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Zalando entdeckt die Logistik als Wachstumstreiber

Nach enttäuschenden Q2-Erwartungen richtet sich der Blick auf ZEOS, ABOUT YOU und die Frage, ob aus Zalando mehr als ein Modehändler werden kann

NTG24 - Zalando entdeckt die Logistik als Wachstumstreiber

 

Zalando brauchte nach den Halbjahreszahlen dringend eine Nachricht, die den Blick wieder nach vorne richtet. Der kräftige Kursrückgang Anfang August hatte gezeigt, wie empfindlich Anleger inzwischen auf schwächere Konsumsignale reagieren. Nun liefert ausgerechnet das Geschäft abseits des klassischen Modeverkaufs ein Gegenargument: Marks & Spencer lässt sein europäisches Onlinegeschäft künftig über Zalandos Logistikplattform abwickeln. Damit bekommt die strategische Verschiebung Richtung B2B plötzlich mehr Gewicht.

Zalando (DE000ZAL1111) wird damit zunehmend an zwei sehr unterschiedlichen Geschichten gemessen. Auf der einen Seite steht das bekannte Endkundengeschäft, das unter vorsichtigen und preissensiblen Verbrauchern leidet. Auf der anderen Seite entstehen mit ZEOS, SCAYLE und der Integration von ABOUT YOU Geschäftsbereiche, die stärker von Software, Logistik und Dienstleistungen leben.

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Der neue Vertrag mit Marks & Spencer passt genau in diese zweite Erzählung. Nach einem Test in Polen soll Zalando Direktbestellungen des britischen Einzelhändlers in 22 kontinentaleuropäischen Märkten abwickeln. Dazu gehören unter anderem Deutschland, Frankreich, Spanien und die Niederlande. Marks & Spencer verspricht sich davon schnellere Lieferungen und Retouren sowie deutlich niedrigere Logistikkosten.

Für Zalando ist das interessanter als ein zusätzlicher Händler auf dem eigenen Marktplatz. ZEOS verdient auch dann Geld, wenn die Ware über fremde Onlineshops verkauft wird. Der Konzern versucht damit, seine über Jahre aufgebaute Infrastruktur selbst zum Produkt zu machen.

 

Der Kursschock Anfang August hatte einen guten Grund

 

Diese neue Fantasie trifft allerdings auf einen angeschlagenen Börsenwert. Nach Vorlage der Zahlen am 4. August brach Zalando zeitweise deutlich ein. Der Auslöser war weniger das ausgewiesene Wachstum als die Qualität dahinter. Das Management erwartet GMV und Umsatz 2026 nur noch in der unteren Hälfte der bisherigen Wachstumsspanne von 12 % bis 17 %.

Reuters verwies vor allem auf die zurückhaltenden Konsumenten und eine schwächere Dynamik im Endkundengeschäft. Finanzchefin Anna Dimitrova beschrieb die Verbraucher als vorsichtig und preissensibel. Besonders in einzelnen Kategorien wie Sneakern blieb die Nachfrage schwach. Der Bericht zur Marktreaktion nach den Q2-Zahlen zeigt, weshalb der Kurs trotz hoher ausgewiesener Wachstumsraten unter Druck geriet.

Inzwischen hat sich die Aktie wieder etwas gefangen und bewegt sich im Bereich von rund 23 Euro. Das bleibt jedoch deutlich unter den Hochs der vergangenen zwölf Monate. Der Markt hat Zalando damit einen Teil des Integrations- und Wachstumsvorschusses wieder genommen.

Das ist durchaus nachvollziehbar. Nach der ABOUT-YOU-Übernahme sehen die ausgewiesenen Wachstumszahlen beeindruckend aus, sie lassen sich aber nicht eins zu eins als organische Beschleunigung lesen. Im zweiten Quartal stieg das Konzern-GMV um 20,7 % auf 4,9 Mrd. Euro, der Umsatz erreichte rund 3,4 Mrd. Euro. Pro forma, also unter Berücksichtigung von ABOUT YOU in der Vergleichsbasis, fiel die Wachstumsdynamik deutlich moderater aus.

 

B2B entwickelt sich vom Nebengeschäft zum Bewertungsargument

 

Genau deshalb verdient das Firmenkundengeschäft mehr Aufmerksamkeit. Der B2B-Umsatz erhöhte sich im zweiten Quartal auf 335 Mio. Euro und damit ausgewiesen um 27,6 %. Noch interessanter war die Profitabilität: Das bereinigte EBIT stieg von 11 Mio. auf 41 Mio. Euro, die bereinigte Marge sprang von 4,3 % auf 12,2 %.

Die Q2-Zahlen von Zalando zeigen damit eine Verschiebung, die für die Aktie langfristig wichtiger werden könnte als einzelne Modetrends. ZEOS öffnet Logistik und Fulfilment für externe Händler, während SCAYLE Software für deren eigene E-Commerce-Angebote liefert. Zalando versucht also, an einer Bestellung zu verdienen, ohne zwingend selbst der Verkaufskanal zu sein.

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Marks & Spencer ist dafür ein guter Referenzkunde. Die Zusammenarbeit wurde bereits angekündigt und wird nun nach dem erfolgreichen Test breiter ausgerollt. Wenn solche Verträge skalieren, könnte Zalando aus seinen hohen Fixkosten für Lager, IT und Logistik einen Vorteil machen: Mehr Volumen läuft über eine Infrastruktur, die ohnehin existiert.

 

 

 

ABOUT YOU liefert Synergien, löst aber das Nachfrageproblem nicht

 

Auch bei der Integration von ABOUT YOU gibt es Fortschritte. Im zweiten Quartal steuerten die Synergien bereits mehr als 10 Mio. Euro zum bereinigten Ergebnis bei. Insgesamt erreichte Zalando ein bereinigtes EBIT von knapp 205 Mio. Euro, rund 10 % mehr als im Vorjahr. Die Konzernmarge lag bei 6,0 %, während das eigenständige Zalando-Geschäft auf 6,6 % kam.

Für das Gesamtjahr wurde die Gewinnprognose von zuvor 660 bis 740 Mio. Euro auf 680 bis 720 Mio. Euro eingeengt. Das ist keine klassische Gewinnwarnung. Trotzdem sendete Zalando Anfang August ein klares Signal: Der europäische Modekonsum läuft nicht kräftig genug, um die obere Hälfte der bisherigen Umsatz- und GMV-Ziele wahrscheinlich erscheinen zu lassen.

Genau darin steckt das Kursparadox. Operativ verbessert Zalando Prozesse, integriert ABOUT YOU und baut ein profitableres B2B-Geschäft auf. Gleichzeitig bleibt das wichtigste Volumengeschäft vom Konsumklima abhängig. KI kann Empfehlungen verbessern, Content günstiger produzieren und Logistik effizienter machen. Sie kann aber keinen Kunden zum Kauf zwingen, der sein verfügbares Einkommen zurückhält.

 

Die Aktie braucht eine andere Wachstumsqualität

 

Für Zalando wird deshalb weniger entscheidend sein, ob das ausgewiesene Wachstum durch die Konsolidierung von ABOUT YOU weiterhin zweistellig aussieht. Interessanter ist, wie schnell die neuen Geschäftsmodelle an Bedeutung gewinnen. Ein B2B-Bereich mit zweistelliger Marge, größere Fulfilment-Verträge und margenstarke SCAYLE-Umsätze könnten das Ergebnisprofil des Konzerns langfristig verändern.

Der M&S-Deal kommt damit zum richtigen Zeitpunkt. Er widerlegt nicht die Sorgen über schwache Konsumenten, zeigt aber, dass Zalando einen zweiten Wachstumsmotor aufbaut. Genau dieser Unterschied könnte für die Bewertung wichtiger werden: Der Konzern wäre dann nicht länger nur davon abhängig, wie viele Schuhe, Jacken oder Kleider europäische Verbraucher über seine Apps bestellen.

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Werbebanner Zürcher Börsenbriefe Special 4 kleinNach dem Kursschock bleibt die Aktie dennoch eine Geduldsprobe. Die Integration muss weitere Synergien liefern, das B2C-Geschäft darf nicht stärker abbremsen und ZEOS muss beweisen, dass große Namen wie Marks & Spencer nicht nur Referenzen, sondern relevante Ergebnisbeiträge bringen. Gelingt das, könnte der August-Rückschlag rückblickend weniger als Scheitern der Wachstumsstory erscheinen, sondern als Moment, in dem der Markt erstmals genauer zwischen Zalandos altem und neuem Geschäft unterschieden hat.

 

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26.08.2026 - Christian Teitscheid

Unterschrift - Christian Teitscheid

 

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