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Palantir liefert Zahlen für die KI-Euphorie

Das zweite Quartal übertrifft selbst hohe Erwartungen – doch das extreme US-Wachstum macht zugleich sichtbar, wie abhängig die nächste Bewertungsstufe von Amerika geworden ist

NTG24 - Palantir liefert Zahlen für die KI-Euphorie

 

Bei Palantir ist inzwischen nicht mehr die Frage, ob künstliche Intelligenz tatsächlich Umsatz erzeugt. Das Unternehmen liefert genau den Wachstumsschub, den viele andere KI-Anbieter erst noch versprechen. Im zweiten Quartal beschleunigten sich Geschäft, Gewinn und Auftragstempo erneut deutlich. Damit verschiebt sich das Problem der Aktie: Operativ muss Palantir derzeit kaum gegen Zweifel kämpfen – an der Börse muss das Unternehmen vielmehr eine Bewertung rechtfertigen, die dauerhaft außergewöhnliche Ergebnisse verlangt.

Palantir Technologies (US69608A1088) erzielte im zweiten Quartal 2026 einen Umsatz von rund 1,94 Mrd. US-Dollar. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Wachstum von 93 %. Besonders bemerkenswert ist, dass die Beschleunigung nicht aus einem einzelnen Großauftrag stammt. Sowohl das Geschäft mit US-Unternehmen als auch der amerikanische Staatssektor expandierten massiv.

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Die Börse hat diese Entwicklung nach den Zahlen Anfang August entsprechend neu bewertet. Nach einem kräftigen Kursschub bewegte sich Palantir zuletzt wieder im hohen 170-Dollar-Bereich. Bei solchen Bewegungen sollte der einzelne Tageskurs nicht überinterpretiert werden. Entscheidender ist die Verschiebung der Erwartungen: Nach diesem Quartal bezahlt der Markt nicht mehr nur eine starke KI-Story, sondern die Aussicht auf eine außergewöhnlich lange Phase sehr hohen Wachstums.

 

Die Wachstumsraten wirken fast untypisch für einen Konzern dieser Größe

 

Das US-Geschäft ist inzwischen der Motor der gesamten Palantir-Erzählung. Der Umsatz mit amerikanischen Unternehmenskunden stieg im zweiten Quartal um 149 % auf 764 Mio. US-Dollar. Das Geschäft mit der US-Regierung legte um 90 % auf 809 Mio. US-Dollar zu. Insgesamt erreichte der US-Umsatz damit rund 1,57 Mrd. US-Dollar und wuchs gegenüber dem Vorjahr um 115 %.

Damit ist Palantir in einer ungewöhnlichen Situation. Viele Softwareunternehmen verlieren mit zunehmender Größe zwangsläufig Wachstumstempo. Palantir beschleunigt dagegen gerade auf einer deutlich höheren Umsatzbasis. Der aktuelle Quartalsbericht des Unternehmens zeigt deshalb vor allem eines: AIP entwickelt sich von einer viel diskutierten KI-Plattform zunehmend zu einem realen kommerziellen Vertriebsmotor.

Für Anleger ist das wichtiger als die reine KI-Bezeichnung. Software wird erst dann wirtschaftlich wertvoll, wenn Kunden sie nach Pilotprojekten tatsächlich breit einsetzen und zusätzliche Budgets freigeben. Genau diese Skalierung scheint Palantir in den USA momentan ungewöhnlich schnell zu erreichen.

Hinzu kommt die staatliche Nachfrage. Palantir sitzt mit seiner Software genau an der Schnittstelle aus Datenanalyse, künstlicher Intelligenz und Verteidigung. In einer Phase steigender US-Ausgaben für autonome Systeme, Aufklärung und softwaregestützte Kriegsführung bekommt dieser Teil des Geschäfts eine strategische Dimension, die klassische Unternehmenssoftware kaum besitzt.

 

Die Prognose wurde nicht kosmetisch, sondern deutlich angehoben

 

Nach dem starken Quartal hob das Management die Jahresprognose erneut an. Für 2026 erwartet Palantir nun einen Umsatz zwischen 8,150 Mrd. und 8,158 Mrd. US-Dollar. Zuvor hatte die Spanne lediglich bei 7,650 Mrd. bis 7,662 Mrd. US-Dollar gelegen. Für das US-Kommerzgeschäft werden inzwischen mehr als 3,424 Mrd. US-Dollar Umsatz erwartet.

Auch für das dritte Quartal setzt Palantir die Messlatte hoch. Der Konzern stellt 2,160 Mrd. bis 2,164 Mrd. US-Dollar Umsatz in Aussicht. Die Prognose lag zum Zeitpunkt der Veröffentlichung deutlich über den damaligen Analystenerwartungen. Reuters berichtete entsprechend von einer erneut erheblichen Prognoseanhebung und einer starken Reaktion der Aktie nachbörslich. Der Blick auf die Erwartungen nach den Q2-Zahlen zeigt, wie weit Palantir derzeit vor dem ursprünglichen Wachstumspfad läuft.

Das unterscheidet die Aktie von vielen KI-Werten. Hier wird nicht nur auf einen künftigen Markt gewettet. Die Umsatzschätzungen müssen bereits während des laufenden Jahres nach oben korrigiert werden.

 

Amerikas Stärke ist zugleich Palantirs neue Schwachstelle

 

Gerade die spektakulären US-Zahlen zeigen allerdings auch eine zunehmende Konzentration. Der amerikanische Markt wächst erheblich schneller als das internationale Geschäft. Das ist kurzfristig äußerst profitabel, langfristig aber nicht völlig unproblematisch.

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In Europa treffen US-Datenplattformen auf wachsende Debatten über digitale Souveränität, Datenschutz und strategische Abhängigkeiten. Frankreichs Inlandsgeheimdienst will Palantir-Software durch eine Lösung des heimischen Anbieters ChapsVision ersetzen. Auch in Großbritannien gibt es politische und rechtliche Diskussionen um einzelne Aufträge.

Damit entsteht ein ungewöhnliches Profil: Palantir wird in den USA immer stärker, während Teile Europas versuchen, kritische Dateninfrastruktur stärker unter eigene Kontrolle zu bringen. Die enorme amerikanische Nachfrage kann diesen Gegenwind derzeit mehr als kompensieren. Für eine langfristig globale Plattform wäre eine immer stärkere geografische Konzentration dennoch nicht ideal.

 

 

 

Die Bewertung braucht weiterhin perfekte Quartale

 

Genau hier liegt die Schwierigkeit der Aktie. Palantir liefert derzeit operative Kennzahlen, die eine hohe Bewertung grundsätzlich erklären können. Sie machen sie aber nicht automatisch ungefährlich. Nach dem starken Kursanstieg wird jede künftige Wachstumsverlangsamung besonders aufmerksam verfolgt.

Das gilt umso mehr, weil die Erwartungen längst weit über normales Softwarewachstum hinausgehen. Ein Unternehmen, das mit fast verdoppeltem Umsatz überrascht, kann eine sehr hohe Bewertung länger tragen. Sobald sich Wachstumsraten normalisieren, verändert sich die Rechnung jedoch schnell. Palantir muss deshalb nicht einfach gute Zahlen liefern. Der Konzern muss den Abstand zu den Erwartungen immer wieder neu herstellen.

Genau darin liegt das Paradox des aktuellen Quartals: Die Zahlen reduzieren die Zweifel am Unternehmen, aber sie erhöhen gleichzeitig die Ansprüche an die Aktie.

 

Palantir ist inzwischen mehr Geschäft als Versprechen

 

Die stärkste Veränderung bei Palantir findet deshalb nicht im Produktnamen AIP statt, sondern in der Qualität der Börsengeschichte. Vor einigen Jahren mussten Anleger noch darauf vertrauen, dass aus großen Datenplattformen irgendwann ein breites und profitables kommerzielles Geschäft entsteht. Heute wächst dieses Geschäft in den USA dreistellig, während gleichzeitig das Verteidigungsgeschäft beschleunigt.

Damit hat Palantir einen Teil seiner früheren Beweislast abgearbeitet. Offen bleibt eine andere Frage: Wie lange kann ein Unternehmen dieser Größe annähernd solche Wachstumsraten halten? Solange Umsatz, Aufträge und Prognosen schneller steigen als die Erwartungen, besitzt die Aktie starken fundamentalen Rückenwind. Der Spielraum für gewöhnliche Quartale ist nach der jüngsten Neubewertung allerdings sehr klein geworden.

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25.08.2026 - Christian Teitscheid

Unterschrift - Christian Teitscheid

 

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