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COMEX-/Globex-Frühbericht: Gold wartet auf den US-Arbeitsmarkt

Vor dem Payrolls-Bericht wird der Edelmetallhandel zum Testfall für Dollar, Renditen und die nachlassende Öl-Risikoprämie

NTG24 - COMEX-/Globex-Frühbericht: Gold wartet auf den US-Arbeitsmarkt

 

Der COMEX-/Globex-Handel startet am Freitag mit einer anderen Ausgangslage als an den Vortagen. Nicht die nächste Eskalationsmeldung bestimmt den frühen Ton, sondern die Frage, ob die jüngste Entspannung bei Öl, Dollar und Renditen genug trägt, um Gold und Silber vor den US-Arbeitsmarktdaten zu stabilisieren. Der Markt steht damit vor einem klassischen Payrolls-Tag: wenig Gewissheit in der Nacht, aber hohe Sprengkraft am Nachmittag.

Stand: 02:22 Uhr MESZ. Die Einschätzung basiert auf dem bisherigen CME/COMEX-Globex-Handel seit dem Sitzungsstart um 00:00 Uhr MESZ.

 

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Die wichtigste Beobachtung im frühen Handel ist nicht, dass Gold (TVC:GOLD) steigt oder fällt. Entscheidend ist, dass der Markt nach dem wechselhaften Wochenverlauf wieder auf den Zinskanal zurückschaltet. Nach einem Reuters-Bericht legte Gold am Donnerstag um mehr als 1 % zu, nachdem fallende Ölpreise, ein schwächerer Dollar und nachgebende US-Renditen die Nachfrage stützten. Spot-Gold wurde dabei mit 4.476,85 US-Dollar je Feinunze genannt, US-Gold-Futures für August schlossen bei 4.505 US-Dollar.

Das ist für den Freitag eine saubere Ausgangsmarke, aber kein Freibrief. Gold hat sich erholt, weil die Zinsseite kurzfristig weniger belastend wirkte. Der heutige Arbeitsmarktbericht kann genau diese Grundlage wieder verschieben. Ein zu robuster US-Jobmarkt würde die Zinssenkungsfantasie dämpfen. Ein deutlich schwächerer Bericht könnte Gold helfen, würde bei Silber (TVC:SILVER) aber sofort die Frage aufwerfen, ob die industrielle Nachfrage darunter leidet.

 

Heute geht es um die Reihenfolge der Reaktion

 

Der Freitag kann in zwei sehr unterschiedliche Handelsphasen zerfallen. Bis zum frühen Nachmittag dürfte der Markt eher vorsichtig abtasten, ob Gold die Erholung oberhalb der runden 4.500-Dollar-Zone verteidigen kann. Nach 14:30 Uhr MESZ ändert sich die Lage abrupt, denn dann veröffentlicht das Bureau of Labor Statistics den US-Arbeitsmarktbericht für Mai. Die BLS nennt für diese Veröffentlichung 8:30 Uhr Eastern Time.

Genau deshalb ist der Globex-Start heute kein eigenständiges Urteil, sondern ein Vorlauf. Die Nacht zeigt nur, ob der Markt mit ruhiger Hand in den Datentermin geht oder bereits vorher wieder nervös wird. Das eigentliche Signal entsteht erst aus der Kombination von Payrolls, Stundenlöhnen, Arbeitslosenquote, Dollarreaktion und Renditen.

 

 

 

Die CME beschreibt Gold-Futures als ein Instrument für globale Preisfindung, das nahezu rund um die Uhr auf politische und wirtschaftliche Ereignisse reagieren kann. Das ist am Freitag besonders wichtig, weil der Futureshandel die Datenrisiken bereits vor Europa und lange vor dem offiziellen US-Kassahandel einpreist. Die offizielle Produktseite der CME Group verweist auf den nahezu durchgehenden elektronischen Zugang über Globex.

 

Der Ölpreis nimmt Druck heraus, aber nicht das Risiko

 

Der auffälligste Unterschied zu den vorherigen Handelstagen liegt beim Öl. Reuters berichtete am Donnerstag von einem Rückgang der Ölpreise um rund 3 %, nachdem die Vereinbarung zwischen Israel und Libanon Hoffnungen auf Fortschritte in den Gesprächen zwischen Washington und Teheran nährte. Brent schloss bei 95,03 US-Dollar, WTI bei 93,04 US-Dollar. Damit wurde ein Teil der Inflationsangst aus dem Markt genommen.

Für Gold ist das kurzfristig hilfreich. Wenn der Ölpreis fällt, sinkt der Druck auf die Inflationserwartungen. Wenn zugleich der Dollar nachgibt und Renditen fallen, entsteht genau das Umfeld, in dem Gold trotz nachlassender Krisenprämie steigen kann. Der Markt kauft dann nicht unbedingt Panik, sondern Erleichterung.

Die Gefahr ist allerdings nicht verschwunden. Reuters verwies zugleich darauf, dass der Verkehr in der Straße von Hormus weiterhin stark eingeschränkt bleibt und die Lage nur unter der Annahme einer weiteren politischen Annäherung entspannter wirkt. Für den heutigen Handel heißt das: Gold bekommt Rückenwind, solange der Markt Deeskalation und niedrigere Renditen zusammendenkt. Neue Störungen am Ölmarkt würden diese Logik sofort wieder umdrehen.

 

Die erste Marke ist nicht heroisch, sondern praktisch

 

Gold muss am Vormittag vor allem die Rückkehr über 4.500 US-Dollar verteidigen. Das ist keine magische Linie, aber eine praktische Marke für die Marktpsychologie. Oberhalb davon wirkt der Donnerstagsschub glaubwürdiger. Darunter wäre der Anstieg schnell wieder nur ein Erholungsversuch innerhalb einer nervösen Seitwärtsphase.

Für den Nachmittag lassen sich drei Szenarien ableiten. Erstens: Schwächere Payrolls und moderate Löhne würden Gold wahrscheinlich stützen, weil Zinssenkungserwartungen wieder mehr Raum bekämen. Zweitens: Starke Payrolls bei höheren Stundenlöhnen wären das unangenehmste Bild, weil dann Dollar und Renditen anziehen könnten. Drittens: Ein gemischter Bericht dürfte zunächst Volatilität erzeugen, aber keine dauerhafte Richtung erzwingen.

 

Silber braucht heute keine große Erzählung, sondern Bestätigung

 

Silber schloss am Donnerstag laut Reuters 1,7 % höher bei 73,95 US-Dollar je Feinunze. Das ist kein Befreiungsschlag, aber ein brauchbarer Stabilisierungspunkt. Der Markt muss nun zeigen, ob die Zone um 74 US-Dollar hält und ob ein Angriff auf 75 US-Dollar möglich wird.

Der Unterschied zu Gold bleibt simpel: Gold kann von fallenden Renditen allein profitieren. Silber braucht zusätzlich ein Mindestmaß an Konjunkturvertrauen. Ein schwacher US-Arbeitsmarktbericht wäre deshalb nicht automatisch positiv. Wenn die Daten nur Zinshoffnung liefern, hilft das. Wenn sie Wachstumssorgen auslösen, kann Silber trotz freundlicher Goldbewegung zurückbleiben.

 

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Platin und Palladium sind heute eher Kontrolleure als Taktgeber

 

Platin (TVC:PLATINUM) legte am Donnerstag laut Reuters um 2,1 % auf 1.897,61 US-Dollar zu, Palladium (TVC:PALLADIUM) gewann 1,4 % auf 1.320,23 US-Dollar. Damit liefen beide Metalle mit, ohne die Richtung selbst vorzugeben. Genau diese Rolle ist heute interessant.

Bleiben Platin und Palladium stabil, spricht das dafür, dass die Erholung im Edelmetallkomplex nicht nur aus Gold-Absicherung besteht. Fallen sie trotz stabilen Goldpreises wieder zurück, wäre das ein Hinweis darauf, dass der Markt dem Industrieanteil weiterhin misstraut. Besonders Palladium bleibt anfällig, weil dort strukturelle Nachfragezweifel aus dem Automobilsektor nicht durch einen klassischen Sicherheitsstatus kompensiert werden.

 

Der eigentliche Handelsplan für Freitag

 

Bis zum Payrolls-Bericht sollte der Markt vier Punkte beantworten. Hält Gold die 4.500-Dollar-Zone? Bleibt Silber nahe an 74 bis 75 US-Dollar? Gibt der Dollar die jüngste Schwäche nicht sofort wieder auf? Und bleibt Öl unterhalb der jüngsten Stressniveaus?

Wenn drei dieser vier Punkte positiv beantwortet werden, hätte der US-Handel eine konstruktive Ausgangslage. Wenn dagegen Dollar und Renditen schon vor 14:30 Uhr MESZ anziehen, wäre Vorsicht angebracht. Dann könnte der Arbeitsmarktbericht jede kleine Schwäche bei Gold schnell verstärken.

Der riskanteste Verlauf wäre ein zunächst freundlicher Goldpreis vor den Daten, gefolgt von starken Payrolls und höheren Stundenlöhnen. In diesem Fall würde der Markt sehr wahrscheinlich wieder auf die Fed-Seite wechseln. Das freundlichste Bild wäre ein moderater Arbeitsmarktbericht ohne Lohndruck. Dann könnte Gold die Zone oberhalb von 4.500 US-Dollar nicht nur verteidigen, sondern in Richtung der nächsten Widerstände ausbauen.

 

Der Nachmittag wird zum eigentlichen Marktstart

 

Der frühe COMEX-/Globex-Handel liefert am Freitag eine brauchbare Ausgangslage, aber noch keine belastbare Tagesrichtung. Gold kommt mit Rückenwind aus dem Donnerstag, weil Öl, Dollar und Renditen nachgaben. Silber stabilisiert sich, bleibt aber abhängiger von der Konjunkturlesart. Platin und Palladium zeigen im Hintergrund, ob die Erholung im Edelmetallkomplex breiter getragen wird oder ob vor allem Gold von der Zinsentlastung profitiert.

Bis 14:30 Uhr MESZ dürfte der Markt deshalb weniger eine neue Richtung suchen als eine Startposition für den Datenimpuls. Hält Gold die 4.500-Dollar-Zone und bleibt der Dollar ruhig, geht der Markt mit einem konstruktiven Unterton in den US-Arbeitsmarktbericht. Rutschen Gold oder Silber bereits vorher wieder ab, wäre das ein Warnsignal: Dann würde der Payrolls-Bericht nicht auf eine stabile Erholung treffen, sondern auf einen Markt, der schon vor den Daten wieder zweifelt.

Nach der Veröffentlichung zählt vor allem die erste halbe Stunde. Moderate Löhne und ein nicht zu starker Stellenaufbau könnten die Entlastung bei Gold verlängern. Ein robuster Bericht mit höherem Lohndruck würde dagegen den Donnerstagsschub schnell relativieren. Der eigentliche Test für den Tag liegt daher nicht im Nachtstart, sondern in der Frage, ob die Edelmetalle die Datenreaktion überstehen, ohne sofort wieder in den alten Zinsdruck zurückzufallen.

 

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05.06.2026 - Jörg Möller

Unterschrift - Jörg Möller

 

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