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Russische Notenbank erhöht erneut die Zinsen

Russische Geldpolitik reagiert auf steigende Inflation

NTG24 - Russische Notenbank erhöht erneut die Zinsen

 

Die russische Zentralbank hat in der vergangenen Woche zum vierten Mal in diesem Jahr die Leitzinsen erhöht. Diese liegen nun bei 6,5 % und damit dort, wohin im Juni 2021 auch die annualisierte Inflationsrate gestiegen ist. Der russische Rubel konnte davon allerdings bislang kaum profitieren.

Zum vierten Mal in diesem Jahr hat die russische Zentralbank die Leitzinsen erhöht. Am 23.07.2021 wurde der Leitzins um 100 Basispunkte auf 6,5 % erhöht, nachdem dieser Ende Dezember 2020 noch bei 4,25 % gelegen hatte.

Notenbank-Chefin Elvira Nabiullina verwies als Begründung neben einer besser als erwartet laufenden Konjunktur vor allem auf eine schneller als erwartet steigende Inflationsrate. Diese betrug im Juni 2021 annualisiert 6,5 %.

Die Zentralbank erhöhte nun parallel zur Zinsentscheidung die Inflationsprognose für das laufende Jahr um einen Prozentpunkt auf 5,7 % - 6,2 %. Im Jahr 2022 wird dann ein Rückgang der Inflation auf 4,0 % - 4,5 % erwartet. Die Zielgröße der Notenbank im Rahmen des ,,Inflation Targeting‘‘ beträgt weiterhin 4,0 %.

Nabiullina sieht in einer Verfestigung hoher Inflationserwartungen das größte Risiko für die russische Geldpolitik.

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Werbebanner ClaudemusDaneben sieht sie in einer möglichen schnelleren Normalisierung der Geldpolitik in den entwickelten Staaten ein Risiko für die Emerging Markts. Dies findet bei einem Blick auf die Entwicklung des russischen Rubels gegen den US-Dollar eine empirische Basis. Allerdings sind in der Rückschau, wie Chart 1 zeigt, neben ökonomischen Schocks auf die Wechselkursentwicklung in den vergangenen 25 Jahren ebenso politische Faktoren Auslöser von Abwertungsschüben des russischen Rubels gewesen.

 

 

Charttechnisch hat sich, wie Chart 2 zeigt, auf Monatscandle-Basis die Struktur des Wechselkurses des russischen Rubels gegen den US-Dollar mit dem deutlichen Abwertungsschub im März 2020 eingetrübt. Mehrfach schloss der Rubel über dem bis dahin höchsten Monatsschlusskurs vom Februar 2016.

 

 

Er befindet sich nun in einer breiten Handelsspanne (rote Horizontalen), und auch noch über seinem seit 2015 laufenden Abwertungstrend (blaue Aufwärtstrend-Linie). Letztere verengt dabei zunehmend die Handelsspanne und dürfte mittelfristig eine Entscheidung herausfordern, ob der Rubel ein neues Allzeittief gegen den US-Dollar markiert oder es aber zu einer Trendumkehr kommt.

 

Und was ist das Fazit?

 

Mit der jüngsten Zinserhöhung um 100 Basispunkte auf 6,5 % reagiert die russische Zentralbank auf einen deutlichen Anstieg der Inflationsrate. Dabei will sie gegen die Verankerung der Inflationserwartungen auf höherem Niveau ankämpfen, was vor dem historischen Hintergrund eines geringen Vertrauens in die Geldwertstabilität des russischen Rubels sehr plausibel ist. Ob der russische Rubel allerdings dadurch ausreichend vor neuen Turbulenzen geschützt ist, muss sich erst noch erweisen. Denn auf politische Maßnahmen Russlands, die zu einem Wiedererstarken der Kapitalflucht aus dem Rubel führen, könnte die Zentralbank nur mit Kapitalverkehrskontrollen vorgehen. Dies aber wäre kaum ein geeignetes Mittel, den realen relativen Wert des Rubels zu ermitteln. Denn mit relativ vertrauenswürdigeren Währungen als faktische Zweitwährung hat Russland bereits ausreichende Erfahrungen gemacht!

 

26.07.2021 - Arndt Kümpel - ak@ntg24.de

 






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