Die Absatzzahlen von Porsche in China brechen weiter ein und auch anderswo gibt es derzeit keine erfreulichen Neuigkeiten
Der Schrumpfkurs bei der Porsche AG setzt sich fort
Inmitten der wahrscheinlich größten Krise von Volkswagen meldet auch die Tochter Porsche AG zum Teil dramatisch niedrigere Auslieferungszahlen. Schon in den letzten beiden Jahren waren die Absätze rückläufig und fielen auf den niedrigsten Stand seit der Corona-Pandemie. Eine Verbesserung lässt sich aktuell leider nicht erkennen.
Besonders dramatisch fielen die Rückgänge für die Porsche AG (DE000PAG9113) abermals in China aus. Dort verkaufte das Unternehmen nach eigenen Angaben im ersten Halbjahr noch 14.500 Fahrzeuge. Das sind 32 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Als Grund dafür nannte der Konzern ein „herausforderndes Marktumfeld“ und einen Fokus auf einen wertorientierten Absatz. Letzteres dürfte meinen, dass Porsche bei den extremen Preiskämpfen in der Volksrepublik nicht mitmachen möchte.
Anderswo lief es für Porsche nur unwesentlich besser. In Nordamerika gingen die Absatzzahlen um 13 Prozent auf noch 37.700 Fahrzeuge zurück. In Deutschland wurde ein Minus von sechs Prozent festgestellt und im Rest von Europa fielen die Absätze um 14 Prozent. Auch in Südkorea, Japan, Australien, Afrika und Lateinamerika verzeichnete der Sportwagenbauer rückläufige Umsätze.
Porsche AG: Ungünstige Bedingungen
Weltweit meldete Porsche für Januar bis Juni 122.300 verkaufte Fahrzeuge und damit 16 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Dafür macht das Management unter anderem weggefallene Steuervergünstigungen für Elektro- und Hybridfahrzeuge verantwortlich. Wie hoch der Anteil elektrischer Fahrzeuge an den Absätzen war, wird allerdings nicht länger aufgeschlüsselt. Als ein Faktor für die Rückgänge wird indes auch die hohe Nachfrage nach dem elektrischen Macan aus dem Vorjahr genannt sowie das aufgrund von Cybersicherheitsregeln umgesetzte Produktionsende von Cayman und Boxster.
Vertriebsvorstand Matthias Becker zeigte sich trotz allem zufrieden mit den Absätzen. Porsche lag wohl innerhalb der eigenen Erwartungen, wenn auch deutlich unter den Zahlen aus dem Vorjahr. Mehr Dynamik erhofft sich Becker vom Cayenne Electric, welcher erst seit Kurzem an Kunden ausgeliefert wird und wohl schon auf eine positive Resonanz trifft. Genaue Zahlen dazu wurden allerdings nicht genannt. Auch zu den Erwartungen für das Gesamtjahr äußerte sich Porsche nicht weiter.
Unter den einzelnen Modellen war der Cayenne das meistgefragte Modell, trotz eines Rückgangs um neun Prozent auf rund 38.100 Einheiten. Bei Boxster und Cayman brachen die Verkäufe erwartungsgemäß um über 70 Prozent ein. Tycan und Macan verzeichneten ein Minus von jeweils über 20 Prozent und der Panamera brachte es noch auf 9.300 verkaufte Einheiten, was einem Minus von 38 Prozent entspricht. Lediglich der 911 konnte um 19 Prozent auf 30.500 verkaufte Einheiten zulegen, was die Gesamtabsätze jedoch auch nicht retten kann.
Kein Comeback in Sicht
Die weiteren Aussichten für Porsche bleiben aktuell eher trüb. Denn gerade für China sehen Experten derzeit keine schnelle Rückkehr zu alten Verhältnissen, als der Markt Porsche und anderen europäischen Herstellern noch als Wachstumsmotor diente. Wahrscheinlich wird das Unternehmen sich damit anfreunden müssen, dass die goldenen Zeiten nie mehr zurückkehren. Dementsprechend braucht es eine Anpassung der Strategie, welche aktuell auch schrittweise umgesetzt wird.
Die Anleger haben sich an die ungünstigen Bedingungen bereits gewöhnt und ihre Erwartungshaltung entsprechend angepasst. Mit Wundern hat an der Börse niemand mehr gerechnet. Die gemeldeten Absatzzahlen waren daher zwar noch eine Enttäuschung, aber kein echter Schock mehr. Die Aktie der Porsche AG reagierte zeitweise mit Verlusten von etwa zwei Prozent, konnte sich davon bis Handelsschluss aber wieder erholen und mit 46,43 Euro aus dem Handel gehen. Im Chart bleibt es damit, allen unerfreulichen Entwicklungen zum Trotz, bei einer noch eben so positiven Kurve. Das spricht dafür, dass die Anteilseigner durchaus Vertrauen in die weiteren Pläne des Managements haben.
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10.07.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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