als .pdf Datei herunterladen

EU stärkt Mobilität durch bessere Anerkennung beruflicher Qualifikationen

Digitalisierung und Transparenz im Fokus

NTG24 - EU stärkt Mobilität durch bessere Anerkennung beruflicher Qualifikationen

 

Die Europäische Kommission plant, die Übertragbarkeit beruflicher Qualifikationen innerhalb der EU grundlegend zu verbessern. Geplant ist ein Maßnahmenpaket, das im dritten Quartal 2026 vorgestellt werden soll und vor allem die Anerkennungsverfahren für reglementierte Berufe erleichtern, modernisieren und ausweiten will. Damit reagiert die EU-Kommission auf strukturelle Hindernisse im Binnenmarkt, die vor allem dann entstehen, wenn Fachkräfte in einen anderen Mitgliedstaat wechseln wollen.

 

Mobilität im Binnenmarkt nach wie vor eingeschränkt

 

Grundsätzlich dürfen EU-Bürger ihre im Heimatland erlernten Berufe in anderen Mitgliedstaaten ausüben. Allerdings gibt es bei reglementierten Berufen zentrale Einschränkungen: Steuerberater, Wirtschaftsprüfer sowie Steuerfachangestellte zählen dazu und müssen beim Umzug in einen anderen EU-Staat häufig aufwändige Anerkennungsprozeduren durchlaufen. Das liegt insbesondere daran, dass das Steuerrecht national geregelt ist und Qualifikationen aus anderen Ländern nicht ohne Weiteres vergleichbar sind. Für Unternehmen und Fachkräfte ist dies eine erhebliche Hürde, die Beweglichkeit einschränkt und auch den Fachkräftemangel in einzelnen Regionen verschärft.

 

Bessere digitale Lösungen und vereinheitlichte Verfahren

 

Ein Schwerpunkt des geplanten EU-Pakets ist die Digitalisierung der Anerkennungsverfahren. Dies soll die Prozesse transparenter, schneller und effizienter machen. Die EU-Kommission kündigt die Entwicklung digitaler Instrumente an, die einen leichteren Austausch der Qualifikationsnachweise erlauben. Solche digitalen Nachweise könnten etwa in der europäischen digitalen Identitätsbrieftasche (EUDI-Wallet) hinterlegt werden, um sie unkompliziert grenzüberschreitend zugänglich zu machen. Neben der Beschleunigung der Verfahren verspricht sich die EU so auch eine bessere Vergleichbarkeit von Qualifikationen, was Arbeitgebern mehr Sicherheit beim Einstellen von Fachkräften aus anderen Mitgliedstaaten geben soll.

 

Neue automatische Anerkennung für weitere Berufe?

 

Ergänzend zur Digitalisierung will die Kommission das System der automatischen Anerkennung ausweiten, das bislang vor allem im Gesundheitswesen und für Architekten gilt. Ob und in welchem Umfang diese Verfahren auf beratende und prüfende Berufe wie Steuerberater und Wirtschaftsprüfer übertragen werden, bleibt derzeit jedoch unklar. Diese Berufsgruppen sind aufgrund ihrer stark national geprägten Ausrichtung oft schwer einheitlich zu regeln. Entscheidend wird sein, ob sich die Kommission hier auf praktikable Lösungen verständigen kann, die sowohl berufliche Standards als auch die nationale Steuerrechtsordnung berücksichtigen.

 

Auswirkungen für Unternehmen und Fachkräfte

 

Anzeige:

Werbebanner AudipyDie geplanten Maßnahmen haben eine hohe praktische Relevanz für viele Akteure. Für Steuerberater und Wirtschaftsprüfer würde eine vereinfachte Anerkennung die Mobilität innerhalb Europas deutlich erhöhen. Dies könnte nicht nur zu einem besseren Ausgleich von regionalen Fachkräftemangel führen, sondern auch die grenzüberschreitende Zusammenarbeit fördern. Unternehmen profitieren dadurch von einem größeren Pool an qualifizierten Fachkräften, während Arbeitnehmer mehr Flexibilität bei ihrer beruflichen Entwicklung erhalten. Gleichzeitig ist klar, dass bei Berufen mit starker nationaler Reglementierung eine vollständige Harmonisierung nicht realistisch ist, sodass weiterhin nationale Prüfungen oder Ergänzungsmaßnahmen notwendig sein werden.

 

Anerkennung für Drittstaatsangehörige als weiterer Brennpunkt

 

Ein weiterer Teil des Initiativpakets widmet sich der Anerkennung von Qualifikationen von Drittstaatenangehörigen. Hier plant die EU-Kommission klare Regeln und transparente Abläufe, darunter Fristen für Anerkennungsverfahren und verstärkte digitale Verfahren. Dies könnte insbesondere für qualifizierte Fachkräfte aus Nicht-EU-Staaten die Integration in den europäischen Arbeitsmarkt erleichtern. Die Standardisierung und Vereinfachung solcher Verfahren unterstützen zudem die europäische Wettbewerbsfähigkeit im globalen War for Talents.

 

Weitreichende Modernisierung im Kontext des europäischen Fachkräftemarkts

 

Insgesamt zielt die Kommission darauf ab, den europäischen Arbeitsmarkt offener, transparenter und effizienter zu gestalten. Durch die Digitalisierung und Harmonisierung der Anerkennungsverfahren soll die grenzüberschreitende Mobilität gestärkt werden, was sich angesichts des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels als besonders wichtig erweist. Die Maßnahmen passen zu einer europaweiten Strategie, die Qualifikationsmobilität als Schlüssel zur nachhaltigen wirtschaftlichen Entwicklung anerkennt und unterstützen will.

Mit der Veröffentlichung des Maßnahmenpakets wird innerhalb der kommenden Monate gerechnet. Unternehmen, Berater und Fachkräfte sollten die Entwicklungen aufmerksam verfolgen, da sich künftig neue Chancen für grenzüberschreitende Tätigkeiten und den Berufszugang eröffnen könnten. Zugleich bleibt abzuwarten, wie die Kommission die Balance zwischen europäischer Vereinfachung und nationaler Regulierung konkret ausgestaltet.

 

25.03.2026 - Daniel Eilenbrock

Unterschrift - Daniel Eilenbrock

 

Auf Twitter teilen     Auf Facebook teilen




Ihre Bewertung, Kommentar oder Frage an den Redakteur


Bitte geben Sie die Anzahl der unten gezeigten Eurozeichen in das Feld ein.
>

 



 

 

Haftungsausschluss - Die EMH News AG übernimmt keine Haftung für die Richtigkeit der Empfehlungen sowie für Produktbeschreibungen, Preisangaben, Druckfehler und technische Änderungen. (Ausführlicher Disclaimer)