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Gold bleibt zwischen Kriegsrisiko und Diplomatie gefangen

Washington spricht von Gesprächen mit Iran, Teheran widerspricht – der Goldpreis reagiert weniger auf die Schlagzeile als auf die ungelöste Frage, ob der Konflikt tatsächlich an Eskalationspotenzial verliert

NTG24 - Gold bleibt zwischen Kriegsrisiko und Diplomatie gefangen

 

Die politische Botschaft klang zunächst nach Entspannung, doch ihre Grundlage erwies sich innerhalb weniger Stunden als brüchig. US-Präsident Donald Trump setzte einen neuen Angriff auf Iran aus und verwies auf bevorstehende Gespräche. Teheran erklärte dagegen, es gebe weder laufende Verhandlungen mit Washington noch Pläne für ein Treffen. Für den Goldmarkt entstand daraus kein klassisches Entspannungssignal, sondern eine Zwischenlage: weniger unmittelbare Angriffserwartung, aber weiterhin erhebliche Unsicherheit über die Straße von Hormus und den weiteren Verlauf des Konflikts.

Diese widersprüchliche Nachrichtenlage hält Gold (TVC:GOLD) nahe der psychologisch wichtigen Marke von 4.000 US-Dollar, ohne eine neue Fluchtbewegung auszulösen. Gegen 10:12 Uhr New Yorker Zeit beziehungsweise 16:12 Uhr MESZ notierte der Spotpreis laut Reuters bei 4.029,84 US-Dollar je Feinunze und damit 0,3 Prozent unter dem vorherigen Vergleichswert. Der August-Gold-Future lag gleichzeitig bei 4.029,00 US-Dollar und verlor 0,5 Prozent.

 

Eine Angriffspause ist noch keine geopolitische Entwarnung

 

Der Preisrückgang fällt gemessen an der politischen Schlagzeile auffallend begrenzt aus. Trump hatte einen weiteren US-Angriff zunächst zurückgestellt und die Aussicht auf eine rasche Vereinbarung mit Iran in den Raum gestellt. Gleichzeitig erklärte das iranische Außenministerium jedoch, dass derzeit keine Gespräche mit den Vereinigten Staaten stattfänden. Nach Angaben aus Teheran konzentrieren sich die laufenden Kontakte vielmehr auf Oman und auf eine mögliche Regelung für den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus. Die iranische Darstellung widerspricht damit dem Eindruck eines bereits begonnenen politischen Annäherungsprozesses.

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Werbebanner EMH PM TradeFür Gold ist diese Differenz zentral. Eine glaubwürdige Vereinbarung über Hormus könnte gleich mehrere Risikokanäle entschärfen: die Gefahr neuer US-Angriffe, Störungen der Energieversorgung und einen erneuten Inflationsschub durch steigende Ölpreise. Ein bloßer Aufschub militärischer Aktionen verändert dagegen vor allem den Zeitpunkt des Risikos. Solange Washington und Teheran bereits darüber uneins sind, ob direkte Verhandlungen überhaupt stattfinden, bleibt ein Teil der geopolitischen Absicherung im Goldpreis nachvollziehbar.

Die Reaktion am Ölmarkt war dennoch wesentlich kräftiger. Rohöl gab nach der amerikanischen Angriffspause deutlich nach. Das wirkt auf Gold auf zwei Wegen gleichzeitig. Einerseits sinkt mit fallenden Energiepreisen der Bedarf an unmittelbarer Krisenabsicherung. Andererseits schwächt billigeres Öl den Inflationsdruck und damit das Argument für zusätzliche Zinserhöhungen in den USA. Am Montag überwog dieser zweite Effekt zeitweise: Ein schwächerer Dollar und nachgebende Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen verschafften Gold Unterstützung, ohne jedoch eine nachhaltige Aufwärtsbewegung zu erzeugen.

 

 

 

Unter 4.100 US-Dollar wird die politische Prämie neu vermessen

 

Der Montag liefert deshalb keinen einfachen Beleg dafür, dass geopolitische Risiken für Gold an Bedeutung verlieren. Er zeigt vielmehr, wie stark ihr Preiseffekt mittlerweile von der Zinswirkung abhängt. Im Juli waren die Brent-Futures nach erneuten Kämpfen zwischen den USA und Iran sowie Angriffen auf Tanker in der Region um mehr als 20 Prozent gestiegen. Höhere Energiekosten verstärkten damit zugleich die Inflationsgefahr und die Erwartung einer restriktiveren Federal Reserve. Das ist für einen zinslosen Vermögenswert eine ungewöhnliche Konstellation: Derselbe Konflikt, der Gold als sicheren Hafen stützen kann, erhöht über Öl und Inflation gleichzeitig seine Opportunitätskosten.

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Diese Gegenkräfte erklären auch, weshalb sich die Notierung seit Wochen grob zwischen 4.000 und 4.200 US-Dollar bewegt. Der Bereich um 4.000 US-Dollar besitzt dabei mehr Bedeutung als eine gewöhnliche runde Chartmarke. Ein Bruch darunter würde darauf hindeuten, dass sinkende geopolitische Risikoprämien und hohe reale Finanzierungskosten gemeinsam stärker wirken. Hält die Zone dagegen trotz glaubwürdigerer Entspannungssignale im Nahen Osten, wäre das ein Hinweis darauf, dass strategische Käufer weiterhin andere Risiken absichern als nur den nächsten militärischen Zwischenfall.

Dazu passt die Entwicklung bei den Zentralbanken. Der World Gold Council berichtet in seiner diesjährigen Reserveumfrage, dass Zentralbanken in den vergangenen vier Jahren durchschnittlich rund 1.000 Tonnen Gold pro Jahr aufgebaut haben. 89 Prozent der befragten Reserveverwalter erwarten für die kommenden zwölf Monate weiter steigende globale Zentralbankbestände; 45 Prozent rechnen auch bei der eigenen Institution mit zusätzlichen Käufen. Die Befragung wurde größtenteils bereits unter dem Eindruck des Nahostkonflikts durchgeführt.

Diese Nachfrage reagiert langsamer als der Terminmarkt und unterscheidet nicht danach, ob ein angekündigter Angriff um einige Tage verschoben wird. Geopolitische Fragmentierung, Sanktionsrisiken, Währungsreserven und die Absicherung gegen politische Abhängigkeiten wirken über wesentlich längere Zeiträume. Dass Gold am Montag trotz der widersprüchlichen Iran-Nachrichten keinen kräftigen Sicherheitsaufschlag erhält, steht dazu nicht im Widerspruch. Kurzfristige Krisenprämie und strategische Reservenachfrage sind zwei verschiedene Ebenen desselben Marktes.

 

Der Nahostkonflikt bleibt ein Risiko mit zwei Preisrichtungen

 

Für die kommenden Sitzungen liegt die entscheidende Information deshalb weniger in der nächsten diplomatischen Formulierung als in überprüfbaren Veränderungen: Beginnen direkte Gespräche tatsächlich, wird der Schiffsverkehr durch Hormus dauerhaft sicherer und sinkt die Wahrscheinlichkeit weiterer Angriffe, verliert Gold einen Teil seiner unmittelbaren Versicherungsfunktion. Scheitert schon die politische Kontaktaufnahme oder treten neue Zwischenfälle auf, kann sich die gegenwärtig gedämpfte Sicherheitsprämie rasch wieder ausweiten.

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Gleichzeitig kann selbst eine Entspannung Gold stützen, wenn dadurch Ölpreise, Inflationserwartungen, US-Renditen und der Dollar weiter nachgeben. Die ungewöhnliche Marktlogik des Montagshandels liegt genau darin: Frieden wäre für Gold nicht zwangsläufig bearish und eine neue Eskalation nicht automatisch bullish. Entscheidend ist, über welchen Kanal der Konflikt anschließend auf Inflation und amerikanische Geldpolitik wirkt.

Stand: Montagabend, 03.08.2026, gegen 18:00 Uhr MESZ. Die zuletzt belastbar verifizierten Spot- und August-Future-Daten beziehen sich auf 16:12 Uhr MESZ. Der US-Terminhandel war zum Zeitpunkt der Erstellung noch nicht abgeschlossen; ein endgültiger COMEX-Schlusskurs beziehungsweise ein offizielles Settlement lag noch nicht vor.

 

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03.08.2026 - Jörg Möller

Unterschrift - Jörg Möller

 

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