Euro-Anleihemarkt hat drei Zinserhöhungen eingepreist
Die Zinsdrohungen der EZB giessen zusätzliches Öl ins Feuer
Die Händler preisen inzwischen drei Zinserhöhungen im Euro ein. Wie konnte es so weit kommen? Ist es die starke Wirtschaft, die für Inflation sorgt? Nein, mitnichten. Der Motor der Euro-Zone - die deutsche Volkswirtschaft - ist von Berlin vor vier Jahren ausgekuppelt worden und läuft seitdem im Leerlauf mit sukzessive abnehmender Geschwindigkeit. Schaut man auf die deutschen Erzeugerpreise, dann sieht man einen tief deflationären Trend. Die Preise auf Ebene der Produzenten schrumpfen. Im Vergleich zum Vorjahr aktuell um mehr als -3 %. Aus einem solchen Impuls entsteht selten ein Inflationsschub, der mit drei Zinserhöhungen in einem Jahr bekämpft werden muss.
Hintergrund für die Bewegung am Anleihemarkt ist die Haltung der Europäischen Zentralbank. Die Ratsmitglieder der EZB stellen sich aktuell vor die Kameras und geben die Leitlinie vor: Wenn die Daten es im April hergeben, wird man die Zinsen erhöhen. Man wolle sich aber auf keinen Fall jetzt schon festlegen, denn die Unsicherheit sei zu hoch. Doch wie liegt hier die Unsicherheit aus Sicht eines Ökonomen?
Die Energiepreise gehen in Europa komplett durch die Decke aufgrund des Iran-Krieges. Da die Europäische Union sich selbst die Versorgung mit russischem Gas und Erdöl abgeschnitten hat, bleiben im Wesentlichen nur noch die Amerikaner, die aber die Preise treiben, um vom Engpass maximal zu profitieren. Das wissen alle Energieeinkäufer und haben daher schon mit Beginn des Iran-Krieges alle verfügbaren Lieferungen weltweit aufgekauft. Man hat zudem mehr eingekauft, als man eigentlich benötigt, weil Lieferungen ausfallen können und horden in diesem Umfeld von Vorteil sein kann. Ein Herdenverhalten, das den Engpass zuspitzt und die Preise zusätzlich in die Höhe schiessen lässt.
EZB giesst mit Zinsdrohungen Öl ins Feuer
Jeder Volkswirt weiss, dass die Kosten für Energie omnipotent die Preise in einer Volkswirtschaft tangieren. Nicht mit einer Zeitverzögerung, sondern nahezu ad-hoc, denn Erdöl und Gas sind Spotmärkte, die die Zukunft preisen und entsprechend agil reagieren. Da Energie nahezu jeden denkbaren Preis beeinflusst, führt ein plötzlicher und globaler Anstieg von Energiekosten unumgänglich dazu, dass die Inflationsraten in Europa ab April signifikant steigen werden. Da herrscht keine Unsicherheit drüber. Die Frage ist jedoch, was die angekündigten Zinserhöhungen der EZB nutzen sollen. Werden steigende Fremdkapitalkosten dazu führen, dass weniger Energie verbraucht wird? Nein. Der Löwenanteil des Energieverbrauchs ist nicht optional, sondern zwingend notwendig, um den Status Quo zu erhalten. Sie werden im März ihre Heizung nicht herunterdrehen, weil im Iran Krieg herrscht. Auch lassen Sie im Zweifel nicht Ihr Auto stehen, weil die Zinsen steigen, sondern zahlen zähneknirschend mehr als 2 Euro / Liter, weil Sie zur Arbeit müssen oder Ihr Lkw die vertraglich vereinbarten Auslieferungen erbringen muss. Kurzum:
Höhere Zinsen im Euro bekämpfen diese Form der Inflation nicht. Ihr Ursprung ist extern und nicht durch Europa oder die EZB beeinflussbar. Der Auslöser ist der Iran-Krieg und der Brandbeschleuniger ist die künstliche Verknappung von fossilen Energiequellen durch die europäische Politik. Diese Form der Inflation bekämpft man nicht mit höheren Zinsen, sondern mit Steuersenkungen auf Energie und Gesprächen mit Russland über eine Wiederaufnahme der Erdöl- und Gaslieferungen.
Die Ankündigung einer Zinserhöhung im Euro sorgt in diesem fragilen Marktumfeld dafür, dass die Anleger in Panik geraten. Denn steigende Zinsen, die der Anleihemarkt heute und nicht erst im April einpreist, nehmen dem Kapitalmarkt dringend benötigte Liquidität. Das eskaliert den Verkaufsdruck zusätzlich, womit die Europäische Zentralbank bildlich gesprochen Öl ins Feuer giesst und den Abverkauf am Aktien- und Anleihemarkt beschleunigt. Die Edelmetallmärkte geraten ebenfalls unter heftigen Verkaufsdruck, da in den Portfolios in der Regel zuerst die Positionen abverkauft werden, die noch im Gewinn sind.
Die Fed ist da besonnener (und intelligenter), sorgt aber am Dollar-Anleihemarkt ebenfalls für Druck. Der resultiert nicht aus der Sorge vor Zinserhöhungen, sondern aus der neuen Erwartungshaltung, dass die bisher in Aussicht stehenden Zinssenkungen nicht kommen werden. Denn Fed-Chair Powell hat auf der Pressekonferenz am Mittwoch durchblicken lassen, dass er in jedem Fall so lange im Board of Governors bleiben wird, bis das US-Justizministerium die Ermittlungen gegen ihn abgeschlossen hat. Und im Zweifel wird er seine volle Amtszeit als Fed-Gouverneur bis 2028 erfüllen. Das Amt als Fed-Chair endet im Mai, wenn der US-Senat bis dahin Kevin Warsh bestätigt.
Damit muss Powell aber nicht zwingend die Fed verlassen. Es ist in der Vergangenheit üblich gewesen, dass der Chair nach Ende der Amtszeit geht, aber rein rechtlich kann Powell in seine ursprüngliche Rolle als stimmberechtigtes Mitglied im Board of Governors der Fed bis zum Ende dieser Amtszeit zurückkehren. Wählt Powell diesen Schritt, kann er den Plan von Präsident Trump sabotieren, die Strukturen der US-Notenbank so umzubauen, dass am Ende das Weisse Haus Einfluss auf die Zinsen nehmen kann. Denn Präsident Trump muss einen weiteren Loyalen im Board of Governors platzieren, um die nötigen Stimmen zu erreichen. Bleibt Powell bis 2028, versperrt er diesen Zugang. Dieser Schachzug, den Powell am Mittwoch zwischen den Zeilen andeutete, bedeutet nichts anderes, als dass die Wall Street mit Warsh voraussichtlich vorerst keine Zinssenkungen bekommen wird.
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21.03.2026 - Mikey Fritz

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