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Booking und Airbnb reisen mit unterschiedlichem Gepäck

Die Fußball-WM stärkt die Nachfrage, geopolitische Störungen belasten jedoch die Planung – zugleich wird künstliche Intelligenz vom Werkzeug zum möglichen Konkurrenten

NTG24 - Booking und Airbnb reisen mit unterschiedlichem Gepäck

KI-generiertes Symbolbild. Marken dienen der redaktionellen Einordnung.

 

Kurz vor den Quartalsberichten zeigt sich die Reisebranche in einer ungewöhnlich widersprüchlichen Lage. Rund um die Fußball-Weltmeisterschaft waren Unterkünfte gefragt und vielerorts teuer, gleichzeitig störten Konflikte im Nahen Osten internationale Reiserouten. Booking und Airbnb profitieren beide von der anhaltenden Reiselust, doch die Erwartungen an ihre Zahlen unterscheiden sich deutlich.

Booking Holdings (US09857L1089) geht als etablierte Ertragsmaschine in die Berichtssaison. Der Konzern vereint Booking.com, Priceline, Agoda, KAYAK und OpenTable und verdient an einem sehr breiten Spektrum von Hotels, Ferienunterkünften, Flügen und Mietwagen. Diese Größe sorgt für enorme Reichweite, macht Booking aber gleichzeitig empfindlicher für Störungen des internationalen Reiseverkehrs.

Airbnb (US0090661010) handelt dagegen zunehmend die Möglichkeit, aus einer Plattform für private Unterkünfte ein umfassenderes Reiseangebot zu formen. Neben Häusern und Wohnungen sollen Erlebnisse, Dienstleistungen und ausgewählte Hotels zusätzliche Nachfrage auf die Plattform ziehen. Die bevorstehenden Zahlen werden deshalb nicht nur als Nachfrageindikator gelesen, sondern auch als Test dieser Erweiterungsstrategie.

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Am Freitag legten beide Aktien im US-Handel um rund zweieinhalb Prozent zu. Eine einzelne Tagesbewegung ist kurz vor den Geschäftszahlen jedoch wenig belastbar. Aussagekräftiger ist die unterschiedliche Erwartung: Booking muss eine vorsichtiger gewordene Jahresprognose stabilisieren, während Airbnb zeigen soll, dass die Fußball-WM und das wachsende Angebot mehr als einen vorübergehenden Sondereffekt erzeugt haben.

 

Die Weltmeisterschaft verteilt ihren Nutzen ungleich

 

Die Fußball-WM in Nordamerika brachte Millionen Reisende in die Gastgeberstädte und ließ die Preise vieler Unterkünfte steigen. Für klassische Hotelketten war das ein unmittelbarer Umsatzhebel. Bei den Onlineplattformen ist die Wirkung komplizierter, weil höhere Zimmerpreise nicht automatisch dauerhaft mehr Buchungsvolumen bedeuten.

Airbnb nutzte das Turnier besonders offensiv, um neue Gastgeber zu gewinnen. Nach Angaben des Unternehmens wurden seit Beginn der WM-Kampagne mehr als 100.000 Unterkünfte in den 16 Gastgeberstädten erstmals auf der Plattform angeboten. Darin liegt die strategische Bedeutung des Ereignisses: Ein Teil dieser neuen Gastgeber könnte auch nach dem Turnier aktiv bleiben und damit das Angebot dauerhaft vergrößern.

Booking profitiert ebenfalls von starken Hotelpreisen und internationaler Nachfrage. Der Konzern ist aber stärker von grenzüberschreitenden Reiseströmen und dem klassischen Hotelgeschäft abhängig. Der aktuelle Branchenausblick von Reuters verweist deshalb auf die Möglichkeit, dass Booking erneut vorsichtig prognostiziert, während Airbnb als einer der größeren Plattformgewinner der WM gelten könnte.

Ein kurzfristiger Preisschub in wenigen Städten ist allerdings noch kein struktureller Wachstumsschub. Entscheidend wird sein, wie sich die Buchungen außerhalb der WM-Standorte entwickelt haben und ob die Unternehmen für die kommenden Monate eine unverändert robuste Freizeitnachfrage sehen.

 

Booking hat bereits einen Teil seiner Sicherheit verloren

 

Booking lieferte im ersten Quartal zunächst starke Zahlen. Das Bruttobuchungsvolumen stieg gegenüber dem Vorjahr um 15 % auf 53,8 Mrd. US-Dollar. Die Zahl der gebuchten Übernachtungen nahm um 6 % auf rund 338 Mio. zu. Der Umsatz wuchs um etwa 16 % auf rund 5,5 Mrd. US-Dollar.

Die operative Entwicklung wurde jedoch von einer Prognosesenkung überschattet. Booking erwartet für 2026 nur noch ein Umsatzwachstum im hohen einstelligen Prozentbereich. Zuvor hatte das Management ein niedrig zweistelliges Wachstum in Aussicht gestellt. Als wesentlicher Grund wurden Reiseunterbrechungen infolge der militärischen Eskalation im Nahen Osten genannt.

Damit hat sich die Aufgabenstellung für die Veröffentlichung am 4. August verändert. Booking muss nicht nur Wachstum melden. Der Konzern muss erklären, ob die im Frühjahr beobachteten Stornierungen nachgelassen haben, ob sich wichtige Verbindungen zwischen Europa und Asien normalisieren und wie viel Belastung bereits in der Jahresprognose enthalten ist.

Hinzu kommt eine technische Veränderung, die beim Vergleich von Kursen berücksichtigt werden muss. Booking führte Anfang April einen Aktiensplit im Verhältnis 25 zu 1 durch. Historische Kursangaben vor und nach diesem Termin sind deshalb nur auf splitbereinigter Basis sinnvoll vergleichbar. Am Geschäftsmodell oder am Unternehmenswert änderte der Split nichts.

 

Der hohe Cashflow bleibt Bookings stärkstes Argument

 

Operativ besitzt Booking weiterhin eine Position, die nur schwer zu kopieren ist. Millionen Unterkünfte, eine hohe internationale Markenbekanntheit und ein breites Partnernetzwerk sorgen dafür, dass Kunden auf der Plattform auch dann Alternativen finden, wenn einzelne Regionen ausfallen. Zudem benötigt das Vermittlungsmodell vergleichsweise wenig eigenes Sachkapital.

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Der entscheidende Wettbewerb findet deshalb bei Reichweite, Konversion und Kundenbindung statt. Booking investiert viel Geld in Suchmaschinenwerbung, versucht zugleich aber, einen größeren Anteil der Nutzer direkt über die eigene App und das Genius-Treueprogramm zurückzuholen. Jeder Kunde, der ohne erneut bezahlte Suchmaschinenanzeige bucht, verbessert tendenziell die Wirtschaftlichkeit der Plattform.

Genau hier berührt die KI-Debatte das Geschäftsmodell. Digitale Reiseassistenten könnten Flüge, Hotels und Mietwagen künftig selbstständig vergleichen und zusammenstellen. Dadurch droht ein Teil der klassischen Such- und Aggregationsfunktion unsichtbar in einen KI-Agenten zu wandern. Booking kann zugleich von dieser Entwicklung profitieren, wenn die eigenen Daten, Preise und Buchungssysteme zu einem bevorzugten Bestandteil solcher Assistenten werden.

 

 

 

Airbnb wächst schneller und investiert in eine größere Erzählung

 

Airbnb kam mit mehr Dynamik aus dem ersten Quartal. Der Umsatz stieg um 18 % auf 2,7 Mrd. US-Dollar. Das Bruttobuchungsvolumen nahm um 19 % zu und erreichte nahezu 30 Mrd. US-Dollar. Die Zahl der gebuchten Übernachtungen und Sitzplätze wuchs um 9 %. Der bereinigte operative Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen erhöhte sich um 24 % auf 519 Mio. US-Dollar.

Auch die Prognose setzte einen anderen Akzent als bei Booking. Airbnb erwartet für das Gesamtjahr ein Umsatzwachstum im niedrigen bis mittleren Zehnprozentbereich und eine bereinigte EBITDA-Marge von mindestens 35 %. Für das zweite Quartal stellte das Unternehmen Erlöse zwischen 3,54 Mrd. und 3,60 Mrd. US-Dollar in Aussicht.

Die ausführliche Q1-Einordnung von Airbnb zeigt allerdings ebenfalls Belastungen durch den Nahostkonflikt. In Europa, dem Nahen Osten, Afrika und Teilen des asiatisch-pazifischen Raums waren die Stornierungen zeitweise erhöht. Airbnb kalkulierte für das zweite Quartal deshalb mit einem Gegenwind von ungefähr einem Prozentpunkt beim Buchungswachstum.

Das Modell erwies sich bislang als flexibel. Fallen einzelne Reiseziele aus, verlagern Gäste ihre Aufenthalte häufig in andere Regionen, anstatt die Reise vollständig zu streichen. Eine weltweit verteilte Zahl privater Unterkünfte kann solche Verschiebungen auffangen. Sie schützt Airbnb jedoch nicht vor einer allgemeinen Konsumschwäche.

 

Airbnb will nicht mehr nur eine Alternative zum Hotel sein

 

Der größte strategische Unterschied liegt im Umfang der Plattform. Airbnb erweitert sein Angebot um Erlebnisse, persönliche Dienstleistungen und unabhängige Hotels. Diese Angebote sollen nicht lediglich zusätzliche Gebühren erzeugen, sondern neue Nutzer in das Ökosystem ziehen.

Nach Unternehmensangaben bucht fast ein Viertel der Airbnb-Neukunden, die zunächst ein Erlebnis reservieren, später auch eine Unterkunft oder Dienstleistung. Rund ein Drittel der Nutzer eines Erlebnisses reserviert innerhalb von 90 Tagen zusätzlich einen Aufenthalt. Noch sind diese Bereiche im Verhältnis zum Kerngeschäft klein. Sie können aber den Wert eines Kunden erhöhen, wenn Airbnb an mehreren Teilen einer Reise verdient.

Auch Hotels werden nicht mehr grundsätzlich als Gegenmodell behandelt. Airbnb testet die Aufnahme kleiner und unabhängiger Häuser besonders in Städten, in denen private Kurzzeitvermietungen regulatorisch begrenzt sind. Rund 55 % der Gäste, die über Airbnb zunächst ein Hotel buchten, reservierten nach Unternehmensangaben innerhalb eines Jahres später auch eine private Unterkunft.

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Werbebanner EMH PM TradeDamit nähert sich Airbnb in Teilen ausgerechnet Booking an. Booking erweitert das klassische Unterkunftsgeschäft um Flüge, Mietwagen und andere Reiseleistungen. Airbnb öffnet seine bisher stärker abgegrenzte Plattform für Dienstleistungen und Hotels. Beide Unternehmen wollen einen größeren Anteil des Reisebudgets kontrollieren, starten aber von entgegengesetzten Seiten.

 

KI ist Effizienzprogramm und strategische Bedrohung zugleich

 

Airbnb setzt künstliche Intelligenz bereits sichtbar im Kundenservice ein. Im ersten Quartal wurden mehr als 40 % der über den KI-Assistenten eingehenden Anliegen ohne menschlichen Mitarbeiter gelöst. Die Kosten je Buchung sanken nach Unternehmensangaben um etwa 10 %. Zudem werde inzwischen ein großer Teil des von den Entwicklern erstellten Codes mithilfe von KI produziert.

Für Airbnb ist das zunächst ein Margenthema. Schnellere Produktentwicklung und günstigere Kundenbetreuung können das Wachstum unterstützen, ohne dass die Kosten im gleichen Tempo steigen. Für Booking liegt der mögliche Hebel ebenfalls in automatisiertem Service, personalisierten Angeboten und besserer Reiseplanung.

Langfristig ist KI aber mehr als ein internes Werkzeug. Sobald Nutzer ihre Reise nicht mehr auf einer Plattform suchen, sondern einem digitalen Agenten lediglich Budget, Zeitraum und Wünsche nennen, verschiebt sich der Zugang zum Kunden. Booking und Airbnb könnten dann zu Zulieferern für fremde Benutzeroberflächen werden.

Entscheidend ist daher, wem der Kunde vertraut und wer die Transaktion kontrolliert. Große Angebotsnetze, belastbare Bewertungen, Zahlungsabwicklung und Kundenservice bleiben wertvoll. Die bisherige Gewohnheit, eine bestimmte Reise-App direkt zu öffnen, könnte jedoch an Bedeutung verlieren.

 

Zwei Aktien, zwei unterschiedliche Prüfungen

 

Booking veröffentlicht seine Ergebnisse am 4. August, Airbnb folgt am 6. August. Bei Booking dürfte der Markt besonders auf die Entwicklung der Übernachtungen, mögliche Erholungstendenzen nach den Stornierungen im Frühjahr und die bestätigte oder veränderte Jahresprognose achten. Die starke Cash-Generierung ist bekannt. Der Konzern muss zeigen, dass das schwächere Wachstumssignal tatsächlich überwiegend geopolitisch und nicht strukturell bedingt war.

Airbnb wird stärker an der Qualität des Wachstums gemessen. Die WM dürfte Buchungen, Preise und neue Angebote gestützt haben. Interessanter ist jedoch, wie viele neue Gastgeber dauerhaft auf der Plattform bleiben, wie sich die Nachfrage außerhalb der Austragungsorte entwickelt und ob Services, Erlebnisse sowie Hotels bereits messbare Beiträge liefern.

Auch die Bewertung setzt unterschiedliche Maßstäbe. Booking wird eher als reifer, hochprofitabler Plattformkonzern betrachtet. Airbnb erhält einen größeren Teil seines Bewertungsaufschlags für schnelleres Wachstum und die Aussicht auf neue Geschäftsfelder. Dadurch kann eine schwächere Prognose bei Airbnb trotz guter Quartalszahlen stärker ins Gewicht fallen.

 

Die Reise bleibt gefragt, der Zugang zum Kunden wird umkämpfter

 

Die anstehenden Zahlen werden wahrscheinlich keine einfache Antwort darauf geben, welches Unternehmen den besseren Weg gewählt hat. Booking besitzt das breitere und bereits sehr profitable Reisegeschäft. Airbnb wächst schneller, erweitert sein Angebot und konnte Großereignisse besonders wirkungsvoll zur Gewinnung neuer Gastgeber nutzen.

Der gemeinsame Gegenwind kommt nicht nur aus Konjunktur und Geopolitik. Beide Plattformen müssen verhindern, dass Reiseplanung durch KI standardisiert und ihre eigene Marke dabei austauschbarer wird. Zugleich müssen sie Marketingkosten kontrollieren, regulatorische Beschränkungen bewältigen und Reisende trotz hoher Preise auf ihren Plattformen halten.

Für Booking steht Anfang August die Belastbarkeit einer Gewinnmaschine auf dem Prüfstand. Airbnb muss belegen, dass aus der WM-Reichweite und der erweiterten Produktpalette ein dauerhaft größeres Geschäft entsteht. Die Reiselust ist noch vorhanden. Neu verteilt wird jedoch, wer sie künftig in Buchungen, Kundentreue und freien Cashflow übersetzen kann.

 

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25.07.2026 - Christian Teitscheid

Unterschrift - Christian Teitscheid

 

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