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Xiaomi bekommt ein neues Gleichgewicht

Schwächere Smartphone-Margen treffen auf steigende Elektroauto-Auslieferungen – das zweite Quartal zeigt deutlicher denn je, wohin sich der Konzern verschiebt

NTG24 - Xiaomi bekommt ein neues Gleichgewicht

 

Xiaomi wird an der Börse zunehmend an zwei sehr unterschiedlichen Geschäften gemessen. Smartphones liefern weiterhin den größten Umsatzblock, leiden aber unter hohen Speicherpreisen und intensivem Wettbewerb. Gleichzeitig wächst das noch junge Autogeschäft deutlich schneller und wird für die Wahrnehmung des Konzerns immer wichtiger. Die neuen Quartalszahlen machen diesen Übergang sichtbar – allerdings kostet er viel Geld.

Xiaomi Corporation (KYG9830T1067) erzielte im zweiten Quartal 2026 einen Umsatz von 108,9 Mrd. Yuan. Gegenüber dem starken Vorjahresquartal entspricht das einem Rückgang von 6,1 %. Deutlich stärker fiel die Korrektur beim bereinigten Nettogewinn aus: Mit 6,2 Mrd. Yuan lag er 42,6 % unter dem Vorjahreswert. Sowohl Umsatz als auch bereinigter Gewinn blieben zudem hinter den Markterwartungen zurück.

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Das allein wäre für einen Technologiekonzern eine schwache Nachricht. Bei Xiaomi erzählt die Gewinnentwicklung inzwischen aber nur einen Teil der Geschichte. Die Investitionen in Elektroautos, künstliche Intelligenz und neue Plattformen verändern Kostenstruktur und Umsatzmix gleichzeitig. Genau deshalb muss die Börse entscheiden, ob sie Xiaomi noch primär als Smartphone-Hersteller oder bereits als breiteren Technologie- und Mobilitätskonzern bewertet.

 

Das Smartphone-Geschäft trägt – aber verdient weniger

 

Der größte Druck liegt weiter im klassischen Kerngeschäft. Der Smartphone-Umsatz sank im zweiten Quartal auf 42,1 Mrd. Yuan. Xiaomi lieferte 31,2 Mio. Geräte aus und blieb nach Daten von Omdia weltweit die Nummer drei. Das Problem liegt weniger in der Marktposition als in der Profitabilität: Die Bruttomarge im Smartphone-Geschäft fiel von 11,5 % im Vorjahresquartal auf nur noch 8,5 %.

Hauptbelastung bleiben Speicher und andere Komponenten. Präsident William Lu erklärte nach den Zahlen, dass Speicherpreise weiterhin historisch hoch seien. Gleichzeitig sieht Xiaomi erste Entspannung beim Tempo der Preissteigerungen und bezeichnet die schwierigste Phase im Smartphone-Geschäft als überwunden. Der Reuters-Bericht zu den Quartalszahlen zeigt jedoch, wie empfindlich das Geschäftsmodell auf diese Kosten reagiert.

Xiaomi versucht gegenzusteuern, indem weniger Stückzahl und mehr Wert verkauft werden. Der durchschnittliche Smartphone-Verkaufspreis stieg gegenüber dem Vorjahr um 25,9 % auf den Rekordwert von 1.351 Yuan. Gleichzeitig erreichten höherpreisige Geräte auf dem chinesischen Heimatmarkt einen größeren Anteil. Das ist strategisch sinnvoll, doch Premiumisierung hilft nur begrenzt, solange Einkaufskosten schneller steigen als die erzielbaren Margen.

Damit verschiebt sich der Bewertungsfokus. Xiaomi muss im Smartphone-Geschäft derzeit nicht zwingend wieder maximale Stückzahlen erreichen. Wichtiger wäre eine Erholung der Marge. Sollte der Druck von Speicherpreisen tatsächlich nachlassen, könnte schon eine Stabilisierung des Absatzes einen spürbaren Ergebniseffekt bringen.

 

Mehr als 100.000 Autos verändern die Größenordnung

 

Während Smartphones unter Druck stehen, wächst das Fahrzeuggeschäft weiter. Xiaomi lieferte im zweiten Quartal 104.199 Fahrzeuge aus und damit 28,2 % mehr als ein Jahr zuvor. Der reine EV-Umsatz erreichte 23,9 Mrd. Yuan. Zusammen mit AI und anderen neuen Initiativen kam das Segment auf 24,9 Mrd. Yuan Umsatz und damit auf ein Plus von 17,1 %.

Damit ist das Autogeschäft kein experimenteller Nebenbereich mehr. Es erreicht inzwischen eine Größenordnung, die das Konzernprofil sichtbar verändert. Laut der aktuellen Q2-Veröffentlichung von Xiaomi überschritten allein die kumulierten Auslieferungen der SU7-Serie bis Mitte August 500.000 Fahrzeuge.

Allerdings bleibt der Preis für dieses Wachstum hoch. Das Segment Smart EV, AI und andere neue Initiativen verbuchte im zweiten Quartal einen operativen Verlust von 2,6 Mrd. Yuan. Die Bruttomarge lag bei 19,2 %. Damit zeigt sich ein ungewöhnliches Bild: Das junge Geschäft entwickelt bereits eine respektable Produktmarge, wird aber durch Entwicklung, Kapazitätsausbau und weitere Zukunftsinvestitionen insgesamt noch deutlich belastet.

 

SkyNomad erweitert die Autowette noch einmal

 

Die nächste Entwicklungsstufe soll im September folgen. Xiaomi hat mit der SkyNomad-Reihe erstmals große SUVs mit Range-Extender-Technologie angekündigt. Damit verlässt der Konzern die bisherige Beschränkung auf batterieelektrische Limousinen und Crossover und greift einen Fahrzeugtyp auf, der im chinesischen Markt stark nachgefragt wird.

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Strategisch ist das weitreichend. Xiaomi will mit dem Auto nicht nur einzelne Modelle verkaufen, sondern das eigene „Human × Car × Home“-Ökosystem erweitern. Smartphone, Smart Home, Betriebssystem, KI und Fahrzeug sollen stärker miteinander verbunden werden. Genau diese Plattformidee unterscheidet Xiaomi von klassischen Autoherstellern – sie erhöht aber zugleich den Investitionsbedarf und die operative Komplexität.

Hinzu kommt der internationale Anspruch. Für 2027 plant Xiaomi den Einstieg in den europäischen Automarkt. Bevor daraus ein neuer Wachstumsschub werden kann, müssen allerdings Produktion, Service, Vertrieb und regulatorische Anforderungen außerhalb Chinas aufgebaut werden. Der europäische Markteintritt ist deshalb momentan eher strategische Option als kurzfristiger Ergebnisbeitrag.

 

 

 

KI ist noch kleiner als die Erzählung

 

Neben Autos investiert Xiaomi aggressiv in künstliche Intelligenz. Die Forschungs- und Entwicklungsausgaben stiegen im Quartal um 18,9 % auf 9,2 Mrd. Yuan. Das Unternehmen entwickelt mit MiMo eigene Basismodelle, integriert KI tiefer in HyperOS und arbeitet gleichzeitig an Robotiklösungen für industrielle Anwendungen.

Operativ ist dieser Bereich noch nicht groß genug, um die Ergebnisentwicklung zu bestimmen. Strategisch könnte er jedoch zum verbindenden Element des Ökosystems werden. Xiaomi besitzt bereits Hunderte Millionen aktive Nutzer und mehr als eine Milliarde vernetzte IoT-Geräte. Wenn eigene KI-Modelle künftig Smartphone, Zuhause und Fahrzeug verbinden, entsteht ein anderer Hebel als bei einem reinen Hardwarehersteller.

Für Anleger sollte diese Fantasie trotzdem nicht mit heutiger Profitabilität verwechselt werden. Der wesentliche Gewinn wird weiterhin im etablierten Technologiegeschäft erwirtschaftet, während Auto und KI erhebliche Mittel absorbieren.

Xiaomi verfügt allerdings über genügend finanzielle Beweglichkeit, um diese Strategie weiterzuverfolgen. Gleichzeitig versucht das Management, den Kurs über Kapitalrückführungen zu stützen. Im Mai wurde ein neues Aktienrückkaufprogramm über bis zu 20 Mrd. Hongkong-Dollar beschlossen. Bis zum 13. August hatte Xiaomi im laufenden Jahr nach eigenen Angaben bereits Aktien für rund 11,7 Mrd. Hongkong-Dollar zurückgekauft.

 

Die Aktie handelt inzwischen zwei gegensätzliche Entwicklungen

 

Die Q2-Zahlen sind deshalb weder einfach schwach noch eindeutig stark. Das Smartphone-Geschäft zeigt, wie verletzlich Xiaomi gegenüber Komponentenpreisen und Konkurrenz bleibt. Der Rückgang des bereinigten Gewinns um mehr als 40 % ist deutlich und sollte nicht durch die EV-Fantasie überdeckt werden.

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Gleichzeitig steigt die Bedeutung des Autogeschäfts schneller, als es noch vor wenigen Jahren vorstellbar gewesen wäre. Mehr als 100.000 ausgelieferte Fahrzeuge in einem Quartal und knapp 24 Mrd. Yuan EV-Umsatz verändern die Konzernstruktur. Sollte Xiaomi die Verluste dieses Bereichs in den kommenden Jahren reduzieren, könnte daraus ein zweiter großer Ergebnismotor entstehen.

Genau darin liegt derzeit die Attraktivität, aber auch das Risiko der Aktie. Xiaomi besitzt mehrere reale Wachstumsfelder, muss dafür aber einen schwächeren Smartphone-Zyklus, hohe Entwicklungsausgaben und einen extrem wettbewerbsintensiven chinesischen Automarkt gleichzeitig bewältigen. Nach den neuen Zahlen ist die Story größer geworden – komfortabler ist sie deshalb noch nicht.

 

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19.08.2026 - Christian Teitscheid

Unterschrift - Christian Teitscheid

 

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