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Zinnpreis auf neuem 8-Jahres-Hoch

Zinn mit viel Schwung auf neues Achtjahreshoch

 

Zu den bedeutenden Metallen für die ,,Entstofflichung‘‘ der Weltwirtschaft gehört interessanterweise Zinn. Denn das Metall wird sehr oft dort verwendet, wo es etwa zum Löten von elektrischen und elektronischen Verbundstellen verwendet wird.

Der Megatrend Elektromobilität bedeutet deshalb für die Zinnnachfrage Rückenwind, ebenso die Digitalisierung und der Auf- und Ausbau einer Infrastruktur für erneuerbare Energien.

Dass in den vergangenen Wochen der Zinnpreis enorm angestiegen ist, liegt aber noch an anderen Faktoren. Denn der weltgrößte Zinnförderer wie Halbleiter-Produzent und damit auch Zinnverbraucher ist China. Nachdem China in den vergangenen Jahren Zinn exportierte, erwarten Marktbeobachter für das laufende Jahr wieder Nettoimporte.

Auf den Plätzen 2 und 3 der weltgrößten Zinnfördererländer stehen Indonesien und Myanmar, wobei der Militärputsch in Myanmar und die politischen Reaktionen auf diesen auch Sorgen vergrößert haben, dass es zu einer Behinderung der Zinnausfuhr kommen könnte. Hinzu kommt, dass gerade Myanmar sein Zinn in beachtlichem Umfang nach China exportiert und deshalb in Peking die Einhaltung der Menschenrechte in Myanmar kein essenzieller Streitpunkt zwischen beiden Ländern war. Zudem: Die Zinnlagerstätten in Myanmar gehen zu Neige, was China bei der Deckung seines Zinnbedarfs unter Druck setzt.

Indonesien hingegen befindet sich in einem Prozess der wertschöpfungsbezogenen Emanzipation, in dessen Gefolge die inländische Wertschöpfung mit eigenen Rohstoffen erhöht werden soll. Wir berichteten zuletzt in unserem Beitrag vom 10.02.2021 mit dem Titel ,,Indonesien kommt mit seiner Nickelstrategie voran‘‘.

Es ist zudem wahrscheinlich, dass das Land seine Zinnexporte erst anheben könnte, wenn der Preis weiter steigt. Bei steigender Zinnnachfrage würde dies die Preissetzungsmacht Indonesiens weiter erhöhen.

Da überrascht es nicht, dass der Zinnpreis nicht nur die runde Zahl von 25.000 US-Dollar je Tonne im Auge hat, sondern dass auch der Spread zwischen dem Kassa-Preis und dem 3-Monats-Future auf ein Rekordhoch von 6.500 US-Dollar angewachsen ist.

Die Preisdynamik des Zinnpreises wird beispielhaft in der Entwicklung des Nasaq Commodity Tin Index (Total Return) deutlich, der nachfolgend abgebildet ist.

 

 

Dieser hat in den vergangenen Tagen ein neues 8-Jahres-Hoch erreicht und macht keine bislang Anstalten für eine Konsolidierung.

 

Fazit

 

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Werbebanner Zürcher BörsenbriefeWie auch schon andere Rohstoffe wird auf dem weltweiten Zinnmarkt eine Angebotsklemme für physisches Zinn sichtbar. Dies drückt sich in einer Backwardation aus, bei der Lieferprämien für Spotkontrakte gegenüber späteren Fälligkeiten wie etwa 3-Monats-Futures gezahlt werden. Zum anderen sinken auch die Lagerbestände an der Londoner Metallbörse. Dass sich die politische Lage in Myanmar bislang nicht beruhigt und Indonesien seine Strategie der inländischen Wertschöpfungspolitik unbeirrt verfolgt, deutet darauf hin, dass sich auch ohne ein Best-Case-Szenario in der Corona-Pandemie der Gesamtmarkt nicht im Gleichgewicht befindet. Sollte die von vielen erwartete Erholung der Nachfrage insbesondere außerhalb Chinas eintreten, dürften nochmals deutlich höhere Zinnpreise nur eine Frage der Zeit sein.

 

17.02.2021 - Arndt Kümpel - ak@ntg24.de

 






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