Marktbericht Silber – Wo ist der Schwung? Wo ist die Seife auf dem Boden?
Die Handelswoche in Silber vom 20.07. – 24.07.2026
In der abgelaufenen Handelswoche hielt die makroökonomisch raue See an den Märkten weiter an. Gleichwohl konnte sich Silber wieder erholen und legte deutlich stärker zu als Gold. Aus charttechnischer Perspektive ist die Bedeutung dieser Erholung aber noch gering. Stattdessen hat sich die Indikatorenlage teilweise wieder eingetrübt, weshalb die Trendwende weiter verschoben wurde. Solange nicht ein wirklich signifikantes Ereignis eine Richtungsentscheidung über den mittelfristigen Trend trifft, bleiben neben längerfristiger Zuversicht kurzfristig Geduld und Vorsicht angebracht.
Die Handelswoche war vor allem durch eine anhaltende Eskalation am Persischen Golf, aber auch im Ukraine-Konflikt geprägt. Im Zuge dessen legte der Ölpreis weiter zu, die öffentlichen Renditen stiegen ebenfalls, und die Aktienmärkte gingen per Saldo schwächer ins Wochenende. Silber (TVC:SILVER) konnte sich in diesem Kontext wieder erholen und legte im Wochenvergleich von 55,90 USD auf 58,20 USD und damit um 4,1 % zu. Die Erholung fiel damit deutlich stärker aus als beim großen Bruder, was allerdings auch daran lag, dass Silber zuvor stärker nachgegeben hatte.
Silber hängt in den Chart-Seilen
Die in der Vorwoche gesehenen zaghaften Stabilisierungsansätze setzten sich zunächst auch in dieser Handelswoche fort. Silber hatte in der vergangenen Woche mit 54,78 USD ein neues Jahrestief markiert, konnte sich dann aber zu Beginn dieser Woche wieder deutlich davon lösen und markierte am Mittwoch mit 60,94 USD sein Wochenhoch. Danach tröpfelte es wieder ab und beendet die Handelswoche, ohne signifikante Chartsignale generiert zu haben.
Chart 1 zeigt die Entwicklung auf Wochencandle-Basis.
Es ist zu erkennen, dass der primäre mittelfristige Abwärtstrend aktuell bei rund 66,35 USD verläuft und damit noch einiges an Chartraum zu überwinden oder Chartzeit abzusitzen ist, bevor ein stärkeres dynamisches Kaufsignal generiert wird.
Die roten Kreise zeigen dabei, dass Silber am Freitag letzter Woche ziemlich genau auf der Unterstützung drehte, welche durch das Zwischenhoch vom 17.10.2025 bei 54,49 USD markiert wurde.
In der darauffolgenden Korrektur in der zweiten Oktoberhälfte 2025 fiel der Kurs dann wieder zurück bis auf 45,55 USD. Diese Marke ist als stärkere rote Horizontale markiert und stellt die nächste darunter liegende statische Unterstützung für Silber dar.
Es gehört zur analytischen Redlichkeit darauf hinzuweisen, dass aus statischer Sicht zwischen beiden Marken charttechnisch nur Gestrüpp wächst. In einem Szenario, in dem die Unterstützung bei 54,49 USD unterschritten würde, sollte man sich mental darauf einstellen, dass sich der Abwärtsimpuls stark beschleunigt und die Entwicklung Züge eines Ausverkaufs annimmt!
Dieser Ausverkauf passt zu einer Mustervermutung, die Silber bereits im März 2020 gezeigt hat und welche auf Tagesschlusskurs-Basis ein massives Verkaufssignal generierte, auf Wochenschlusskurs-Basis jedoch nicht.
Wie hoch die Wahrscheinlichkeit für dieses Szenario ist, bleibt aktuell völlig offen. Es ist aber auch kein 6-Sigma-Ereignis!
Denn bislang fehlt es dem Silberchart schlicht an Symmetrie, einer wichtigen Eigenschaft stabiler Chartmuster. Daneben fühlt sich die aktuelle Chartlage an wie in einer Zwielicht-Zone. Die Umsätze sind weder signifikant erhöht noch signifikant niedrig und taugen nicht wirklich zur Bestätigung von potenziellen Chartsignalen.
Hinzu kommt die in Chart 2 dargestellte Indikatorenlage des Stochastic RSI.
Im oberen Teil des Charts ist Silber auf Tagescandle-Basis dargestellt, im unteren Teil der Stochastic RSI.
Verbunden werden die beiden Teile informell mit roten gestrichelten Vertikalen. Diese markieren die meisten jener Punkte im unteren Teil, bei denen die schnelle blaue Linie die langsame orangene von oben nach unten schneidet.
Betrachtet man nun die Kursentwicklung direkt nach diesen Schnittpunkten, so zeigt sich, dass dieser Indikator in den letzten Monaten mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Abwärtsimpuls angekündigt hat.
Hinzu kommt, dass beide Linien sich aktuell direkt an der Grenze zum überkauften Bereich befinden und die blaue Linie die orangene am Montag von oben nach unten schneiden dürfte. Es ist also auf Basis dieser Indikatorenlage zu vermuten, dass die Kursentwicklung in der kommenden Woche von Abwärtsimpulsen geprägt ist. Ob diese ausreichen, die genannte Unterstützung zu testen, bleibt zwar offen. Das beschriebene Risiko unterhalb der Marke von 54,49 USD wird aber durch den Stochastic RSI konkretisiert!
Dies ändert natürlich nichts an den im vergangenen Wochenbericht konstatierten Lage, dass Silber bereits eine deutliche Korrektur hinter sich hat und sich in den letzten Zügen seiner Bodenbildung befindet.
Dies schließt aber eben nicht aus, dass Silber nochmals die ,,Drama-Queen‘‘ gibt und sich das ,,Slingshot-Szenario‘‘ (Peitschenschlag-Szenario) entfaltet. Dabei fällt Silber unter 54,49 USD, beschleunigt dadurch seine Abwärtsbewegung, es fällt unter 50 USD und viele Investoren kapitulieren und verkaufen. Dabei explodieren die Umsätze. Oberhalb von 45,55 USD kommt es dann zu einem ,,Intraday-Reversal‘‘, und Silber schließt auf Wochenschlusskurs-Basis wieder über 54,49 USD.
Dieses Ausverkaufs-Szenario liegt in der Luft und hat eine Wahrscheinlichkeit von mehr als 6 Sigma!
Einer der Auslöser dafür könnte ein schnell deutlich aufwertender US-Dollar sein.
Dass Silber auch im Vergleich zu seinen Schwestermetallen derzeit eine Schwächephase durchmacht, zeigt schließlich Chart 3.
Dabei wird deutlich, dass Silber in den letzten Wochen eine relative Schwäche zeigt, die sich in einem Ausverkaufs-Szenario verstärkend auf eine potenzielle Abwärtsbewegung auswirken würde.
Dieses ist allerdings nur eines der möglichen Szenarien. Sollte Silber in der vergangenen Woche sein Korrekturtief gesehen haben, wird es in einer Seitwärtsbewegung auch ohne hohe Symmetrie eines wie auch immer gearteten Kursbodens ein Kaufsignal generieren, da es seine verschiedenen Abwärtstrend-Linien in nächster Zukunft schneiden wird.
Zudem kann Silber gegenüber den anderen Edelmetallen jederzeit durch neue (geopolitische und monetäre) Impulse neue relative Stärke erlangen.
Wie könnte es in der nächsten Woche weitergehen?
Sah es bei Silber in der vergangenen Woche noch so aus, als wäre der nächste Impuls einer nach oben, so zeigt die insgesamt schwache Entwicklung ab der Wochenmitte, dass das Fehlerrisiko optimistischer Kursprognosen weiter hoch ist.
Die fehlende Mustersymmetrie, die lauwarmen Umsätze und ein riskanter Stochastic RSI verdeutlichen die Risiken der aktuellen Chartsituation. Dagegen sprechen die bisher schon ausgedehnte Korrektur und die Tatsache, dass die Unterstützung bei 54,49 USD bisher gehalten hat, dafür, dass Silber oberhalb dieser Marke seinen Korrekturboden findet.
Im Ergebnis bleibt festzuhalten: Solange nicht ein wirklich signifikantes Ereignis eine Richtungsentscheidung über den mittelfristigen Trend getroffen hat, bleiben bei Silber neben mittelfristiger und langfristiger Zuversicht kurzfristig Geduld und Vorsicht geboten!
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25.07.2026 - Arndt Kümpel

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