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Standhafter Kaffeepreis

Arabica-Nachfrage mit Corona-Teilimmunität

 

Der Kaffeepreis bastelt weiter an seinem massiven Boden. So zumindest erscheint die derzeitige charttechnische Lage beim Kaffee-Future der Sorte Arabica.

Arabica-Kaffee ist die weltweite Benchmark für Kaffee-Futures. Sie werden an der Intercontinental Exchange (ICE) gehandelt. Die Sorte Arabica macht rund 75 % der weltweiten Kaffeeproduktion aus und wird vor allem in Brasilien (rund 40 % des weltweiten Kaffeeangebots) und in Kolumbien angebaut.

Die Kaffeesorte Robusta macht die restlichen 25 % des weltweiten Kaffeeangebots aus und wird vor allem in Vietnam angebaut, woher 15 % der Weltkaffeeproduktion stammen. Weitere große Kaffeeexporteure sind Indonesien, Peru, Indien, Uganda, Äthiopien, Mexiko und die Elfenbeinküste. Unter den großen Verbraucherregionen bevorzugen die Europäer eher die Sorte Robusta, während in den USA vor allem die Sorte Arabica geschätzt wird.

Der Kaffee-Future an der ICE konnte nun auch im September sein Aufwärtsmomentum aufrechterhalten. Dabei stieg der Future-Kontrakt auf ein 8-Monats-Hoch.

Profitieren konnte der Kaffeepreis dabei vor allem von der anhaltend hohen Nachfrage nach Kaffee, da viele Arbeitstätige von zu Hause arbeiten und dabei offensichtlich die Kaffeenachfrage solide bleibt. Dabei wurden offensichtlich auch zusätzliche Kaffee-Vorräte angelegt. Vor allem der erste Lockdown sowie ein weiterhin im Raum stehender zweiter Lockdown löste eine Vorratshaltung bei Kaffee aus.

Derweil teilte die ,,International Coffee Organization (ICO)‘‘ mit Blick auf die Angebotsseite des Marktes mit, dass man für die Anbausaison 2019/2020 einen kleinen Angebotsüberschuss erwarte. Hier gehen die Meinungen jedoch auseinander. Andere Experten erwarten sogar ein Angebotsdefizit für das jetzt endende Anbaujahr.

Aus heutiger Sicht lässt sich festhalten, dass die Kaffeenachfrage im Zuge der Corona-Krise nicht wie zuvor befürchtet und eingepreist, dramatisch eingebrochen ist. Hier unterscheidet sich Kaffee deutlich von anderen Rohstoffen wie etwa Rohöl oder bestimmten Industriemetallen.

Hinzu kommt aber auch der Einfluss des US-Dollar. Dieser hat gegen die Währungen der meisten Produzentenländer, insbesondere Brasilien, deutlich aufgewertet. Dies hat die Preise für Kaffee in US-Dollar gedämpft, da die Kaffeeproduzenten aufgrund der für sie sehr vorteilhaften Wechselkursentwicklung (Kosten in brasilianischen Real, Erlöse in ,,harten‘‘ US-Dollar) bereit waren, ihre Ernte mittels der auf Dollar lautenden Kaffee-Futures eher zu verkaufen.

 

 

Der Kaffee-Future hat die Turbulenzen um die Corona-Pandemie denn auch erstaunlich gut weggesteckt. Chart 1 zeigt, dass im Ausverkauf vom März 2020 die Tiefstkurse des Jahres 2019, aber auch jene des Jahres 2005 (blaue gestrichelte Horizontale) nicht unterschritten wurden.

Stattdessen konnte der Kaffeepreis im 4. Quartal 2019 seinen seit 2011 laufenden langfristigen Abwärtstrend überwinden, welcher durch die Preisrückgänge im Januar und im Juni 2020 nochmals von oben kommend getestet wurde.

Chart 2 zeigt, dass sich die Aufwärtsbewegung danach weiter beschleunigt hat. Inzwischen hat der Kaffeepreis auch wieder seine ebenfalls langfristige Aufwärtstrendlinie (rote ansteigende Linie) von unten nach oben durchschnitten und ist dabei, auf Wochenbasis ein neues Jahreshoch zu bilden.

 

 

Fazit

 

Insgesamt zeigt sich die Marktsituation am Kaffeemarkt wie auch jene am Markt für Future Kontrakte vielversprechend. Auch wenn der Anstieg der letzten Wochen einer Konsolidierung bedarf, so deuten doch die längerfristigen Indikatoren an, dass der Kaffeepreis seinen Boden im Bereich von 0,90 USD je Pfund Kaffee gefunden haben könnte.

 

07.09.2020 - Arndt Kümpel - ak@ntg24.de

 






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