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Snam und PipeChina – ein neues Dream Team?

China energiestrategisch – der Fall Italien

 

Wie das Infoportal ,,Business Recorder‘‘ unter Berufung auf die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, hat ein italienischer Gaskonzern gestern ein strategisches Abkommen mit PipeChina vereinbart.

Ziel dieser Vereinbarung sei es, gemeinsam Projekte zum Aufbau von Gasinfrastruktur in China und Drittländern durchzuführen.

Das Abkommen wurde nach einem Treffen des italienischen Außenministers Luigi Di Maio mit seinem Amtskollegen Wang Yi in Rom bekannt gegeben.

Es ist das erste internationale Übereinkommen von PipeChina.

Früher war PipeChina unter dem Namen ,,China Oil and Gas Pipeline Network‘‘ bekannt. Es übernimmt die Lagerkapazitäten für Gas und Öl innerhalb Chinas von den beiden staatlichen Energiekonzernen PetroChina und Sinopec.

Ziel dieser Transaktionen ist es, einen neutralen Zugang zur Gas- und Ölpipeline-Infrastruktur zu schaffen und damit kleinen nichtstaatlichen Unternehmen Anreize für Investitionen in diesem Sektor zu geben. Soweit zumindest die offizielle Begründung.

Europas größtes Transport-Netzwerk für Gas, Snam (Societa Nazionale Metanodotti), teilte mit, im Rahmen der Vereinbarung würde es PipeChina helfen, in China ein Netzwerk zum Transport, der Lagerung und der Rückumwandlung in Gas, etwa aus LNG (Flüssiggas) zu bauen und zu betreiben.

Das italienische Unternehmen konzentriert sich bei seiner Entwicklung insbesondere auf Lösungen für umweltfreundliche Gas- und Wasserkraftlösungen. Deshalb könne man sich auch vorstellen, in China auch im Rahmen dieser Energie-Transformation tätig zu werden.

Snam, welches seit 2 Jahren auf dem chinesischen Markt tätig ist, wird vom staatlichen italienischen Unternehmen CDP (Cassa Depositi e Prestiti) über eine Gesellschaft kontrolliert, an der auch die chinesische ,,State Grid Corporation of China‘‘ Anteile hält. CDP besitzt bereits einen Anteil von 25.76 % am Ölkonzern ENI, 29,85 % am Stromnetzkonzern Terna, 71,64 % am Schiffbauer Fincantieri und 9,99 % am staatlichen Telekomkonzern Telecom Italia.

Snam teilte auch mit, dass man in China der ,,privilegierte Partner‘‘ von PipeChina werde. Man werde zusammen nach gemeinsamen Investitionen auch außerhalb Chinas Ausschau halten.

Zuvor hatten am Dienstag die Außenminister Di Maio und Wang Yi besprochen, wie die bilaterale wirtschaftliche Partnerschaft neue Dynamik gewinnen könne. Dabei lobte Di Maio China als einen der wichtigsten Wirtschaftspartner Italiens.

 

Fazit

 

Im Frühjahr hatte die italienische Regierung ausgelotet, ob sich der staatliche Finanzierer CDP an strategisch wichtigen Unternehmen beteiligen soll, welche in der Corona-Krise ins Straucheln kommen (könnten). Ähnliche Absichten bestehen in Deutschland mit der Kreditanstalt für Wiederaufbau.

Dass man die Geschäftsperspektiven der italienischen Unternehmen durch verstärkte Kooperation verbessern will, ist durchaus plausibel. Dass Italien aber als einiges EU-Mitglied der Seidenstraßen-Initiative Chinas angehört, wirft Fragen nach einer kohärenten EU-Politik gegenüber China auf.

Der aktuell stattfindende Prozess der Politikformulierung der EU könnte aufgrund der notwendigen Einstimmigkeit zu einem strategischen Problem für die EU und einer strategischen Chance für China werden, mit dem Prinzip ,,Teile und herrsche‘‘ Einfluss auf die EU-Politik zu erlangen.

Das gezielte Setzen von Kooperationsanreizen in Verbindung der ,,freiwilligen‘‘ Selbstzurückhaltung bei der Missbilligung undemokratischen Staatshandelns durch China dürfte wie auch gegenüber Russland zum eigentlichen Stresstest für die Außenpolitik der Europäischen Union werden, welche nun mehr und mehr auch zu einer EU-Innenpolitik wird.

 

26.08.2020 - Arndt Kümpel - ak@ntg24.de

 






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