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Nigerianischer Naira wieder unter Druck

Nigerianischer Naira und der Ölschock

 

Nigeria ist eines jener Länder, die ein Beispiel für die Kombination aus zu geringer Dekonzentration bei der Entstehung des BIP und den daraus resultierenden Problemen ihrer Währungen sind.

Die Währung Nigerias, der Naira, wurde 1973 im Zuge der Entkolonialisierung im Verhältnis von 2 Naira zu je einem britischen Pfund eingeführt.

Die folgenden Jahrzehnte sahen eine anhaltende Inflation, die zu einer stetigen realen Abwertung der Währung führte. Zinserhöhungen sollten die Inflation in Grenzen halten, die mit einer unvollendeten Liberalisierung der Volkswirtschaft einherging.

 Im Juni 2016 gab die Zentralbank Nigerias den Wechselkurs des Naira frei, nachdem er zuvor einige Zeit fix an den US-Dollar gebunden war (s. Grafik). Die Interventionen der Zentralbank zur Aufrechterhaltung des Pegs blieben allerdings erfolglos, und nach Freigabe des Wechselkurses wertete der Naira dramatisch ab.

 

Naira

 

Ein Blick auf die in der Grafik gekennzeichneten gelben Phasen zeigt zudem, dass der Naira immer dann zur Schwäche neigte, wenn der Ölpreis fiel und im Zuge dessen die Deviseneinnahmen Nigerias fielen. Ergebnis: Eine stark erhöhte Verwendungskonkurrenz dieser Deviseneinnahmen zwischen notwendigen Importen, Schuldendienst und politisch gewollter (Schein-)Stabilisierung des Wechselkurses zur Kontrolle der Inflation. Nigeria erzielt rund 90 % seiner Deviseneinnahmen mit dem Verkauf von Öl.

Damit befindet sich die größte Volkswirtschaft Afrikas nach wie vor in einer strategisch heiklen Abhängigkeit von seinem Ölreichtum, der zudem nur einer geringen Schicht zugutekommt.

Zusammen mit der Corona-Pandemie, die die operative Abwicklung verlangsamt, bekommt Nigeria also gerade einen ökonomischen Double-Whammy, also einen Doppelschlag, ab.

 

Öl

Bildnachweis: © Fotograf - Zbynek Burival

 

Um im aktuellen Preiskampf am Ölmarkt genug Abnehmer für sein Öl zu finden, bietet Nigeria aktuell einen Discount auf den Ölpreis von bis zu 10 US-Dollar unter dem Preis der Ölsorte Brent.

Im April teile die Nachrichtenagentur Bloomberg mit, dass der Preis für nigerianisches Rohöl bei rund 12 US-Dollar liegt. Dies ist meilenweit von den 57 US-Dollar entfernt, die die Regierung Nigerias in ihrer Kalkulation im Staatshaushalt angesetzt hat, bevor die Corona-Krise ausbrach.

Die Produktionskosten für nigerianisches Öl liegen zudem relativ hoch und schwanken zwischen 15 Dollar und 30 Dollar, denn eine grassierende Korruption, ein weitverbreiteter Öldiebstahl und in der Folge hohe Sicherheitsaufwendungen verteuern die Förderkosten. Es wundert deshalb nicht, dass das Land aktuell an einem Barrel seines ,,schwarzen Goldes‘‘ kaum etwas verdient.

Und so fällt die aktuelle Wirtschaftskrise mit einem Einbruch bei den Öleinnahmen um rund 80 % zusammen, wie die Regierung in der vergangenen Woche mitteilte. Der IWF prognostiziert für dieses Jahr einen Rückgang des nigerianischen BIP’S von 3,4 %.

Es überrascht deshalb nicht, dass die nötigen Investitionen in die Ölindustrie faktisch zum Stillstand gekommen sind, was die mittelfristigen Perspektiven für das Land und damit auch den Naira weiter verdüstert.

Denn ein Überschwappen der Krise auf den Bankensektor ist sehr wahrscheinlich geworden. Die inländischen Ölproduzenten können bald schon ihre Schulden nicht mehr bedienen, was die Kapitalbasis der Banken gefährdet. Wie die südafrikanische Nachrichtenagentur Eye Witness schätzt, sind rund 30 % der gesamten Kredite in den Büchern nigerianischer Banken an den Ölsektor ausgegeben worden.

 

Fazit

 

Nigeria leidet derzeit nicht nur an dem niedrigen Ölpreis, sondern auch an den Folgen der Fehlentscheidung, sich von der Ölförderung strategisch zu lösen. Dies hat es mit Russland, Saudi-Arabien und Venezuela gemeinsam. Der Naira spiegelt damit also mindestens zwei Faktoren wider, von denen der letztere durchaus zu ändern wäre. Bis dahin wird der Abwertungsdruck des inzwischen frei handelnden Naira weiter anhalten. Wir raten deshalb bei bestehenden Positionen zu einer Absicherung.

 

19.05.2020 - Arndt Kümpel - ak@ntg24.de

 






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