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Marktbericht Silber: Ruhe vor dem Sturm? The trend is your friend!

Die Handelswoche in Silber vom 18.05. - 22.05.2026

NTG24 - Marktbericht Silber: Ruhe vor dem Sturm? The trend is your friend!

 

Wie auch bei Gold zeigte sich Silber in der abgelaufenen Handelswoche für seine Verhältnisse extrem schwankungsarm. Dem hektischen Tauziehen um den Iran folgte der Ölpreis und gab, getrieben von Hoffnungen auf eine friedliche Lösung des Konfliktes, im Wochenvergleich nach, während der US-Dollar gegen den Euro zulegen konnte. Der stärkere Dollar drückte dabei nicht nur auf den Ölpreis, sondern auch auf die Edelmetalle. Silber nutzte diese Hoffnungsphase, um sich charttechnisch weiter zu stabilisieren. Gleichwohl bleibt die Ausgangslage gerade am physischen Markt weiter explosiv.

Dass Silber (TVC:SILBER) das konjunktursensibelste Edelmetall ist konnte man in der abgelaufenen Handelswoche nicht an seiner Kursentwicklung ablesen. Im Wochenvergleich gab Silber von 76 USD auf 75,52 USD und damit um 0,6 % nach. Und auch im Wochenverlauf zeigte das sonst so volatile Edelmetall kaum größere Kursbewegungen.

Selbst der enorme Anstieg der weltweiten Anleiherenditen machte dem weißen Edelmetall diesmal wenig aus. Gleichwohl gab es neben steigenden Renditen und der Hoffnung auf wieder fallende Ölpreise weiter bedeutende Entwicklungen im Silbermarkt.

Das Beruhigende für Silberinvestoren an dieser Situation ist, dass sie eines der stärksten charttechnischen Kaufsignale der letzten 50 Jahre im Rücken haben. Denn genau dies hat Silber im vergangenen Herbst generiert. Wer also unter den aktuellen investierten Kapitalmarktteilnehmern der Charttechnik einen analytischen Wert zuschreibt, der kann die weitere Entwicklung inklusive aller Chartluftlöcher mit einer gewissen Tiefenentspannung betrachten.

Denn zunächst einmal drückt der Preisschock am Ölmarkt auch bei Silber immer tiefer in die Lieferkette. Bei einigen Silberminen-Unternehmen haben sich die diesbezüglichen AISC (Diesel, Frachtkosten, LNG, Sprengmittel, Zyanid) praktisch verdoppelt. Sollte die aktuelle Situation mittelfristig Bestand haben, wird der Kostendruck auch beim Verkaufspreis sichtbar werden.

Aber auch relativ bleibt Silber gerade im Vergleich zu Gold attraktiv. Das Gold-Silber-Ratio liegt zum Schlusskurs vom Freitag bei 59,7 und damit immer noch deutlich über seinem langjährigen Durchschnitt. Berücksichtigt man den Umstand, dass Silber in der Schlussphase einer langfristigen Aufwärtsbewegung deutlich schneller steigt als Gold und diese noch nicht erreicht ist, so dürfte das aktuelle Preisniveau noch attraktiver sein. Denn die seit vergangenem Herbst ausgegebenen Kursziele zwischen 200 USD und 500 USD erscheinen aus dieser Perspektive eben nicht mehr so weit hergeholt.

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Das Silber-Problem Chinas

 

Apropos herholen: Dass China seit Januar 2026 seine Ausfuhrbestimmungen für Silber drastisch verschärft hat zeigt, dass China eine hohe Präferenz für das ,,Herholen‘‘ von Silber hat. Der Anreiz dafür ist da. Denn China verfügt zwischen 60 % und 70 % der weltweiten Raffineriekapazitäten von 1,3 Mrd. Unzen (ca. 40.000 Tonnen) Silber. Wer also sein Silber an eine Raffinerie sendet, kommt an China praktisch nicht vorbei. Doch was, wenn das Silber nur noch schwer wieder aus China exportiert werden kann?

Das neue Exportregime für Silber wurde auch vor dem Hintergrund einer zunehmenden Ressourcenkonkurrenz mit den USA eingeführt. Die USA hatten Silber im November 2025 auf die Liste kritischer Mineralien gesetzt. Denn seine breite Verwendung in der Solarindustrie, der Batterieproduktion, aber auch bei der Steuerungselektronik ziviler und militärischer Güter macht es praktisch unersetzlich. Gleiches gilt für China, das über ungleich geringere Energieressourcen im Vergleich zu den USA verfügt und deshalb ein noch stärkeres Interesse hat, seinen Zugang zu Silber zu sichern.

Vor diesem Hintergrund kommt dem weltgrößten Silberproduzenten Mexiko eine herausgehobene Bedeutung zu. Sollte das aus Mexiko nach China gelieferte Silber danach nicht mehr re-exportiert werden, sind die Ressourceninteressen der USA direkt betroffen.

Verschärft wird diese Entwicklung noch dadurch, dass Chinas Silber-Importe in den ersten Monaten des laufenden Jahres auf den höchsten Stand der letzten 8 Jahre gestiegen sind.

Dazu passt auch eine anhaltend hohe Prämie auf den Silber-Kurs in Shanghai. So lag der Silberpreis am Freitag zu Handelsschluss in Shanghai bei 85,27 USD gegenüber einem letzten Preis in den USA von 76,03 USD, was einem Aufgeld (Prämie) von 12,15 % entspricht. Diese Entwicklung begann im Dezember 2025 und hat sich seither kaum geändert, obwohl der Anreiz für Arbitrage enorm ist. Dies zeigt nicht zuletzt den strategischen Wert von physischem Silber, dass sich nun schon in seinem 6. Jahr im Angebotsdefizit befindet!

 

Indien, Silber und sein Handelsbilanzdefizit

 

Indien hat am 16.05.2026 praktisch alle Silberimporte als genehmigungspflichtig eingestuft. Parallel dazu wurde der Importzoll auf Gold und Silber auf 15 % erhöht, womit die indische Regierung vorangegangene Erleichterungen wieder zurücknahm. Dies dürfte auf dem indischen Silbermarkt zu neuen Spannungen führen, denn Indien importiert rund 80 % seines Silberbedarfs.

Zuletzt war der Wert der Silberimporte auf 12 Mrd. USD nach 4,8 Mrd. USD im Vorjahr gestiegen.

Für industrielle Verbraucher soll sich allerdings nicht viel ändern. So erteilt die indische Außenhandelsbehörde DGFT denjenigen Unternehmen mit nachweisbarem Eigenbedarf Ausnahmegenehmigungen für Silberhalbzeug-Waren. Ob sich die indischen Verbraucher bei ihrer Silbernachfrage für Anlageprodukte davon abschrecken lassen darf allerdings bezweifelt werden. Frühere, ähnlich gelagerte Entscheidungen der Behörden hatten nur zu einem Anstieg des Volumens illegalen Silberimports geführt.

 

Und was sagt die Charttechnik?

 

In der Berichtswoche zeigte der Silberpreis für seine Verhältnisse außergewöhnlich niedrige Bewegungen, sowohl intraday als auch per Saldo. Ein Blick auf den Preischart zeigt, dass Silber, anders als Gold, seine seit dem 02.03.2026 laufenden Abwärtstrend per Tagesschlusskurs nicht unterschritten hat.

 

Silber / US-Dollar

 

Wie auch bei Gold besteht die Mustervermutung in Form einer umgekehrten Schulter-Kopf-Schulter-Formation, wie wir bereits in der vergangenen Woche darlegten. Zu dieser Vermutung würde auch ein nochmaliger kurzer Rückgang in den Bereich oberhalb von 64,06 USD, dem Tagestief vom 06.02.2026, passen. Denn damit würde eine höhere Symmetrie der Umkehrformation erreicht, was die Wahrscheinlichkeit eines Eintritts erhöht.

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Da es jedoch wie auch schon im Fall von Gold keine perfekten Symmetrien gibt, ist auch bei Silber mit einer verlängerten rechten Schulter zu rechnen. Einen Zeitrahmen dafür erhält man, indem man sowohl die seit dem 02.03.2026 laufende Abwärtstrendlinie als auch den seit Ende Oktober 2025 laufenden Aufwärtstrend berücksichtigt. Dies ergibt einen Schnittpunkt um den 03.06.2026, wobei Silber seine bereits überwundene Abwärtstrend-Linie nicht nach unten verletzten muss, und sich gleichzeitig am 03.06.2026 in eine Kreuzunterstützung bewegt. Dies könnte ein Auslöser für einen Trendwechsel nach oben sein.

Alternativ würde der längerfristige Abwärtstrend, der mit dem Allzeithoch am 29.01.2026 begann, am 07.07.2026 auf den genannten Aufwärtstrend treffen. Sollte diese Abwärtstrendlinie entscheidend sein, wäre die Bodenbildung als umgekehrte S-K-S-Formation weniger symmetrisch, aber gleichwohl qualitativ gültig.

Dies ist bei der Beurteilung der Chancen eines weiteren Anstieges danach von Bedeutung. Denn je überzeugender die charttechnische Konsolidierung in Bezug auf Muster, Umsätze, relative Stärke und Momentum, umso wahrscheinlicher sind neue Höchstkurse in diesem Sommer!

 

Ist das die Ruhe vor dem Sturm?

 

Die aktuelle Situation im Silbermarkt erinnert an die berühmte Ruhe vor dem Sturm. Trends laufen weiter, Kursmuster benötigen noch etwas Zeit, bis sie signifikant ausgebildet sind, und das Sentiment stabilisiert sich mit seinen Erwartungen in der Nähe der aktuellen Kurse. Prozyklische Empfehlungen von Investmentbanken lassen im Zuge dessen wieder Luft ab, was aber nicht heißen muß, dass der Eigenhandel der Bank nicht gerade die Gunst der Stunde nutzt und seine Position weiter ausbaut!

Fundamental ist keines der mittelfristigen Angebots- und Nachfrageprobleme bei Silber gelöst. Stattdessen verschärft sich die Ressourcenkonkurrenz weltweit. Die Vorsicht der Spekulanten bleibt groß, was die geringe Zahl der offenen Kontrakte an der COMEX zeigt. Die aktuelle Situation ist auch und gerade vor dem Hintergrund niedriger physischer Lagerbestände an der COMEX und in Shanghai als physisch angespannt zu bewerten. Parallel dazu stehen den aktuellen Lagerbeständen deutlich mehr offenen Kontrakten an der COMEX gegenüber.

Ist der Liquidationswert synthetischer Silber-Kontrakte also weltweit im Landeanflug? Die Entwicklung von Silber gerade innerhalb der genannten charttechnischen Zeithoizonte wird sehr wahrscheinlich deutliche Signale dazu senden. Sollte die Lieferpränmie in Shanghai weiter ansteigen, könnte es auch an der COMEX bald heißen: All bets are off!

 

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24.05.2026 - Arndt Kümpel

Unterschrift - Arndt Kümpel

 

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