gold kann in einer solchen Lage steigen, wenn Absicherung dominiert. Es verliert aber an Leichtigkeit, sobald der Markt dieselben Risiken als Argument für höhere Zinsen übersetzt.

Stand: Donnerstagabend, 09.07.2026, europäische Abendphase. Der US-Terminhandel war zum Zeitpunkt der Erstellung noch nicht abgeschlossen; ein endgültiger COMEX-Schlusskurs beziehungsweise ein offizielles Settlement lag noch nicht vor.

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09.07.2026 - Jörg Möller

Unterschrift - Jörg Möller

 

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