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Sezzle: Wachstum verlangsamt sich, Marge bleibt Weltklasse

Kann Sezzle skalieren ohne Margenerosion?

NTG24 - Sezzle: Wachstum verlangsamt sich, Marge bleibt Weltklasse

 

Sezzle legte Anfang Mai den Quartalsbericht zum abgeschlossenen 1. Fiskalquartal 2026 vor und hob die Jahresprognose zum dritten Mal in Folge an. Die Zahlen bestätigen, was ich im September 2025 als Einstiegsthese formuliert hatte: Sezzle ist hochprofitabel. 

Die Nettomarge stieg sequenziell auf 37,9 %, verglichen mit 34,5 % im Vorjahresquartal - ein Niveau, das kein direkter Wettbewerber erreicht. Doch die Wachstumsraten, die ich im letzten Jahr als Begründung für den spekulativen Einstieg bei Sezzle (US78435P1057) nannte, sind deutlich gefallen. Das 1. Fiskalquartal zeigte ein Umsatzwachstum von 29,2 % und ein Bruttowarenumsatzwachstum von 37,3 %. Das ist immer noch robust, aber es ist kein Hyperwachstum mehr. Die zentrale Frage lautet daher: Kann Sezzle die Margenstärke in die Skalierung überführen, ohne dass die Profitabilität kollabiert - oder bleibt das Unternehmen ein hochprofitabler Nischenanbieter ohne Weg in die erste Liga?

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Sezzle erreichte im 1. Quartal ein Bruttowarenumsatz (GMV) von 1,1 Mrd. US-Dollar. Das entspricht etwa einem Zehntel dessen, was Affirm (US00827B1061) pro Quartal umsetzt. Affirm kam im 3. Fiskalquartal 2026 auf ein GMV von rund 11,6 Mrd. US-Dollar - bei einer Nettomarge, die regelmässig negativ oder bestenfalls im niedrigen einstelligen Prozentbereich liegt. Klarna, der europäische Platzhirsch, erreichte 2025 ein GMV von 128 Mrd. US-Dollar auf Jahresbasis, kämpft aber ebenfalls mit negativen Margen. PayPal (US70450Y1038) integrierte Pay in 4 direkt in die eigene Plattform und erreicht damit Volumina, die Sezzle um Grössenordnungen übersteigen.

 

Das Geschäftsmodell funktioniert - auf kleiner Basis

 

Der Unterschied zwischen Sezzle und den grossen Playern liegt nicht im Geschäftsmodell, sondern in der Kapitalallokation. Sezzle verzichtet auf aggressive Nutzerakquisition über Cashback-Programme und Marketingoffensiven. Stattdessen setzt das Unternehmen auf ein Abonnement-Modell: Nutzer zahlen eine monatliche Gebühr, um Zugang zu Pay Later und Pay Monthly zu erhalten. Diese Nutzer kaufen häufiger — im Schnitt 7,1 Mal pro Quartal, ein neuer Unternehmensrekord - und tragen überproportional zum Bruttowarenumsatz bei.

 

Sezzle Inc.

 

Das funktioniert, solange die Nutzer loyal bleiben. Doch genau hier liegt das Risiko. Die aktive Nutzerbasis wuchs im Jahresvergleich um 48 %, während die Zahl der monatlichen On-Demand-Nutzer sequenziell fiel. Das Unternehmen erklärt das mit Saisonalität nach dem Weihnachtsgeschäft. Doch es deutet auch darauf hin, dass die Wachstumsrate der Abonnenten irgendwann an eine natürliche Grenze stösst.

Drei Faktoren sind erkennbar. Erstens: die Kauffrequenz. Sezzle schafft es, bestehende Nutzer zu höherer Nutzung zu bewegen. Das ist ein echter Wettbewerbsvorteil, denn es senkt die Kundenakquisitionskosten pro GMV-Dollar. Zweitens: die Produktexpansion. Sezzle führte Pay-in-5, Earn Tab, Agentic Commerce und Long-term Lending ein. Diese Features erweitern das Geschäftsmodell über den reinen Checkout hinaus und binden Nutzer stärker ans Ökosystem. Drittens: die Kreditqualität. Die Rückstellungen für faule Kredite fielen auf 1,2 % des GMV, verglichen mit 1,6 % im Vorjahr. Das ist der niedrigste Wert in der Unternehmensgeschichte und ein klares Zeichen, dass das Risiko-Management funktioniert.

 

Was treibt das Wachstum?

 

Doch alle drei Treiber haben Grenzen. Die Kauffrequenz kann nicht linear steigen. Die Produktexpansion erfordert Investitionen, die die Marge drücken - die Marketingausgaben verdoppelten sich im Jahresvergleich. Und die Kreditqualität ist stark konjunkturabhängig. Sobald die US-Konsumausgaben unter Druck geraten, steigen die Ausfallraten. Der aktuelle makroökonomische Kontext ist freundlich, aber die Risiken hat das Management explizit benannt: Regulierung, Wettbewerb, Kapitalzugang.

Sezzle ist profitabler als Affirm, Klarna und PayPal im BNPL-Segment. Doch die grossen Player haben Zugang zu Kapital, Netzwerkeffekten und Skalenvorteilen, die Sezzle fehlen. Affirm integriert sich in Amazon und Shopify, Klarna dominiert Europa, PayPal hat mehr als 400 Millionen aktive Nutzer weltweit. Sezzle hat keinen dieser Hebel. Das Unternehmen bleibt ein Nischenanbieter mit Fokus auf den US- und kanadischen Markt.

Die Jahresprognose wurde auf einen „bereinigten“ Gewinn von 180 Mio. US-Dollar angehoben, was einem „bereinigten“ Gewinn je Aktie von 5,10 US-Dollar entspricht. Bei einem aktuellen Kurs von rund 150 US-Dollar entspricht das einem Forward-KGV von knapp 30. Das ist nicht mehr günstig, selbst für einen Wachstumstitel.

Eine konkrete Empfehlung zu dieser Analyse ist den Lesern des Zürcher Finanzbriefes vorbehalten. Den Zürcher Finanzbrief und die zugehörigen Empfehlungen können Sie im Rahmen eines kostenlosen Probe-Abonnements ausgiebig testen.

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24.06.2026 - Mikey Fritz

Unterschrift - Mikey Fritz

 

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