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Dexcom / Insulet: Weltpioniere in mobiler Diabetes-Überwachung

Anhaltender Boom in Diabetes-Diagnostik

 

Eine der schwerwiegendsten und in ihrer Ausbreitung auch künftig kaum gebremsten Zivilisationskrankheiten wird in den nächsten Jahren angesichts fortgesetzt ungesunder Ernährungsweisen wie auch zusätzlicher allgemeiner umweltbedingter Stresserscheinungen ohne Frage auch weiterhin das Auftreten von Zuckerkrankheiten (Diabetes mellitus Typ I + II) bleiben.

So erwartet die INTERNATIONAL DIABETES FEDERATION (IDF) im Rahmen ihrer 2019er Jahresstudie, dass von Ende 2019 (global 463 Mio. Erkrankungen im Patientenalter 20 – 79 Jahre) bis 2045 die Anzahl an Diabetes Typ I + II -Patienten weltweit um über 50 % auf rd. 700 Mio. Patienten ansteigen wird, wobei die hierbei in absoluten Erkrankungsfällen noch stark führende USA künftig zunehmend durch eine immer rasantere Diabetes-Ausbreitung vor allem in Schwellenländern (wegen unweigerlich wachsenden „Zivilisationseffekts“) abgelöst werden wird.

Was jedoch aktuell noch alarmierender ist: Nach Erhebungen der IDF wird einerseits der relative Anteil von Diabetes II (= der sog. Zivilisations- oder Altersdiabetes) gegenüber Diabetes I - Patienten (= der angeborenen, stoffwechselbedingten Störung des Insulin-Haushalts) in nahezu allen Ländern weiter kontinuierlich zunehmen, jedoch wurden 50 % aller o.g. registrierten Erkrankungsfälle (= 232 Mio. per Ende 2019) erstmals allein nach zufälligen ärztlichen Routinechecks diagnostiziert, ohne dass der Patient bis dahin die geringsten Anhaltspunkte für das Vorliegen einer Diabetes-Erkrankung sah.

Folglich geht der IDF aktuell über diese offiziellen Zahlen und Prognosen gerade im Bereich der Diabetes II - Erkrankungen noch von einer immensen Dunkelziffer bisher gar nicht diagnostizierter, in Wirklichkeit aber bereits vorliegenden Diabetes-Erscheinungen aus, so dass über die Zahl der effektiven, weltweit vorliegenden Diabetesfälle aktuell wie aber auch künftig kaum eine stichhaltig zutreffende Gesamtzahlangabe gemacht werden kann.

Daher, so das abschließende Statement des IDF, wird erst recht in der künftig weiter erhöhten globalen Ausbreitung von Diabetes (und dies gerade auch in medizintechnisch unterversorgten Schwellenländern) der frühestmöglichen Ärzte- wie aber auch eigenen Selbstdiagnostik von Entgleisungen des Insulinstoffwechsels nun eine immer entscheidendere Bedeutung zukommen, um nachhaltige Gesundheitsschädigungen sowie entsprechende immense staatliche Gesundheitsbudgetbelastungen hierdurch bestmöglich zu vermeiden.

Genau in diese, noch immer sehr verbreitete Lücke gerade eigenständiger Selbstdiagnosen von Zucker-/Insulinspiegeln sowie der Akutbehandlungen von Zuckererkrankungen/-schocks stoßen nun schon seit Jahren mit gewaltigen und dabei sehr stabilen Umsatz- und Gewinnwachstumsraten zwei absolute Weltpioniere solcher mobilen, privaten Überwachungs-, Diagnose- und Akutbehandlungs-Verfahren, und zwar die US-amerikanischen Konzerne DEXCOM (US2521311074) und INSULET (US45784P1012).

Wir werden die Geschäfts- und Aktienprofile beider sehr zukunftsträchtiger Konzerne daher nun nachstehend näher vorstellen.

 

Geschäfts- und Aktienprofil DEXCOM

 

Die 1999 gegründete und in San Diego / Kalifornien ansässige DEXCOM INC. ist der unbestrittene Weltpionier und Marktführer in der seinerzeit erstmaligen mobilen Glucose-/Blutzuckermessung (ehemals mittels kleiner portabler Taschenmonitore, mittlerweile jedoch schon längst hauptsächlich über Smartphone-Apps) und bringt es in dieser Weltmarktdominanz aktuell bereits auf eine sehr stattliche Aktienmarktkapitalisierung von 43 Mrd. USD.

Das Unternehmen konzentriert sich auf die Konzeption, Entwicklung und Kommerzialisierung von kontinuierlichen Glukose-Monitoring-Systemen (unternehmensintern als CGM-Systeme bezeichnet), die sowohl auf den mobilen und ambulanten Einsatz durch Menschen mit Diabetes wie auch durch Ärzte abzielen, jedoch darüber hinaus auch an gesunde Menschen mit einem reinen Blutzuckermessungsbedarf adressiert sind (vor allem Sportler und Privatpersonen in besonderen (Dauer-)Stresssituationen).

Da Dexcom diese CGM-Systeme in den letzten Jahren technologisch immer weiter bis zur aktuell 5. Produktgeneration fortentwickelt hat, bestehen diese mittlerweile fast ausschließlich nur aus App-Lösungen für Smartphones oder Tablets auf modernsten und schnellsten Bluetooth- Funkübertragungsstandards.

Die aktuell noch gebräuchlichsten Serien Dexcom G4 und Dexcom G4 Platinum besitzen dabei das weltweit gültige CE- Sicherheitsstandards-Siegel und erhielten daraufhin die sofortige Vertriebserlaubnis in der gesamten Europäischen Union, Australien, Neuseeland, den Ländern Asiens und Lateinamerikas sowie in den USA (dort allerdings erst nach zusätzlicher Genehmigung durch die US-amerikanische Gesundheitsbehörde FDA).

Angeschlossen an Dexcom G4 Platinum ist in Erweiterung des klassischen G4 - Systems auch die Anwendung „Share“ (Teilung an andere), die es den Glucoseauswertern ermöglicht, ihre Sensorinformationen selbst aus der Ferne durch ihre Familie oder Freunde überwachen zu lassen. Hierbei besteht eine drahtlose Verbindung zwischen dem Empfänger (Receiver) und einer Anwendung auf dem iPhone, iPod touch oder iPad des Patienten, um diese Glukosedaten anschließend über (bestmöglich gesundheitsverträgliche) Bluetooth Low Energy-Funksignale auf die mobilen Geräte der gewünschten externen Empfänger zu übertragen.

Zudem wurde kürzlich nun auch erstmals eine entsprechende G5 Mobil-Lösung (= 5. Generation) zunächst für Smartphones entwickelt, deren Weiterentwicklungen und weltweite Einführungen nach Vergabe des CE-Siegels künftig jedoch ebenfalls sehr zeitnah zu erwarten sind.

Die Konzernumsätze von Dexcom erstreckten sich Ende 2019 noch zu 79 % auf die USA sowie zu 21 % auf das internationale Ausland, jedoch dürften selbst auch letztere nach unseren Erwartungen infolge der nahezu weltweiten Marktzulassungen aller Dexcom-Lösungen sowie steigenden Anwendungsbedarfs gerade in Schwellenländern künftig weiter rasant ausgebaut werden.

In dieser bereits seit über einem Jahrzehnt hoch lukrativen Produktnische gelang Dexcom historisch von Ende 2013 bis Ende 2019 eine kontinuierlich steigende Verneunfachung (!) des Umsatzes auf 1,47 Mrd. USD, so dass im Geschäftsjahr 2019 nun historisch erstmals auch unter dem Strich ein Nettogewinn von 101 Mio. USD erzielt wurde.

Für das Gesamtjahr 2020 erwarten die Analysten im Konsens nun eine weitere Umsatzsteigerung um + 25 %, gepaart mit einem um + 127 % hoch schießenden Reingewinn, nachdem im 2. Quartal 2020 bei einem Umsatzanstieg um + 35 % der Reingewinn gegenüber dem Vorjahr gar um das Zehnfache explodiert ist.

In längerfristiger Sicht von Ende 2020 bis 2022 dürfte der Nettogewinn von Dexcom nach Analystenkonsens bei einem Umsatzsprung um + 50 % insgesamt um weitere + 67 % hochschnellen, so dass sich somit dann das aktuelle KGV (2020e) von rd. 180 bis (2022e) auf rd. 108 ermäßigen dürfte.

 

Geschäfts- und Aktienprofil INSULET

 

Die nahezu zeitgleich mit DEXCOM in 2000 gegründete INSULET CORP. ist in Acton / Massachusetts ansässig und weist ebenfalls bereits eine beachtliche Aktienmarktkapitalisierung von 14 Mrd. USD auf (damit allerdings nur 1/3 der Aktiengröße von DEXCOM).

Grundsätzlich setzt INSULET - vereinfacht gesagt - in ihrem Geschäftsprofil dort an, wo die reine Blutzucker- und Insulinspiegeldiagnostik von DEXCOM endet, nämlich in der automatischen Insulinzufuhr im Rahmen eigener / privater Notfallbehandlungen bei festgestellten akuten Insulinmangelerscheinungen bzw. Zuckerschocks.

Hierin liegt also bereits der erste große Unterschied im Geschäftsprofil von Insulet zu Dexcom dahingehend, dass sich dieses bei Insulet tatsächlich ausschließlich an Diabetes-Patienten richtet, während die Blutzuckermessungen von Dexcom natürlich prinzipiell auch für jeden gesunden Menschen sinnvoll anwendbar sind (was somit das „einfachere“ Geschäftsmodell von Dexcom damit natürlich auch breiter anwendbar werden lässt, als das von Insulet).

Technisch ist dieses mobile, tragbare System automatisierter Insulinzufuhren von Insulet (genannt OmniPod Insulin Management - System oder im Folgenden kurz OmniPod-System) wie folgt strukturiert:

Das Omnipod-System verfügt über ein selbstklebendes, schlauchloses Einweg-Omnipod-Gerät mit Mikrokanülen, das etwa drei Tage am Körper getragen wird, sowie einen hieran angeschlossenen, tragbaren Personal Diabetes Manager (PDM) in Form eines Handhelds (ähnlich einem größeren Smartphone).

Das Omnipod-Gerät (Pod) ist dabei das Gerät, in das das Insulin bis zur Maximalhöhe eingefüllt wird und in einer völlig schmerzfreien Injektionszufuhr über die Mikrokanülen des Pods exakt voreingestellt in der Dosierung freigegeben wird, in der das hieran angeschlossene PDM-Handheld eine entsprechende Insulin-Unterversorgung signalisiert. Dieses vollintegrierte, mobile Diabetes Diagnose- und Behandlungsgerät hat gegenüber Dexcom (therapeutisch unverzichtbar) also somit den Vorzug, dass hierbei nicht nur auf die sperrigen Pumpen und Schläuche ambulanter Insulinverabreichungen gänzlich verzichtet werden kann, sondern auch das obigatorische Blutzuckermessgerät (wie z.B. von Dexcom) bereits gänzlich in den PDM von Insulet integriert ist.

Infolge der natürlich zunehmend ins Auge springenden technologischen Möglichkeiten, die Blutzuckerdiagnostik-CGM-Systeme von Dexcom mit den Omnipods von Insulet zu verbinden, trafen Insulet und Dexcom daher mit bereits laufender Dexcom CGM-Entwicklung der 6. und 7. Generation (G6 und G7) nun erstmals im Februar 2020 auch eine entsprechend weitreichende Kooperationsvereinbarung, da z.B. die Dexcom G6-Geräte auch erstmals darauf ausgelegt sein sollen, ein technisch unbedenkliches Glucose-Monitoring bereits für Kinder ab einem Alter von 2 Jahren zu gewährleisten und auch ab dem G6-Standard von Dexcom generell die sensorische Anbindung an jegliche externe automatisierte Insulinzufuhr-Systeme gegeben sein soll.

Ebenso wie Dexcom ist auch Insulet weltweit aktiv, wobei Ende 2019 66 % des Konzernumsatzes auf die USA sowie 34 % auf das internationale Ausland entfielen.

Auch Insulet erzielte in ihrer weltweit vorbildlichen Eigenschaft der Entwicklung mobiler Insulinversorgungssysteme von Ende 2013 bis Ende 2019 eine stattliche Umsatzverdreifachung auf 738 Mio. USD, die bereits erstmals im Jahr 2018 (also noch 1 Jahr früher als Dexcom) die Erzielung eines leicht positiven Konzernnettogewinns von 3 Mio. USD mit sich brachte. Dieser konnte anschließend in 2019 um 250 % auf 11,6 Mio. USD gesteigert werden.

Für das Gesamtjahr 2020 erwarten die Analysten im Konsens nun eine weitere Umsatzsteigerung um + 15 %, gepaart allerdings mit einem um - 15 % rückläufigen Nettogewinn, nachdem hier im 1. Quartal infolge eines stagnierenden EBIT-Betriebsgewinns sowie sehr hoher finanzierungsbedingter Zinsaufwendungen sogar erneut ein Nettoverlust von -2,1 Mio. USD angefallen war.

Ihre Ergebniszahlen zum 2. Quartal wird Insulet heute, am 06.08., nachbörslich vorlegen.

In längerfristiger Sicht von Ende 2020 bis 2022 dürfte der Nettogewinn von Insulet nach Analystenkonsens bei einem Umsatzsprung um + 43 % insgesamt nicht weniger als ver-14fachen (auf 134 Mio. USD), so dass sich somit dann das aktuelle KGV (2020e) von rd. 1300 bis (2022e) auf rd. 106, also auf ein nahezu identisches Niveau wie bei Dexcom, ermäßigen dürfte.

 

Chart: DEXCOM und INSULET gegen MSCI WORLD – Index (jeweils in Euro)

 

Dexcom und Insulet gegen MSCI World

 

Aktienbewertung und Anlageurteil DEXCOM vs. INSULET

 

Sowohl Dexcom wie auch Insulet sind ohne Frage absolute Weltpioniere und -marktführer in dem auch langfristig immer wichtiger werdenden Segment eigener Diagnosen und Akutbehandlungen von Störungen des Zuckerstoffwechsels bzw. Diabetes.

In dieser exzellenten Weltmarktposition und dem auch von medizinisch-therapeutischer Seite langfristig zweifellos immer gefragteren Betätigungsgebiet ist aus unserer Sicht ein weiterhin rasantes Umsatz- und Gewinnwachstum beider Konzerne in den nächsten Jahren nahezu vorprogrammiert.

Unter diesem Aspekt sind nun jüngst wie auch sicher in den kommenden Jahren verstärkt ausgebaute Kooperationsaktivitäten beider Konzerne natürlich sehr zu begrüßen und sollten für beide Konzerne langfristig klare „Win Win“-Beschlüsse darstellen.

Auch wenn sich bei Insulet von Ende 2020 – 2022 insgesamt ein noch deutlich stärkerer Nettogewinnsprung als bei Dexcom einstellen dürfte (dies allerdings auch von einer weit niedrigeren Gewinnbasis / höheren KGV-Bewertung in 2020 ausgehend), geben wir derzeit doch dem aus unserer Sicht eher berechenbarer stabilen Gewinnwachstum von Dexcom den Vorzug gegenüber dem von Insulet (Grund: reine Glukosediagnostik-, Diabetestherapie-Unterstützungsfunktion von Dexcom, ohne direkt allzu sehr diesem medizinischen Therapieentwicklungsrisiko ausgesetzt zu sein. Zudem Glukosediagnostikleistungen auch an gesunde Menschen, z.B. Sportler, adressiert).

Auch wenn wir die KGV-Bewertungen beider Aktien von jeweils knapp über 100 (2022e) aufgrund ihrer langfristig fraglos weiter boomenden Spezialnischen sowohl bei Dexcom wie auch bei Insulet prinzipiell für gerechtfertigt halten, sehen wir derzeit somit langfristig doch eine vergleichsweise höhere Gewinntransparenz und -stabilität auf der Seite von Dexcom, der wir deshalb sowie auch aufgrund ihrer weit niedrigeren KGV-Ausgangsbasis in 2020 den Anlagevorzug gegenüber Insulet geben.

Für risikobereitere/spekulativere Anleger, die jedoch langfristig eher auf die zunehmende Weltmarktdurchdringung des Omnipod-Systems von Insulet setzen und dabei von niedrigem Ausgangsniveau aus vor allem der voraussichtlichen Nettogewinnexplosion des Konzerns von Ende 2020 – 2022 Rechnung tragen wollen, kann ein Investment in die Insulet-Aktie jedoch ebenfalls auf jeden Fall eine Überlegung wert sein.

Wir werden daher die Aktie von DEXCOM mit morgiger Markteröffnung (07.08.) der Wall Street neu in unser Themendepot ZUKUNFTSTECHNOLOGIEN aufnehmen, und tun dies im Austausch gegen die Aktie des bisher im Depot enttäuschenden weltführenden Verwalters von Mobilfunkanlagen und -stationen, AMERICAN TOWER CORP. (US03027X1000), deren Ergebnis des 2. Quartals zudem sowohl in der Umsatz- wie auch Gewinnerzielung jeweils hinter den Analystenerwartungen zurückblieb.

 

05.08.2020 - Matthias Reiner - mr@ntg24.de

 









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