Uber wächst – und nimmt für die nächste Wette viel Geld in die Hand
Das Plattformgeschäft liefert inzwischen Milliarden an freiem Cashflow, während autonome Fahrzeuge und die geplante Delivery-Hero-Übernahme den Kapitalbedarf deutlich erhöhen
Uber hat ein Problem, das noch vor wenigen Jahren kaum vorstellbar gewesen wäre: Das operative Geschäft funktioniert inzwischen so gut, dass sich die Börse stärker mit der Verwendung des erwirtschafteten Geldes beschäftigt als mit der Frage, ob das Geschäftsmodell überhaupt profitabel werden kann. Genau deshalb treffen starke Quartalszahlen derzeit auf Skepsis gegenüber den milliardenschweren Ambitionen bei Robotaxis und Essenslieferungen.
Uber Technologies (US90353T1007) lieferte im zweiten Quartal 2026 Bruttobuchungen von 58,0 Mrd. US-Dollar. Das entsprach einem Wachstum von 24 % beziehungsweise 22 % auf währungsbereinigter Basis. Die Zahl der Fahrten und Bestellungen stieg um 18 % auf knapp 3,9 Mrd. Noch stärker entwickelte sich die Ertragsseite: Das bereinigte EBITDA legte um 33 % auf 2,82 Mrd. US-Dollar zu.
Damit ist Uber längst keine reine Wachstumsstory mehr. Der freie Cashflow erreichte im Quartal 2,79 Mrd. US-Dollar und überschritt auf Sicht der vergangenen zwölf Monate erstmals 10 Mrd. US-Dollar. Genau diese Finanzkraft eröffnet CEO Dara Khosrowshahi nun allerdings die Möglichkeit, gleich mehrere große strategische Wetten gleichzeitig einzugehen.
Das Kerngeschäft liefert schneller als die Umsätze wachsen
Der Umsatz stieg im zweiten Quartal um 12 % auf 14,19 Mrd. US-Dollar. Aussagekräftiger ist derzeit jedoch die Entwicklung der Profitabilität. Das operative Ergebnis nach GAAP erreichte 1,89 Mrd. US-Dollar und lag 30 % über dem Vorjahreswert. Das Non-GAAP Operating Income sprang sogar um 40 % auf 2,14 Mrd. US-Dollar.
Auch die Plattform selbst wächst weiterhin breit. Mobility erreichte Bruttobuchungen von 28,99 Mrd. US-Dollar, Delivery kam auf 27,46 Mrd. US-Dollar. Beide Bereiche liegen damit inzwischen fast auf Augenhöhe. Die Zahl der monatlich aktiven Plattformkunden stieg auf 208 Mio. Die vollständigen Kennzahlen zeigt die Q2-Mitteilung von Uber.
Gerade diese Mischung macht die aktuelle Position stark. Uber hängt nicht mehr ausschließlich an der klassischen Personenbeförderung. Kunden, Fahrer, Restaurants und Händler werden über dieselbe Plattform miteinander verbunden, während die Infrastrukturkosten nicht im gleichen Tempo wie die Buchungen wachsen müssen.
Dieser Skaleneffekt ist inzwischen der wichtigste Unterschied zum Uber früherer Jahre. Wachstum wird nicht mehr überwiegend mit immer höheren Verlusten erkauft. Es produziert zusätzliches Ergebnis und Cash. Das macht allerdings auch Investitionsentscheidungen wichtiger, weil Anleger nun konkret bewerten können, welche Rendite Uber mit seinen Milliarden erwirtschaftet.
Robotaxis werden vom Risiko zur Kapitalfrage
Genau hier liegt derzeit der größte Unsicherheitsfaktor. Uber will sich als zentrale Vermittlungsplattform für autonome Fahrzeuge positionieren und hat angekündigt, dafür in den kommenden Jahren mehr als 10 Mrd. US-Dollar einsetzen zu können. Das Geld soll unter anderem in Beteiligungen an Technologiepartnern und in den Aufbau beziehungsweise Betrieb autonomer Flotten fließen.
Die Strategie gewinnt gleichzeitig sichtbar an Substanz. Mitte August wurde die Kooperation mit Pony.ai auf mehr als 2.000 geplante Robotaxis in Europa ausgeweitet. Wenige Tage später starteten Fahrzeuge von Baidus Apollo Go über die Uber-App vollständig fahrerlos in Dubai. Mit Wayve, Nuro, Lucid und weiteren Partnern entstehen zusätzliche Projekte.
Das verändert die frühere Robotaxi-Bedrohung für Uber. Sollte autonomes Fahren tatsächlich einen erheblichen Teil des Mobilitätsmarktes übernehmen, will Uber nicht gegen die Technologie kämpfen, sondern deren Nachfrageplattform stellen. Allerdings wird dieser Übergang teuer. Aus einem vergleichsweise kapitalarmen Vermittlungsmodell könnte zumindest teilweise wieder ein Geschäft mit Flotten, Depots und langfristig gebundenem Kapital werden.
Delivery Hero macht die Strategie noch größer
Parallel dazu will Uber mit der geplanten Übernahme von Delivery Hero seine Position im Liefergeschäft massiv ausbauen. Das im Juli angekündigte Geschäft hat ein Volumen von rund 14,8 Mrd. US-Dollar und würde Uber vor allem in Europa, dem Nahen Osten, Asien und Lateinamerika zusätzliche Reichweite verschaffen.
Strategisch passt die Transaktion zur Plattformlogik. Je mehr Nutzer Uber nicht nur für Fahrten, sondern auch für Essen, Handel und weitere Dienstleistungen verwenden, desto wertvoller werden Kundenbeziehung und Netzwerkeffekt. Gleichzeitig steigt mit einer Übernahme dieser Größenordnung das Integrations- und regulatorische Risiko. Der angekündigte Delivery-Hero-Deal dürfte zudem einen längeren Genehmigungsprozess durchlaufen.
Das macht die Kapitalallokation zum neuen Kern der Uber-Story. Der Konzern produziert genügend Cash, um offensiver zu investieren. Doch Robotaxis, Übernahmen und Aktienrückkäufe konkurrieren nun um denselben finanziellen Spielraum.
Der Ausblick war gut – aber nicht gut genug für jeden Anleger
Für das dritte Quartal erwartet Uber Bruttobuchungen zwischen 58,25 Mrd. und 60,25 Mrd. US-Dollar. Das entspräche währungsbereinigt einem Wachstum von 18 bis 22 %. Das bereinigte EBITDA soll zwischen 2,86 Mrd. und 2,96 Mrd. US-Dollar liegen. Beim Non-GAAP-Ergebnis je Aktie erwartet das Unternehmen 0,84 bis 0,88 US-Dollar.
Gerade diese Prognose zeigte nach Vorlage der Zahlen, wie anspruchsvoll die Börse inzwischen geworden ist. Die Aktie reagierte zunächst schwach, weil die Ergebniserwartung leicht unter den Markterwartungen lag und gleichzeitig die hohen Robotaxi-Investitionen in den Vordergrund rückten. Zuletzt konnte sich der Titel wieder erholen; am 25. August schloss Uber in New York bei 80,35 US-Dollar. Damit blieb die Aktie allerdings weiterhin deutlich unter ihrem 52-Wochen-Hoch.
Das ist eine bemerkenswerte Verschiebung. Früher musste Uber beweisen, dass Wachstum überhaupt profitabel werden kann. Heute muss das Unternehmen erklären, warum es einen Teil dieser Profitabilität wieder offensiv investiert.
Uber ist stärker geworden – aber auch schwieriger zu bewerten
Operativ gibt es derzeit wenig Anlass, das Plattformmodell grundsätzlich infrage zu stellen. Nutzerzahl, Buchungsvolumen, EBITDA und Free Cashflow wachsen gleichzeitig. Damit verfügt Uber über eine finanzielle Qualität, die während großer Teile seiner Börsengeschichte fehlte.
Die nächste Phase ist dennoch nicht automatisch risikoärmer. Das Unternehmen baut gleichzeitig das Liefergeschäft aus und positioniert sich für eine Verkehrswelt, in der immer mehr Fahrzeuge ohne Fahrer unterwegs sein könnten. Gelingt diese Strategie, könnte Uber seine Rolle vom Fahrdienstvermittler zur globalen Mobilitäts- und Lieferinfrastruktur ausbauen. Misslingt sie, würden aus dem heute beeindruckenden Cashflow schnell kostspielige strategische Wetten.
Für die Aktie ist deshalb nicht mehr entscheidend, ob Uber Geld verdienen kann. Das ist inzwischen beantwortet. Entscheidend wird, wie gut der Konzern dieses Geld einsetzt.
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26.08.2026 - Christian Teitscheid

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