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Chinas Ölimporte 2020 – ein Blick in den Rückspiegel

Chinesische Rohölimporte sinken – nur ein Luftloch im Aufwärtstrend?

 

China und seine Ölimporte spielen für die mittelfristige Marktdynamik eine bedeutende Rolle. Deshalb sind die Importzahlen aus Peking ein Hinweis darauf, wie es um die volkswirtschaftliche Dynamik insgesamt im Reich der Mitte bestellt ist, aber auch dafür, wie opportunistisch der Ansatz Chinas auf dem Rohstoffmarkt ist.

Das muss nicht negativ sein, denn bei einer Verbesserung des Verhältnisses von Ein- und Ausfuhrpreisen, auch Terms of Trade genannt, entscheiden eher die limitierenden Faktoren wie Lagerkapazitäten darüber, inwieweit man Energiekosten sparen kann. Denn auch hier gilt: Vermiedene Kosten sind die schönsten Gewinne!

Im Dezember hat China, wie neueste Statistiken zeigen, 9,1 Mio. Barrel täglich so wenig Rohöl eingeführt wie zuletzt im September 2018. Die Importe sind im Vergleich zum Vormonat um fast 18 % und um 15,4 % gegenüber dem Vorjahr gefallen. Nicht nur die schon ausgeschöpfte Importquote seitens einiger unabhängiger Raffinerien war für den starken Rückgang verantwortlich, sondern auch die riesigen Importvolumen von Mai und September 2020.

Damals nutzte China den Absturz des Ölpreises durch den Corona-Schock, im Mai profitierte es vom Preiskrieg zwischen Saudi-Arabien und Russland, in dessen Folge Saudi-Arabien seinen Kunden großzügige Preisabschläge zugestand, um die Position Russlands zu schwächen und es wieder an den Verhandlungstisch zu zwingen.

Im Zuge dieser opportunistischen Käufe sind die Juni-Öllieferungen nach China im Jahresvergleich um 34,4 % auf einen Rekordwert von umgerechnet fast 13 Mio. Barrel täglich gestiegen. Deshalb beliefen sich die Rohölimporte Chinas im Gesamtjahr 2020 auf umgerechnet 10,86 Mio. Barrel täglich, ebenfalls ein Rekordniveau und ein Anstieg um 7 % gegenüber dem Vorjahr.

Die aktuelle Motivationslage Chinas bei seinen Ölimporten dürfte wohl eine Mischung aus strategischer Lagerhaltung und Spekulation sein. Sollte dies zutreffen, ist von einer Abflachung der Importdynamik auszugehen.

Hinzu kommt, dass sich der Ölpreis in den vergangenen Wochen wieder stark erholt hat und sich im Zuge dessen die ,,Terms of Trade‘‘ für China wieder verschlechtert haben. Zwar ist der deutliche Anstieg des Yuan – Wechselkurses gegen den US-Dollar eine Hilfe auf der Yuan – Rechnung. Allerdings werden die weltweiten Ölimporte immer noch primär in US-Dollar berechnet. Eine Baustelle, an der Peking bereits seit Längerem arbeitet. Um den Ölförderländern den Yuan schmackhafter zu machen, könnte die Möglichkeit, die Öleinnahmen in Yuan an der Schanghaier Börse in Gold einzutauschen, zukünftig eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen.

 

 

Ein Blick auf die Entwicklung des Ölpreises der Sorte Brent zeigt, dass der Ölpreis an der zuletzt beschriebenen Widerstandslinie angekommen ist, welche sich aus seinem mittelfristigen Abwärtstrend ergibt. Aus charttechnischer Sicht ist deshalb zumindest kurzfristig eine Konsolidierung des letzten Aufwärtsimpulses zu erwarten.

 

Fazit

 

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Werbebanner Zürcher BörsenbriefeDie Ölimporte Chinas basieren auf einem opportunistischen Ansatz, die Terms of Trade zu nutzen. Hierbei bilden die Lagerkapazitäten einen Engpassfaktor, die reale effektive Nachfrage im Inland dürfte mittelfristig das höhere Gewicht haben. Kurzfristig ist mit einer Abschwächung der Importdynamik zu rechnen, was nicht zuletzt dem wieder deutlich höheren Ölpreis zuzuschreiben ist, der Basiseffekt gegenüber dem Vorjahr kommt hinzu.

 

14.01.2020 - Arndt Kümpel - ak@ntg24.de

 






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