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Palladium findet zwischen Ölrisiko und Überschussangst keinen Halt

Der Spotpreis stabilisiert sich nach dem kräftigen Rückgang, doch der Terminmarkt bleibt schwach – teure Energie stützt Verbrennertechnologie nicht automatisch, während das erwartete Metallangebot zunimmt

NTG24 - Palladium findet zwischen Ölrisiko und Überschussangst keinen Halt

KI-generiertes Symbolbild. Marken dienen der redaktionellen Einordnung.

 

Ausgerechnet eine Eskalation im Nahen Osten legt am Palladiummarkt den fundamentalen Widerspruch offen. Höhere Ölpreise können den Übergang zu reinen Elektrofahrzeugen bremsen und damit Verbrenner sowie Hybridmodelle länger im Bestand halten. Gleichzeitig verschärft der Energieschock die Inflationsrisiken, stärkt den Dollar und erhöht die Finanzierungskosten. Am Freitag überwog zunächst die zweite Wirkung.

Nach dem deutlichen Rückschlag vom Donnerstag hielt sich Palladium (TVC:PALLADIUM) im Spotmarkt am europäischen Abend nahe 1.250 US-Dollar je Feinunze. Eine belastbare Erholung entstand daraus nicht. Stattdessen blieb der Preis zwischen kurzfristiger Angebotssensibilität und der Erwartung eines strukturell entspannteren Marktes eingeklemmt.

Die geringe Veränderung im Spotpreis verdeckte dabei die Schwäche des Wochenverlaufs. Reuters ermittelte Palladium am Freitag um 11:50 Uhr New Yorker Zeit bei 1.249,81 US-Dollar je Feinunze und damit nahezu unverändert gegenüber dem Vortag. Für die gesamte Woche zeichnete sich jedoch ein Verlust ab. Bereits am Donnerstag war die Notierung im Zuge steigender Ölpreise, höherer Inflationserwartungen und festerer Renditen um 4,1 Prozent gefallen.

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Der September-Future zeigte während des US-Handels ein nervöseres Bild. Die Notierung bewegte sich am Abend um 1.255 US-Dollar je Feinunze, nachdem sie zwischen 1.224,75 und 1.264,50 US-Dollar gehandelt worden war. Der vorherige Referenzwert lag bei 1.272,30 US-Dollar. Der über die CME Group gehandelte Standardkontrakt umfasst 100 Feinunzen; bereits eine Bewegung von zehn US-Dollar verändert seinen Nominalwert damit um 1.000 US-Dollar.

Spotpreis und Future lagen zwar in einer ähnlichen Größenordnung, bilden aber unterschiedliche Marktsegmente und Vergleichszeitpunkte ab. Aus der Future-Spanne lässt sich deshalb weder ein identischer Preisabschlag im physischen Handel noch ein offizielles Settlement ableiten.

 

Teures Öl liefert kein eindeutiges Signal für Katalysatormetalle

 

Brent-Rohöl verteuerte sich nach den erneuten Angriffen der USA und Irans im Wochenverlauf um mehr als 14 Prozent. Für Palladium entsteht daraus keine einfache Wirkungsrichtung. Hohe Kraftstoffkosten können die Nachfrage nach großen Benzinfahrzeugen belasten. Zugleich erschweren sie den raschen Austausch vorhandener Fahrzeuge und erhöhen in einigen Märkten die Attraktivität von Hybridmodellen, die weiterhin Abgaskatalysatoren benötigen.

Der Markt handelte am Freitag jedoch weniger diese langfristige Fahrzeugrechnung als deren geldpolitische Nebenwirkung. Der Dollar stieg laut Reuters den zweiten Tag in Folge. Gleichzeitig lag die am Terminmarkt abgeleitete Wahrscheinlichkeit einer weiteren US-Zinserhöhung im September bei rund 53 Prozent. Ein stärkerer Dollar verteuert Palladium für Käufer außerhalb des US-Währungsraums, während höhere Zinsen das Halten unverzinster Rohstoffpositionen weniger attraktiv machen.

Auch die jüngsten US-Daten beseitigten das Inflationsproblem nicht vollständig. Die Importpreise erhöhten sich im Juni unerwartet um 0,3 Prozent. Zwar gab die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen am Freitag zeitweise in Richtung 4,54 Prozent nach, doch der kräftige Ölpreisanstieg hält die Sorge wach, dass die zuvor günstigeren Verbraucher- und Erzeugerpreisdaten nicht dauerhaft in niedrigere Teuerungsraten münden.

 

 

 

Die Angebotsgeschichte hat ihre Richtung gewechselt

 

Der Bereich um 1.225 bis 1.250 US-Dollar zieht zwar weiterhin Käufer an. Er erhält aber weniger Unterstützung durch die frühere Erzählung einer dauerhaft unzureichenden Versorgung. Nach Einschätzung von UBS könnte der Palladiummarkt 2026 erstmals nach 14 aufeinanderfolgenden Defizitjahren in einen Überschuss wechseln. Die Bank senkte deshalb ihre Preisprognose über mehrere Zeithorizonte von 1.600 auf 1.400 US-Dollar je Feinunze.

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Der Übergang ist allerdings nicht abgeschlossen. Nach Daten des Katalysatorherstellers Johnson Matthey fehlten dem Markt 2025 noch rund 416.000 Unzen. Die Minenförderung blieb begrenzt, während die Nachfrage aus Abgaskatalysatoren gegenüber dem Vorjahr lediglich um 1,2 Prozent sank. Das erklärt, weshalb Palladium trotz des langfristigen Drucks durch Elektromobilität nicht geradlinig fällt.

Für 2026 verändert sich die Zusammensetzung. Schwächere Investmentnachfrage, rückläufige ETF-Bestände und mehr Recyclingmaterial treffen auf eine sinkende Zahl neu produzierter Fahrzeuge mit reinem Verbrennungsmotor. Ein chinesisches Programm zum Austausch älterer Autos könnte zusätzlich mehr palladiumhaltige Katalysatoren in den Recyclingkreislauf bringen. Der Markt muss damit nicht nur eine Nachfrageabschwächung, sondern zugleich ein beweglicheres Sekundärangebot verarbeiten.

 

Die Stabilisierung bleibt unterhalb von 1.275 US-Dollar unvollständig

 

Technisch hinterließ die Handelsspanne zwei klar voneinander getrennte Bereiche. Das Tagestief des Futures knapp unter 1.225 US-Dollar zeigte, wo nach dem Donnerstagseinbruch erste Gegenpositionen aufgebaut wurden. Oberhalb von 1.260 US-Dollar ließ das Kaufinteresse dagegen rasch nach. Solange der Markt den Bereich um 1.270 bis 1.275 US-Dollar nicht zurückerobert, ist die Bewegung eher als Stabilisierung innerhalb einer Abwärtswoche denn als neuer Aufwärtsimpuls zu bewerten.

Ein erneuter Fall unter 1.225 US-Dollar würde den Blick auf die runde Marke von 1.200 US-Dollar lenken. Dort verliefen bereits im Juni mehrere intensive Auseinandersetzungen zwischen Käufern und Verkäufern. Eine sichere Unterstützung lässt sich daraus nicht ableiten, denn Palladium reagiert wegen der vergleichsweise geringen Marktliquidität häufig mit überproportionalen Ausschlägen.

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Der Freitag lieferte somit keinen zweiten Ausverkauf, aber auch keine Entwarnung. Die geopolitische Lage hält das russisch dominierte Primärangebot grundsätzlich verwundbar. Im Preis setzte sich dennoch die Erwartung durch, dass mehr Recycling und eine nachlassende Autokatalysatornachfrage einen möglichen Lieferausfall zunehmend abfedern könnten. Palladium besitzt weiterhin eine Angebotsprämie – sie wird vom Markt jedoch nicht mehr als selbstverständlich behandelt.

Stand: Freitagabend, 17.07.2026, europäische Abendphase gegen 18:50 Uhr MESZ. Der US-Terminhandel war zum Zeitpunkt der Erstellung noch nicht abgeschlossen; ein endgültiger NYMEX-/COMEX-Schlusskurs beziehungsweise ein offizielles Settlement des September-Palladium-Futures lag noch nicht vor.

 

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17.07.2026 - Jörg Möller

Unterschrift - Jörg Möller

 

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