Private Credit: Gläubiger ziehen sich zurück
Private Credit unter Druck - kippt als nächstes die Stimmung bei Unternehmensanleihen?
Der Spreads sind eng und der Markt beginnt wankelmütig zu werden. Doch nicht der US-Unternehmensanleihemarkt ist das Epizentrum eines potenziellen Sell-offs, sondern der exorbitant gewachsene Private Credit Markt. Und der neue Wilde Westen am Kapitalmarkt zeigt Anzeichen von Stress.
Während die Anleger auf die vieldiskutierten Risk-On Assets wie Aktien und Kryptowährungen schauen, hat sich zur Jahreswende auch eine viel zu wenig beachtete Assetklasse Richtung Süden entwickelt. Zumindest was die Stimmung der Anleger angeht. Private Credit ist in den USA unter deutlichen Druck geraten, weil die Investoren zum Jahresende hin viele Gelder abgezogen haben.
Private Credit ist der junge Markt, wo Kredite ohne die Mitwirkung von Banken abgeschlossen, gehandelt und getilgt werden. Quasi ein Peer-to-Peer-Netzwerk zwischen Investoren und Unternehmen. Natürlich haben sich auch hier dann schnell Mittelsmänner gefunden, die Angebot und Nachfrage poolen und selbst quasi als Markt Maker den Handel stellen, aber keine regulierten Banken sind. Der Privat Credit Markt ist wie der Junk Bonds Markt in den 80er-Jahren: Unreguliert, intransparent, wild und sehr profitabel für diejenigen, die den Durchblick haben. Denken Sie an Michael Milken, dann haben Sie eine Idee, um was es sich bei dieser modernen Fassung dreht.
Private Credit: Gläubiger ziehen sich zurück
Liquidität ist am Private Credit Markt keine Selbstverständlichkeit. Wir reden hier nicht über T-Bills, deren Handel liquide wie der Rhein ist, sondern über Ebbe und Flut. Bewegt sich der Anleihemarkt in einem Risk-On Modus, laufen Milliarden über Milliarden an Krediten durch den Private Credit Markt. Realisiert sich jedoch ein plötzliches Eventrisiko oder erhöht die Federal Reserve plötzlich und unvorhergesehen die Zinsen, dann ist dieser Markt trocken wie die Sahara an einem Sommertag. Wer dann kaufen oder verkaufen will, bekommt Spreads angeboten, durch die ein Lkw durchfahren kann. Es ist daher von grösster Bedeutung für die eigene Performance, Private Credit zu verkaufen, solange man noch kann, und nicht, wenn man muss. Warum ist das von Bedeutung?
Die Spreads von Unternehmensanleihen zu Staatsanleihen im Dollar-Markt haben den niedrigsten Stand seit 2007 erreicht. Und wenn Unternehmensanleihen ohne grossen Renditeaufschlag zu Staatsanleihen gehandelt werden, dann hat das zwei wichtige Bedeutungen: 1) Die Gläubiger sind ausgesprochen euphorisch, dass die Ausfallsrisiken der Unternehmensanleihen bzw. -kredite derzeit sehr gering sind. 2) Die Gläubiger haben so gut wie keinen Schutz, wenn sie in ihrer Annahme falsch liegen, weswegen es Verkaufsorders hagelt, sobald der Markt sich gegen sie dreht. Und:
Der Private Credit Markt hat zum Jahresende massive Kapitalabflüsse gesehen. Da die Intransparenz gross ist, müssen wir uns auf die Daten der Mittelsmänner verlassen, was die üblichen Verdächtigen sind (Apollo Global Management, Ares Management, Barings, Blackstone, BlackRock, Blue Owl, Cliffwater, Oaktree, usw.). Die erlebten zum Jahresende hin Redemptions (Anteilsverkäufe durch Investoren) in Höhe von durchschnittlich rund 5 % der Assets. Spitzenreiter mussten bis zu 15 % ihrer Assets an die Investoren zurückzahlen. Insgesamt reden wir bisher über Verkäufe in Höhe von mehr als 7 Mrd. US-Dollar, aber noch liegen nicht alle Daten vor.
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21.01.2026 - Mikey Fritz

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