Bundesregierung will KI-Rechenleistung bis 2030 vervierfachen
Fokus auf nachhaltige Infrastruktur und Steuereinnahmen
Die Bundesregierung plant eine umfassende Erweiterung der Rechenzentrumskapazitäten in Deutschland, um den Anforderungen der digitalen Transformation gerecht zu werden. Im Mittelpunkt steht dabei eine deutliche Steigerung der Kapazitäten für künstliche Intelligenz, die bis zum Jahr 2030 mindestens vervierfacht werden sollen. Dieses Vorhaben ist Teil eines neuen Strategiepapieres des Bundesministeriums für Digitales und Staatsmodernisierung, das dem Kabinett zur Beschlussfassung vorliegt.
Erweiterung der digitalen Infrastruktur
Angesichts des steigenden Bedarfs an Rechenleistung durch Anwendungen wie KI, Cloud-Computing und digitalisierte Industrie 4.0-Prozesse soll die Leistungsfähigkeit klassischer Rechenzentren bis 2030 mindestens verdoppelt werden. Die Kapazitätssteigerung im Bereich der künstlichen Intelligenz fällt sogar noch ambitionierter aus. Die Bundesregierung setzt dabei auf eine Kombination aus Ausbau bestehender Standorte und Nutzung brachliegender Industrieflächen. So sollen etwa ehemalige Kraftwerksareale, die bereits über essenzielle Infrastruktur wie Strom- und Netzanschlüsse verfügen, neu erschlossen werden. Diese Brownfield-Standorte bieten den Vorteil, dass sie eine schnellere Realisierung der Projekte ermöglichen als reine Neubauflächen.
Steuerliche Impulse für Kommunen
Ein bedeutsames steuerpolitisches Element der Initiative betrifft die Gewerbesteuer. Künftig soll die Gewerbesteuer stärker an dem Standort erhoben werden, an dem das Rechenzentrum tatsächlich betrieben wird. Diese Änderung zielt darauf ab, die Kommunen, die Flächen und Infrastruktur zur Verfügung stellen, besser finanziell zu stärken. Die bisherigen steuerlichen Regelungen führten häufig zu einer geringeren Beteiligung der Gemeinden, die direkt von der Ansiedlung der Rechenzentren betroffen sind. Mit der neuen Aufteilung der Steuereinnahmen soll die Akzeptanz für solche Großprojekte auf lokaler Ebene erhöht werden.
Nachhaltigkeit und Energieeffizienz
Ein weiterer zentraler Aspekt der Strategie ist die Nutzung erneuerbarer Energien zur Stromversorgung der Rechenzentren. Die Bundesregierung strebt an, sämtliche neue Anlagen möglichst komplett mit Ökostrom zu betreiben. Gleichzeitig soll gewährleistet werden, dass der Ausbau von Rechenzentren nicht in Konkurrenz mit anderen energieintensiven Vorhaben wie Batteriespeichern gerät. Die Vergabe von Netzanschlüssen wird daher künftig stärker an den tatsächlichen Entwicklungsstand der Projekte angepasst, um Überlastungen und Ineffizienzen zu vermeiden.
Darüber hinaus wird die Nutzung der Abwärme aus Serveranlagen als bedeutendes Effizienzpotenzial betrachtet. Auf europäischer Ebene will sich Deutschland dafür einsetzen, dass die kostenlose Bereitstellung dieser Wärme an kommunale Heiznetze steuerlich begünstigt wird. Dies könnte die Energiekosten senken und gleichzeitig den Einsatz erneuerbarer Energie in der Wärmeversorgung fördern.
Stärkung der digitalen Souveränität
Neben den energie- und steuerpolitischen Maßnahmen verfolgt die Bundesregierung auch industriepolitische Ziele. Zentral ist dabei die Verringerung der Abhängigkeit von internationalen Cloud-Anbietern, insbesondere von US-amerikanischen Hyperscalern wie Amazon Web Services, Google Cloud oder Microsoft Azure. Der Fokus liegt darauf, neue Rechenzentrumskapazitäten bevorzugt durch deutsche oder europäische Betreiber zu schaffen. Diese Strategie dient dazu, Deutschland und Europa als eigenständige und wettbewerbsfähige Datenstandorte zu positionieren, die künftig bei digitalen Infrastrukturen eine Schlüsselrolle übernehmen.
Mit dem vorliegenden Maßnahmenkatalog wird klar, dass die Bundesregierung die Voraussetzungen schaffen will, damit Deutschland den Anforderungen einer zunehmend datengetriebenen Wirtschaft gerecht wird. Das Gleichgewicht zwischen ökologischen, wirtschaftlichen und kommunalen Interessen soll mit Blick auf eine zukunftsfähige digitale Infrastruktur gewahrt bleiben.
19.03.2026 - Daniel Eilenbrock

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