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Ist Vietnam wirklich ein Währungs-Manipulator?

Der vietnamesische Dong und die USA

NTG24 - Ist Vietnam wirklich ein Währungs-Manipulator?

 

Die jüngsten Ergebnisse der Gespräche zwischen Vietnam und den USA in Bezug auf die Währungspolitik verdeutlichen nicht nur eine höhere Transparenz und eine flexiblere Haltung Vietnams bei seinem Währungsregime, sondern auch die wachsende strategische Bedeutung Vietnams in Asien, insbesondere im strategischen Konflikt zwischen den China und den USA.

Es klang nach Einigkeit, als das US-Finanzministerium und die vietnamesische Zentralbank in einer gemeinsamen Stellungnahme am 19.07.2021 die Ergebnisse ihres virtuellen Meetings mitteilten.

Darin betonte man zunächst die gemeinsamen Ziele, die in der Aufrechterhaltung der Stärke, Stabilität, Entwicklung und Widerstandsfähigkeit der jeweils anderen Wirtschafts- und Finanzsysteme liegen. Man habe sich schließlich auf ein gemeinsames Vorgehen geeinigt, um die US-amerikanische Besorgnis auszuräumen, dass Vietnam seine Währung manipuliert.

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Werbebanner ClaudemusDie US-Finanzministerin Janet Yellen begrüßte das „gegenseitige Verständnis“ und betonte, dass die vereinbarten Reformen die Bedenken des US-Finanzministeriums ausräumen würden. Der Gouverneur der vietnamesischen Zentralbank (SBV) Nguyen Thi Hong sagte dagegen, die vietnamesische Staatsbank werde „die Wechselkurspolitik weiterhin innerhalb ihres allgemeinen geldpolitischen Rahmens verwalten, um das ordnungsgemäße Funktionieren der Geld- und Devisenmärkte zu gewährleisten, die makroökonomische Stabilität zu fördern und zu kontrollieren.‘‘

SBV-Gouverneur Hong unterstich in der gemeinsamen Erklärung, dass der Fokus des geldpolitischen Rahmenwerks die Förderung makroökonomischer Stabilität und die Inflationskontrolle sei. Dabei bestätige Vietnam, dass es gemäß den Regeln der Vereinbarung des Landes mit dem Internationalen Währungsfonds von einer Manipulation seiner Währung absehen wird, damit die eine ausgeglichene Zahlungsbilanz einstellen könne und keine unfairen Wettbewerbsvorteile aus einer künstlich unterbewerteten vietnamesischen Währung entstehen.

Um dieses Ziel zu erreichen, will die SBV sowohl die Transparenz der Geldpolitik weiter erhöhen als auch die Wechselkurs-Flexibilität in Zukunft erhöhen, damit der Wechselkurs des vietnamesischen Dong die realen ökonomischen Fundamentaldaten Vietnams widerspiegeln kann.

Man kann diese Stellungnahme auch als „gesichtswahrende Geste“ bewerten, denn die Aufgabe für die USA war nicht nur, eine Manipulation des vietnamesischen Dong zu verhindern. Dies hatte die vorherige US-Administration deutlich stärker betont. So warf noch im Dezember 2020 die US-Regierung Vietnam (und der Schweiz) vor, im Sinne des ,,Trade Facilitation and Trade Enforcement Act of 2015‘‘ Währungsmanipulator zu sein. Die US-Regierung unter Präsident Trump hatte dies zum Anlass genommen, mit Vergeltungszölle zu drohen.

Die neue US-Regierung hatte aber im April 2021 diese Einstufung aufgehoben, nachdem beide Seiten bilaterale Gespräche aufgenommen hatten. Seither hat der Dong gegen den US-Dollar eine leichte Aufwertungstendenz gezeigt.

 

 

Der Druck dürfte aber aus handelstechnischer Sicht anhalten. Denn in den ersten fünf Monaten des Jahres 2021 haben die USA ein Handelsdefizit von 34,9 Mrd. US-Dollar mit Vietnam aufgebaut.

Das Muster, zu Beginn einer sich beschleunigenden Wirtschaftsentwicklung Handelsbilanzdefizite aufzubauen, ist dabei keine Spezialität Vietnams, sondern gilt für große Teile der außenwirtschaftlichen Entwicklungsmuster von Emerging Markets. Verstärkt wird diese Entwicklung als ,,Werkbank‘‘ des globalisierten Handels durch die Neustrukturierung internationaler Wertschöpfungsketten im Lichte der neuen chinesischen Außenpolitik. Dies erhöht die strategische Bedeutung Vietnams nicht nur aus Sicht chinesischer Unternehmen zusätzlich.

Den größten Anteil der vietnamesischen Importe in die USA haben Mobiltelefone, Möbel und Textilien.

 

Und was ist das Fazit?

 

Die jüngste formale Einigung zwischen den USA und Vietnam ist ein vorläufiger Abschluss einer Phase ,,strategischer Ungeduld‘‘ der USA mit Vietnam, in der die strategischen Implikationen des Konfliktes der USA mit China noch nicht hinreichend eingebaut waren. Die Strategie Vietnams, seine Währung unterbewertet zu halten und sich dadurch preisliche Wettbewerbsvorteile im internationalen Handel zu generieren, ist nicht neu. Im Lichte der wachsenden strategischen Bedeutung Vietnams für die USA ist eher eine konziliantere Haltung in Zukunft zu erwarten, die allerdings von einer höheren Transparenz in der Geldpolitik und einem flexibleren Wechselkursregime von Seiten Vietnams begleitet werden dürfte.

 

27.07.2021 - Arndt Kümpel - ak@ntg24.de

 






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